Gökay Sofuoğlu, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Baden-Württemberg, sagt: „Es tut mir leid für viele Mitglieder, die viel für den Bau der Moschee gespendet haben.“ Foto: Andreas Schwarz, STZN/Kanter
Im Streit um die unfertige Moschee in Leinfelden-Echterdingen richtet Gökay Sofuoğlu, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde Baden-Württemberg, einen kritischen Appell an Islamverbände.
Florian Dürr
01.08.2025 - 17:51 Uhr
Gökay Sofuoğlu suchte zuletzt vergeblich das Gespräch mit dem „Verband der Islamischen Kulturzentren“ (VIKZ): „Ich habe versucht, Leute beim VIKZ zu erreichen“, berichtet der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg gegenüber unserer Zeitung, „aber ich habe leider niemanden erreicht“. Der VIKZ ist ein Verband mit starken Wurzeln in der türkisch-muslimischen Gemeinschaft, deshalb hat auch Sofuoğlu ein Interesse daran zu erfahren, was hinter dem Moscheestreit in Leinfelden-Echterdingen steckt.
„Ich habe den Eindruck, dass sich der VIKZ nicht an die Abmachung gehalten hat“
Die Stadt hatte kürzlich den Kölner Islamverband sowie seinen lokalen Verein VKBI aufgefordert, die unfertige Moschee im Stadtteil Oberaichen auf eigene Kosten abzureißen. Dies lehnte der VIKZ jedoch zusammen mit dem örtlichen Moscheeverein, dem „Verein für Kultur, Bildung und Integration“ (VKBI), ab. Sofuoğlu zeigt sich enttäuscht über das Ende eines jahrelangen Rechtsstreits, in dem die Stadt vor Gericht immer wieder Recht bekam: „Es tut mir leid für viele Mitglieder, die viel für den Bau der Moschee gespendet haben“, sagt der 63-Jährige, der den Kölner Islamverband für diese Entwicklung verantwortlich macht.
„Ich habe den Eindruck, dass sich der VIKZ nicht an die Abmachung gehalten hat“, sagt Sofuoğlu. Der Knackpunkt im Streit um die Moschee war ein sogenanntes Schülerwohnheim, das der VIKZ und sein lokaler Verein auf dem Grundstück neben der Moschee erbauen wollten. Doch die Stadt war nicht einverstanden mit den Plänen. Dennoch brachten der VKBI und der Dachverband VIKZ zuletzt erneut das umstrittene Schülerwohnheim ins Spiel. Das Vertrauen für eine weitere Zusammenarbeit war damit aufgebraucht.
Der VIKZ ging auf weitere Fragen unserer Zeitung, etwa wie der Verband den Schritt der Stadt bewerte, warum man vom Bau eines Schülerwohnheims nicht abrücken wollte oder was man zur Kritik (wenig integrationsfördernd) sagt, ging ein Sprecher des Verbands nicht ein. Zum geforderten Abriss hieß es: „Eine solche Forderung kann und wird unser Ortsverein nach eigenem Bekunden nicht umsetzen.“
Islamverbände spielen „leider nicht immer mit offenen Karten“
Sofuoğlu kann die Skepsis der Stadt gegenüber einem VIKZ-Schülerwohnheim nachvollziehen und fordert: „Islamische Gemeinden müssen in der Lage sein, ihre Arbeiten kontrollieren zu lassen, es gibt in Deutschland Jugendschutz, den auch der VIKZ wie viele andere gewährleisten muss“, so Sofuoğlu. Man könne nicht „einfach was bauen, ohne offen zu legen, was man da mit den Jugendlichen macht“. Der Islamverband selbst schreibt auf seiner Internetseite, dass man in den Schülerwohnheimen „besonderen Wert auf die Integrationsarbeit“ lege, etwa durch Förderung der deutschen Sprachkenntnisse oder Öffnung der Einrichtungen durch Veranstaltungen oder Begegnungen mit anderen Jugendlichen sowie der Zusammenarbeit mit Vereinen und Institutionen.
Auf dem Grundstück neben der Moschee wollten der Islamverband VIKZ und sein lokaler Verein VKBI ein Schülerwohnheim errichten. Die Stadt lehnte das ab. Foto: STZN/Kanter
Sofuoğlu hat den Eindruck, dass bei vielen Moscheebauten vonseiten der Islamverbände „leider nicht immer mit offenen Karten gespielt wird“. Während des Baus entstünden plötzlich neue Ideen, was man noch dazu bauen könnte, berichtet Sofuoğlu: „Das geht nicht.“ Und wenn etwas abgelehnt ist, wie in Leinfelden-Echterdingen das Schülerwohnheim, „dann ist es abgelehnt“. Es gibt in den Städten und Gemeinden ohnehin gewisse Vorbehalte gegenüber Moscheebauten, aber sie werden in vielen Kommunen am Ende genehmigt. „Und dann sollte man sich auch an die Genehmigung halten.“