Streiks bei der Billigfluglinie Ryanair bleibt am Boden

In Deutschland stimmen die Ryanair-Piloten in der Vereinigung Cockpit bis  Ende Juli über einen unbefristeten Streik ab. Foto: dpa
In Deutschland stimmen die Ryanair-Piloten in der Vereinigung Cockpit bis Ende Juli über einen unbefristeten Streik ab. Foto: dpa

Über viele Jahre hinweg hat der irische Billigflieger Ryanair die Interessen der Mitarbeiter ignoriert, das rächt sich jetzt und die Passagiere sind wieder einmal die Leidtragenden

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Frankfurt - Die meisten Urlauber, die in der kommenden Woche mit dem irischen Billigflieger Ryanair in die Ferien fliegen wollen, haben sich offenbar bereits mit den bevorstehenden Streiks abgefunden. Mehr als 75 Prozent der rund 50 000 betroffenen Passagiere wären bereits umgebucht worden oder hätten ihr Geld zurück bekommen, twitterte Ryanair am Donnerstagnachmittag. Bei den beiden Pilotenstreiks, die am heutigen Freitag und am kommenden Dienstag stattfinden, seien es sogar mehr als 90 Prozent. Per SMS oder Email seien die Passagiere informiert worden, Einzelheiten zum Streik findet man am besten auf Twitter. Man habe alles versucht, um diese Streiks zu verhindern, erklärte Ryanair-Manager Kenny Jacobs.

Die angekündigten Streiks der Flugbegleiter am kommenden Mittwoch und Donnerstag in Belgien, Spanien und Portugal würden rund zwölf Prozent der täglich beförderten Passagiere betreffen. Je rund 200 der täglich 830 Flüge nach und von Spanien würden ausfallen und jeweils 50 von und nach Belgien und Portugal. Davon sind auch deutsche Flughäfen betroffen, Einzelheiten nannte die Fluggesellschaft aber nicht. Die genauen Planungen laufen noch, auch wenn Ryanair die Streichungen schon eine Woche im Voraus bekannt gegeben hat. Aus Sicht des Unternehmens seien die Arbeitsniederlegungen überflüssig, schließlich zahle Ryanair bis zu 40 000 Euro im Jahr für Flugbegleiter, „und das in Ländern, in denen es eine hohe Jugendarbeitslosigkeit gibt“, wie Jacobs betonte.

Ryanair wehrt sich seit seiner Gründung gegen Betriebsräte

Die Gewerkschaften sehen das offenbar anders. Die irische Billigfluggesellschaft hat sich seit ihrer Gründung gegen Arbeitnehmervertreter gewehrt, sich möglichst lange auch davon fernhalten können. Inzwischen aber, mit mehr als 13 000 Beschäftigten und 86 Basisflughäfen in verschiedenen Ländern, lässt sich der Druck nicht mehr aufhalten. Auch in Deutschland, wo die Iren mehrere Flughäfen wie Stuttgart, Frankfurt, Frankfurt-Hahn und andere anfliegen, hat man sich mittlerweile mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf Gespräche geeinigt, was Ryanair als „historischen Abschluss“ auf Twitter bezeichnet. Auch die Pilotengewerkschaft Cockpit hat schon zu ersten Verhandlungen mit Ryanair angesetzt, die Manager seien aber knallhart, sagt Cockpit-Sprecher Markus Wahl.

In Deutschland stimmen die Ryanair-Piloten in der Vereinigung Cockpit bis Ende Juli über einen unbefristeten Streik ab. Ihre Forderungen orientieren sich an den Tarifbedingungen bei den Konkurrenten Tuifly und Easyjet. Die Forderungen der Piloten und der Flugbegleiter ähneln sich. Es geht um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. So müssen die Flugbegleiter etwa ihre Getränke an Bord selbst bezahlen oder sich selbst bei Krankheit zuerst am Arbeitsplatz melden, um zu beweisen, dass sie wirklich krank sind.

Die extrem günstigen Preise locken Passagiere an

Die neuen Forderungen würden die Kosten deutlich erhöhen, betont das Management. Jährliche Mehrkosten von rund 112 Millionen Euro habe man bereits einkalkuliert. Ryanair konnte vor allem mit extrem günstigen Preisen immer mehr Passagiere anlocken. Dabei störte es die meisten Kunden auch nicht, dass sie statt auf dem Internationalen Flughafen Frankfurt in dem 120 Kilometer entfernten Regionalflughafen Hahn im Hunsrück starten und landen mussten. Das Netz der Airline hat sich aber immer mehr ausgeweitet. Inzwischen sind die Iren zu einem durchaus ernst zu nehmenden Konkurrenten der Lufthansa geworden, die darauf mit dem Ausbau von Eurowings reagiert hat.

„Ryanair droht ein Dauerkonflikt, in dem irgendwo immer gestreikt wird“, sagt Christoph Drescher, Präsident des europäischen Kabinenbeschäftigtenverbandes Eurecca, der einen Teil der Flugbegleitergewerkschaften vereinigt. Der Gewerkschaftsvertreter glaube daher, dass die Gesellschaft schon aus eigenem Interesse diese offene Flanke ihres Geschäftsmodells schließen wird. Einkommen und Sozialvorschriften sind nur auf nationaler Ebene tariflich regelbar, andere Themen wie Beförderungspläne oder Einsatzregeln könnten auf Konzernebene verhandelt werden. Eine größere Anzahl von Beschäftigten hat Ryanair in Irland, Großbritannien, Spanien, Deutschland und Italien.

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