Streit in der Landesregierung Blutgrätsche ins Leere
In der Wirtschaftspolitik verlangt das Staatsministerium das Vorrecht für sich - diesmal aber arg plump. Ein Kommentar von StZ-Autor Reiner Ruf.
In der Wirtschaftspolitik verlangt das Staatsministerium das Vorrecht für sich - diesmal aber arg plump. Ein Kommentar von StZ-Autor Reiner Ruf.
Stuttgart - Der oberste Wirtschaftspolitiker eines Bundeslandes ist immer der Ministerpräsident. Damit müssen seit jeher alle Wirtschaftsminister klarkommen, egal, welches Parteibuch sie in der Tasche haben. Ministerpräsidenten kennen in dieser Frage nicht Feind, nicht Freund, sondern nur sich selbst. Denn die Wirtschaft ist wichtig, von ihrem Wohlergehen hängen die Lebenschancen der vielen und die Wahlaussichten des einen ab: des Ministerpräsidenten.
Dennoch hatte der Umgang Winfried Kretschmanns mit Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut schon immer einen Zug ins Kantige. Jedenfalls im Vergleich zu den honigsüßen Avancen, mit denen er andere CDU-Leute bedenkt – vorneweg Innenminister Thomas Strobl und – jedenfalls bis vor Kurzem – Kultusministerin Susanne Eisenmann. Der Blutgrätsche beim Thema Qualifizierung der Beschäftigten in der industriellen Transformation fehlte jedoch die Eleganz. Klar, die Kompetenz für den Strukturwandel soll beim Regierungschef wahrgenommen werden. Hoffmeister-Kraut, die anders als Strobl und Eisenmann nicht schon auf dem Kinderspielplatz Kabinettsposten verteilte, gilt – auch in den eigenen Reihen – als leichtes Opfer. Von Grandezza zeugt die Episode aber nicht.