Streit beim ESC Der Boykott trifft die Falschen
Der ESC war schon immer auch politisch. Aber wem nützt der Streit um Israel wirklich?
Der ESC war schon immer auch politisch. Aber wem nützt der Streit um Israel wirklich?
In Deutschland gilt der Eurovision Song Contest traditionell leider, der ARD sei Undank, als reines Spaß- und Ulkspektakel. Dabei wurde der ESC spätestens in den Jahren nach dem Fall der Mauern zum Spiegel eines Kontinents, dessen Menschen auf eine Zukunft gemeinsam erlebter Vielfalt hofften. Immer mehr Länder wollten beim Wettstreit mit dabei sein – selbst Australien ist inzwischen dabei. Man muss schon sehr hochkulturell borniert sein, um darin nicht auch eine politische Botschaft zu erkennen.
Ein kriegführendes Autokratenregime wie jenes in Moskau ohne Meinungs- und Kunstfreiheit, dafür mit einem staatlich kontrollierten Propaganda-Sender hat darum zu Recht seit 2022 nichts beim ESC zu suchen. Aber gerade dies zeigt, dass jeder Vergleich mit Israel hinkt.
Es gibt leider viele Gründe, die israelische Regierung für ihre Kriegführung in Gaza zu kritisieren. Aber just solche Kritik spielt sich im Gegensatz zu Moskau auch auf den Straßen und Plätzen in Israel ab. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Tel Aviv spiegelt dies in freier Berichterstattung. Ein ESC-Boykott gegen Israel hätte just jenen Teil der Gesellschaft dort getroffen, die auch in ihrer Heimat langfristig für einen Fall der Mauern streiten. Die EBU hat richtig entschieden. All jene, die nun ihrerseits Wien boykottieren, treffen dagegen auch die ESC-Idee ins Mark.