Streit im Leonberger Rathaus Ein Drama, das am Ende nur Verlierer hat

Vor zwei Jahren bei der Amtseinführung hatten Martin Georg Cohn und Josefa Schmid noch gelächelt. Foto: Simon Granville

Das Zerwürfnis an der Leonberger Stadtspitze schadet allen: den Mitarbeitern im Rathaus, den Bürgern, dem Ruf der Stadt als Arbeitgeberin und nicht zuletzt den beiden Protagonisten selbst, kommentiert Thomas K. Slotwinski.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm – im Falle des Zerwürfnisses zwischen dem Leonberger Oberbürgermeister und seiner Stellvertreterin passt dieses Bild haargenau. Nachdem um den Jahreswechsel die Wellen der Bezichtigungen und Verdächtigungen hochgeschlagen waren, und fast alle Stadträte die Regierungspräsidentin um Vermittlung ersuchten, war es in den vergangenen Wochen verdächtig ruhig geworden.

 

Martin Georg Cohn, ein selbstbewusster Machtpolitiker, und die nicht minder machtbewusste Josefa Schmid, die sich in früheren Zeiten schon mit dem Bundesinnenminister Horst Seehofer angelegt hatte, gingen vergleichsweise gesittet miteinander um. Wohl auch die Auswirkung einer Mediation, die nach dem Hilferuf aus Leonberg an die Stuttgarter Kommunalaufsicht umgesetzt wurde.

Es knirscht an vielen Ecken und Enden

Doch was viele Insider vermuteten, ist nun eingetreten: Cohn hat die Zeit genutzt, um den Rauswurf – anders kann man es nicht nennen – Schmids vorzubereiten. Der OB wählt drastische Worte, spricht von „schwerwiegenden Dienstpflichtverletzungen“ und von einem „irreparabel zerstörten Vertrauensverhältnis“. Was dahinter steckt, fällt ins Reich der Spekulation. Es werden unterschiedliche Geschichten erzählt – je nachdem, mit wem man spricht. Fakt ist, dass es in der Stadtverwaltung an vielen Ecken und Enden knirscht. Dass der Konflikt an der Spitze damit zu tun hat, liegt auf der Hand.

Fakt ist zudem, dass das Tischtuch zwischen beiden nach der neuerlichen Eskalation endgültig zerschnitten ist. Es ist schlicht unvorstellbar, dass sich Cohn und Schmid wieder dergestalt zusammenraufen, dass eine gedeihliche Zusammenarbeit, die die Stadt Leonberg mehr denn je benötigt, möglich wäre. Schon jetzt sind die Schäden des Zerwürfnisses unübersehbar. Die Belegschaft ist mehr als verunsichert. Der Ruf der Stadt als Arbeitgeberin hat spürbar gelitten. In politischen Kreisen landauf, landab ist das Chaos in Leonberg ein beliebtes Thema.

Große Personalprobleme

Und es wird in absehbarer Zeit nicht besser werden: Wer die Geschäfte der Ersten Bürgermeisterin übernimmt, ist unklar. Der Baubürgermeister Klaus Brenner hat in seinem eigenen – chronisch unterbesetzten – Dezernat alle Hände voll zu tun. Kaum vorstellbar auch, dass der OB sich drei schwierige Dezernate aufbürdet. Zumal im Sozialressort seit dem Ruhestand der langjährigen Amtsleiterin eine bisher nicht gefüllte Lücke klafft. Und der Betrieb im Bürgeramt ist immer schwieriger aufrechtzuerhalten, um nur zwei große Baustellen zu nennen.

Dass die Reputation der beiden Protagonisten dieses Dramas ebenfalls beschädigt ist, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Kurzum: Es gibt nur Verlierer. Ob der Schrecken ein Ende findet, ist offen.

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