Streit in Vaihingen/Enz zeigt Visionen sind da, doch der Funke springt noch nicht über

Die Pläne für die Gartenschau 2029 liegen vor – für die Umsetzung braucht es ein gutes Zusammenspiel der Kräfte. Foto: Archiv (Jürgen Bach)

Der Zwist zwischen dem Oberbürgermeister und dem SPD-Chef in Vaihingen an der Enz zeigt: In der Zusammenarbeit der Akteure knirscht es immer noch.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Fakten müssen stimmen – insofern ist die Reaktion des Vaihinger Oberbürgermeisters Uwe Skrzypek nachvollziehbar, die Behauptungen des SPD-Fraktionschefs Eberhard Berg in dessen scharfer Haushaltsrede zurechtzurücken. Klug war dieser Schritt dennoch nicht, denn der Frieden, den der Rathauschef mit den kritischen Stadträten vor wenigen Monaten nach einer Mediation verkündete, entpuppt sich als anfällig: Das Scharmützel mit dem Sozialdemokraten ist ein Zeichen dafür, dass es nach wie vor tiefgreifende Probleme im Umfeld der Verwaltung gibt.

 

Der jüngste Zwist wirkt wie ein Seismograf dafür, dass es dem Oberbürgermeister schwerfällt, sein Umfeld für seine Ideen zu gewinnen. Der Vaihinger Verwaltungschef analysiert zwar viele Sachverhalte treffend und entwickelt Visionen, aber der Funken scheint nicht überzuspringen. Dünnhäutigkeit wie in der Auseinandersetzung mit Berg wirkt erschwerend.

Kann man ein Rathaus so führen wie ein Wirtschaftsunternehmen? Skrzypek legt als Kommunalpolitiker Wert darauf, mit einem modernen Führungsstil Mitarbeiter motivieren zu wollen. Er selbst verkörpert aber auch einen starken Leistungswillen. Ob die Mischung stimmt und die rund 600 oft in Teilzeit Angestellten in der Vaihinger Verwaltung Skrzypeks Führungsstil annehmen, darüber dringt wenig nach außen.

Redet man mit Stadträten, ist von einer schlechten Stimmung zu hören – davon, dass es kaum Bewerbungen auf offene Stellen gebe. Und dass der Oberbürgermeister Mitarbeiter auch mal auf andere Stellen versetzt habe.

Die Stadt an der Enz strebt der Gartenschau 2029 entgegen. Einmütigkeit wäre wichtig. Foto: Simon Granville

In den nicht öffentlichen Sitzungen des Vaihinger Gemeinderates soll es hin und wieder laut zugegangen sein, was angesichts der ruhigen Argumentation, die Uwe Skrzypek sonst in öffentlichen Sitzungen pflegt, verwundert. Hat der Oberbürgermeister  ein Problem, mit Widerspruch und anderen Meinungen umzugehen?  Es laufe nicht rund im Gemeinderat, ist zu hören.  Skrzypek stoße auf Widerstände, auch wenn er gute Ideen vorbringe.

Die Menschen mitnehmen zu können, nachdem er im Wahlkampf eine harte Linie fuhr, ist dem Rathauschef zu wünschen. Dazu braucht es aber auch den guten Willen seiner Gegner, die vor allem unter den älteren Räten zu finden sind. Der Stadt bleibt nicht mehr viel Zeit, sich mit vereinten Kräften auf die Gartenschau im Jahr 2029 zuzubewegen.

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