Streiks der Flugbegleiter Lufthansa muss Ufo akzeptieren

Chaos am Flughafen München – auch Flugbegleiter sind eine Macht, wenn sie streiken. Foto: dpa

Einfach zu lösen ist der Tarifkonflikt bei der Lufthansa nicht. Vorstandschef Spohr sollte aber erkennen, dass seine bisherige Strategie erfolglos ist – er kann die Flugbegleitergewerkschaft Ufo nicht verdrängen, meint Matthias Schiermeyer.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Stuttgart - Wer einst gedacht hatte, das Streikchaos bei der Deutschen Bahn sei an Komplexität nicht zu überbieten, sieht sich nun eines Besseren belehrt. Bei der Lufthansa geht es um einen Machtkampf von drei Gewerkschaften, von denen zwei noch mit schweren internen Problemen belastet sind – sowie um eine Unternehmensführung, die die Konfliktlage nicht mehr im Griff hat. Ausbaden müssen es wieder mal die Kunden.

 

Gewiss muss ein Vorstand alles tun, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden. Doch war es unklug, gegen den Ufo-Streik vor Gericht zu ziehen mit dem Ziel, die angeblich nicht vertretungsberechtigte Kabinengewerkschaft gänzlich auszuhebeln. Eine Schlappe in dem Eilverfahren war wahrscheinlich, weil das verfassungsmäßig geschützte Streikrecht von den Arbeitsgerichten hochgehalten wird – so kam es dann ja auch. Die kurze juristische Schlacht wirkt auf die streikenden Flugbegleiter eher noch mobilisierend.

Vordergründig geht der Tarifstreit um relativ einfach zu verhandelnde Sachverhalte wie Spesen, Zulagen und sichere Anstellungskonditionen. Dafür allein müsste die Ufo keinen solchen Streik anzetteln. Tatsächlich geht es um mehr: insbesondere um eine sogenannte Monitoring-Vereinbarung zwischen Lufthansa und Ufo von 2016, die es dem Vorstand ermöglicht, bei schlechten Ergebnissen Privilegien der Mitarbeiter an anderer Stelle, etwa bei der betrieblichen Altersvorsorge, zu kürzen. An diesem „Absenkungsautomatismus, der stetige Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen festschreibt“, setzt auch Verdi an, die sich nun offensiv als die weitsichtigere Gewerkschaft präsentiert.

Über allem schwebt der Existenzkampf der Ufo: Dass sie sich mit allen Kräften wehrt, wenn sie sich im Bestand bedroht sieht, ist logisch. Lufthansa-Chef Carsten Spohr muss daher endgültig zurück an den Verhandlungstisch. Auch seine Strategie, Ufo, Verdi und die neue Cabin Union gegeneinander auszuspielen, ist misslungen. Angesichts der verfahrenen Lage wäre nur noch eine Schlichtung sinnvoll. Lufthansa und Ufo sollten am Wochenende den ernsthaften Willen zeigen und das Verfahren auf den Weg bringen.

Für die Politik ist es ein Lehrstück: Das heftig attackierte Gesetz zur Tarifeinheit im Betrieb, das solche komplexe Situationen von sich hochschaukelnden Gewerkschaften eigentlich verhindern sollte, hilft nun wenig, denn es unterbindet die Spaltung der Belegschaft nicht. Ufo vertritt, wie die Lufthansa einräumt, die meisten Kabinenmitarbeiter. Selbst wenn sie knallhart nur für deren Interessen kämpft, so muss der Vorstand die Berufsgewerkschaft als Verhandlungspartner akzeptieren – ob er das gut findet oder nicht.

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