Streit in Friolzheim Die komplizierte Wohnungsnot

Von Florian Mader 

Darf Manfred Gentner bauen oder nicht? Ein jahrzehntealter Streit flammt wieder auf.

Bisher darf die Baulücke in der Grabenstraße nicht bebaut werden. Foto: Andreas Gorr
Bisher darf die Baulücke in der Grabenstraße nicht bebaut werden. Foto: Andreas Gorr

Friolzheim - Manfred Gentner versteht die Welt nicht mehr. Da klagt jeder über den Mangel an Wohnungen in der Region, und dann wird ihm verwehrt, zu bauen. „Wenn die Not so groß ist, dann baut man doch normalerweise“, sagt er und schüttelt den Kopf. Gentner sagt das nicht ohne Grund, er besitzt ein Grundstück, auf dem noch Platz wäre, Pläne hat er, Geld auch.

Ein Mehrfamilienhaus mit neun Wohnungen schwebt ihm vor, das er dem knappen Mietwohnungsmarkt zur Verfügung stellen würde. Dennoch darf er dort nicht bauen. Damit keimt in Friolzheim ein alter Streit wieder auf, der schon in die 60er-Jahre zurückreicht, und in die Komplexitäten des Baurechts führt.

Denn ein Gebäude errichten darf man nicht irgendwo. Nur innerhalb eines Baufensters, und das erstreckt sich eben nicht auf die freie Fläche in der Friolzheimer Grabenstraße. Wo es ein Baufenster gibt, und wo nicht, das steht in einem Bebauungsplan „Birkbusch“. 1967 wurde der für das betreffende Gebiet erlassen. „Damals konnte man sich vermutlich noch nicht vorstellen, dass man den Hang entwässern kann“, vermutet Manfred Gentner. Der frühere Bauunternehmer, der in Hemmingen lebt, hat das Grundstück im Jahr 1971 gekauft und in jedem vorderen Teil mit Baufenster ein Neunfamilienhaus errichtet. In den 90er-Jahren hatte er schon einmal einen Versuch gestartet, den Bebauungsplan zu ändern. Das wollte Friolzheim nicht, bis vor den baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshof Mannheim ist Gentner 1992 schließlich gegangen, um die Änderung zu erstreiten – allerdings erfolglos.

Wird der Bebauungsplan geändert?

„Man hat mir damals gesagt, dass es doch genügend Wohnungen gebe“, erinnert er sich. Das ist jetzt nicht mehr so. Gentner hat sich erneut an den Gemeinderat und die Rathausverwaltung gewandt. „Eine Bebauung könnte nur mit einer entsprechenden Änderung des Bebauungsplanes erfolgen“, sagt Hauptamtsleiter Eberhard Enz zwar, aber: „Wir prüfen, ob wir den Bebauungsplan ändern.“

Zuständig ist der Gemeinderat, der im September schon einmal über das Thema beraten hat. Einen Beschluss gibt es noch nicht, denn man will jetzt erst noch bei einem benachbarten Grundstücksbesitzer nachfragen, ob auch er an einer Bebauungsplanänderung interessiert wäre. „Das recherchieren wir derzeit“, sagt Enz.

Grundsätzlich stehe der Gemeinderat einer Nachverdichtung in dem Bereich positiv entgegen. Noch im November könnte der Gemeinderat eine Änderung des Bebauungsplans beschließen.

Bevor der dann rechtsgültig wird, bedarf es aber erst ein umfangreiches Verwaltungsverfahren, das einige Zeit in Anspruch nimmt. Dass der Friolzheimer Bürgermeister Michael Seiß dabei befangen ist, weil er selbst als Mieter in einer Wohnung von Manfred Gentner wohnt, behindert den Prozess indes nicht.

Denn auch in der Enzkreis-Gemeinde wird dringend Wohnraum benötigt. Das bestätigt Manfred Gentner, der auch weitere Immobilien besitzt. „Auf eine freie Wohnung bekomme ich 100 Bewerbungen“, berichtet er.