Streit mit dem Partner Gekränkt? So reagieren Sie am besten

Aus einer kleinen Bemerkung kann auch mal ein großer Streit werden. Aber wie kann man als Paar wieder zueinander finden? Foto: Adobe Stock/ivector

Ein falsches Wort – und schon ist der Beziehungsknatsch da. Sieben Tipps, wie Sie damit umgehen, wenn der Partner Sie ärgert.

Stuttgart - „Wie sieht es denn hier aus!“ Manchmal reichen schon wenige Worte, und wir sind auf 180. Vor allem dann, wenn sie vom Partner kommen. Denn gerade von ihm erwarten wir mindestens Verständnis. Prompt fühlen wir uns abgelehnt. Und zack – schneller, als wir denken können – schlagen wir zurück.

 

„Wir sind so programmiert“, weiß Paartherapeutin und Psychologin Monika Bertsche aus Stuttgart. „Das Gehirn reagiert wie in der Steinzeit.“ Heißt: Auf Gefahr folgen Angriff oder Flucht. Früher – wenn der Höhlenlöwe sich näherte – war es sinnvoll, zu flüchten oder zu kämpfen. Doch heute führt genau diese Programmierung schnell zum Streit. Denn prompt fühlt sich auch der Partner angegriffen. „Immer bist du so empfindlich!“ So kommt das Kränkungskarussell in Schwung.

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„Wer oft empfindlich reagiert, kann in sich gehen und überlegen, ob da eine alte Wunde eine Rolle spielt“, sagt Monika Bertsche. „Je genauer eine Bemerkung eine alte Wunde trifft, die in der Kindheit entstanden ist, desto höher die Kränkungsbereitschaft.“

So erklärt sich auch, warum manche Menschen auf bestimmte Bemerkungen viel zorniger reagieren als andere. „Es kann zu einem Persönlichkeitsmerkmal werden, ständig beleidigt zu sein, sich immer zur Wehr zu setzen, sehr anpassungsbereit zu sein oder alles auf die Goldwaage zu legen.“ Dann kann die Partnerschaft schwierig werden. Doch hilflos ausgeliefert sind wir dem Mechanismus nicht. Was kann man tun?

1. Durchschnaufen

„Erst mal drei- bis viermal durchatmen“, rät Monika Bertsche. Und wenn nötig, auch länger, langsam und tief in den Bauch hinein. „Ein ‚Autsch, das hat jetzt wehgetan, oder?!‘ im inneren Dialog wendet die Aufmerksamkeit weg vom ‚Aggressor‘, den man strafen muss, hin zur eigenen Verletzlichkeit.“ Das hilft, dem Ärger die Hitze zu nehmen.

2. Nachfragen

Mit Distanz lässt sich viel leichter nachfragen: „Wie meinst du das?“, sodass sich manches Missverständnis löst. Und vielleicht besitzt man nun sogar die Souveränität zu sagen: „Du hast recht. Heute ist nicht mein Tag.“

3. Sich selbst was Gutes tun

Wer sich vom Partner verletzt fühlt, sollte sich nicht frustriert hängen lassen, sondern sich besser etwas Gutes tun. Etwas Leckeres essen, Sport machen und die Spannung aus dem Körper schwitzen – all das nimmt einen großen Teil des inneren Drucks. Danach lässt sich wieder befreiter auf den Partner zugehen.

4. Verletzung ansprechen

Der Ärger wirkt dennoch nach? Unter den Teppich gekehrt, wird er bald stinken. Deshalb ist es sinnvoll, in einem ruhigen Moment zu erklären: „Was du heute Morgen gesagt hast, hat mir echt wehgetan!“ Solche Worte verletzen nicht. Und der Partner bekommt Gelegenheit, Stellung zu nehmen. Möglicherweise hatte er etwas ganz anderes gemeint, als verstanden wurde.

5. Ins Gespräch kommen

Kommt die Welt aber nicht wieder in Ordnung, ist ein grundlegenderes Gespräch notwendig, das sich so einleiten lässt: „Ich fühle mich oft von dir angegriffen.“ Dann kann Tiefliegenderes zur Sprache kommen: was wirklich so kränkt und welche Gefühle hochkommen.

6. Sich beraten lassen

Wenn Verletzungen und Beleidigungen immer wieder die Partnerschaft stören, hilft eine Paarberatung. Was steckt hinter den vermeintlich fiesen Bemerkungen? Was bezweckt der Partner? Und warum lösen manche Bemerkungen so viel Wut und Schmerz aus?

7. Bücher lesen

Als Klassiker gilt „Wenn die Giraffe mit dem Wolf tanzt“ von Serena Rust, die Tipps für eine einfühlsame Kommunikation gibt. Der Ratgeber „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl geht auf Kränkungen ein, die unser gesamtes Beziehungsleben bestimmen.

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