Streit beim Tierschutzverein Rücktritt wegen Fundhund Kiki

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Der langjährige Vorsitzende des Göppinger Tierschutzverein, Eberhard Neubrand, will nicht mehr. Grund ist ein Zerwürfnis im Vorstand wegen der Vermittlung einer kleinen Mischlingshündin.

Beißereien gibt es nicht nur in den Zwinger, sondern auch im Vorstand des Göppinger Tierschutzvereins. Foto: StZ
Beißereien gibt es nicht nur in den Zwinger, sondern auch im Vorstand des Göppinger Tierschutzvereins. Foto: StZ

Göppingen - Legt das Tierheim in der Göppinger Öde bei der Vermittlung seiner Tiere zu strenge Kriterien an? Selbst Eberhard Neubrand, der langjährige Vorsitzende des Göppinger Tierschutzvereins, neigt mittlerweile dieser These zu. Immer wieder erhalte er Beschwerden, weil Interessenten im Tierheim abgewiesen würden. Ältere Menschen bekämen keine jungen Hunde. Katzen würden nur zu zweit vermittelt. Hasen bräuchten zwei Quadratmeter Stall, selbst wenn ihnen regelmäßig Auslauf geboten werde. „Wir haben hier einen Fanatismus, der den Tieren mehr schadet als nützt“, sagt Neubrand. Jetzt will er diese Linie nicht mehr mittragen. Nach 16 Jahren im Vorstand ist der 75-Jährige vom Vorsitz zurückgetreten.

Das Tauziehen um einen Fundhund namens Kiki hat den Streit eskalieren lassen. Eine Frau aus Lorch hatte sich für die einjährige Mischlingshündin interessiert. Mehrfach ging die Frau, wie bei der Vermittlung von Tierheimhunden üblich, mit Kiki Gassi. Dann durfte sie die Hündin für ein Wochenende mit nach Hause nehmen. Trotzdem erhielt sie eine Absage. Offenbar sei sie von einem anonymen Anrufer angeschwärzt worden, sagt Neubrand. Man habe schlicht einen besseren Platz gefunden, widerspricht die zweite Vorsitzende Uschi Noll. Bei einer Gegenstimme – der von Neubrand – hatte der Vorstand die Entscheidung der hauptamtlichen Tierheimleiterin Sophie Schäfer bestätigt.

Der Vorsitzende macht selbst einen Hausbesuch

Allerdings hatte sich Neubrand („Als Vorsitzender bin ich in der Haftung.“) bei einem Besuch selbst davon überzeugt, dass der Platz in Lorch „nahezu ideal“ gewesen wäre: Kiki wäre auf einem ehemaligen Aussiedlerhof untergekommen. Auch ein Tierarzt, der die verhinderte Hundehalterin kennt, habe ihr ein einwandfreies Zeugnis ausgestellt. Doch die anderen blieben hart. Es sei fraglich, ob die Frau, die offenbar recht korpulent ist, dem lebhaften jungen Hund genug Auslauf bieten könne, zumal das Gelände am Hof nicht eingezäunt sei und in der Nähe einer Bundesstraße liege. „Wir sind nicht fanatisch, sondern gewissenhaft“, sagt Noll. Neubrand habe sich in der Sache schlicht verrannt.

Dennoch würde der Tierschutzverein seinen Vorsitzenden, der erst im Mai in seinem Amt bestätigt wurde, gerne zurückhaben. In einer schriftlichen Erklärung äußerst sich der Rumpfvorstand „bestürzt“. „Es ist unser großer Wunsch, dass er seinen Rücktritt nochmals überdenkt und auch künftig dem Verein mit Rat und Tat zur Seite steht“, heißt es weiter. Neubrand hinterlasse eine große Lücke.

Was wird jetzt aus den Neubauplänen?

Das dürfte nicht nur Prosa sein. Schließlich plant der Tierschutzverein einen Neubau. Neubrand, der bis vor Kurzem für die CDU im Göppinger Gemeinderat saß, hatte bereits Verhandlungen mit den Bürgermeistern der Anrainerkommunen über die Finanzierung des 1,6 Millionen-Euro-Projekts aufgenommen. „Das wird ohne ihn viel schwieriger“, räumt Noll ein.




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