Streit am Tempelberg Richtige Reaktion von Israel

Mit solchen Metalldetektoren sollte die Sicherheit am Tempelberg erhöht werden. Nun werden sie wieder demontiert. Foto: AP 6 Bilder
Mit solchen Metalldetektoren sollte die Sicherheit am Tempelberg erhöht werden. Nun werden sie wieder demontiert. Foto: AP

Die Sicherheitsschleusen am Tempelberg werden wieder abgebaut. Das entschärft die explosive Lage, ist allerdings nicht die Lösung des Konflikts, kommentiert unser Politikredakteur Knut Krohn.

Korrespondenten: Knut Krohn (kkr)
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Stuttgart - Israel handelt richtig, wenn es die Metalldetektoren am Eingang zum Tempelberg abbaut. Es ist ein kleiner Schritt zur Deeskalation der extrem angespannten Lage im Nahen Osten. Doch wäre es verfehlt, Premier Benjamin Netanjahu für diesen Schritt allzu sehr zu feiern. Er war es, der die Geräte aufstellen ließ – gegen den ausdrücklichen Rat seiner eigenen Sicherheitsexperten. Es war die falsche Reaktion auf den Angriff von drei Palästinensern, die zwei israelische Polizisten getötet haben. Ebenso fahrlässig war es von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas als Antwort auf die neuen Sicherheitsschleusen die Kontakte zu Israel abzubrechen und einen „Tag des Zorns“ auszurufen.

Das Pulverfass Naher Osten

Tatsache ist: beide Politiker wissen, dass in der aktuell aufgeheizten Atmosphäre ein Funke genügt, um das Pulverfass zur Explosion zu bringen. Doch Netanjahu und Abbas schielen mit ihren Aktionen lieber darauf, innenpolitisch gegen die Hardliner im eigenen Lager zu punkten. Dafür nehmen sie auch einen Flächenbrand in der gesamten Region in Kauf. Das ist nichts anderes als eine Politik der Verantwortungslosigkeit.

In der Hand von Extremisten

Solange sich die Verantwortlichen beider Seiten auf diese Weise in die Hände der Extremisten begeben, wird es im Nahen Osten keine Chance auf einen Frieden geben. Die Hoffnung, dass sich das Verhalten ändert, erscheint in einer Region, in der sich Länder im Kriegszustand befinden, im Chaos versinken oder von rücksichtslosen Autokraten beherrscht werden, allerdings wie ein frommer Wunsch.

Kein Vermittler in Sicht

Moderierende Hilfe kann nur von außen kommen – doch sind keine Vermittler in Sicht. Die USA unter einem Präsidenten Donald Trump fallen in den Augen der Palästinenser als vertrauensvoller Partner aus. Auf der anderen Seite hat Netanjahu für die Europäische Union allenfalls Spott übrig.

Die Chancen auf eine Einigung im Nahen Osten stehen schlecht. Als einzige Hoffnung bleibt, dass auf beiden Seiten im allerletzten Augenblick wenigsten die Überlebensinstinkte funktionieren – wie jetzt mit dem Abbau der Metalldetektoren. Eine Lösung ist das allerdings nicht.




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