Streit über einen Vornamen Maradona wohnt in Stuttgart

Maradona Hossen Foto: privat
Maradona Hossen Foto: privat

Darf ein Junge Maradona heißen? Das Standesamt in Bad Cannstatt hatte dies abgelehnt. Doch der Vater schaltete einen Anwalt ein. Ein Namensgutachter prüfte den Fall – und konnte der fußballverrückten Stuttgarter Familie helfen.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)
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Stuttgart - Noah ist die Nummer eins. Bei den beliebtesten Vornamen der Neugeborenen ist im vergangenen Jahr bei den Jungs der Ben, lange Zeit klarer Spitzenreiter von ganz Deutschland, abgerutscht auf Platz acht. Auf den Babykönig Noah folgen der Leon (Platz zwei), der Matteo (Platz drei), der Paul (Platz vier) und der Felix (Platz fünf). In den Top 100 von 2020 hält der Trend zu klassischen Namen an. Man findet den Karl (Platz 35), den Theodor (Platz 58), den Fritz (Platz 74) und den Bruno (85), aber keinen Uwe, keinen Thomas, keinen Frank, keinen Martin, keinen Alfred – und auch keinen Maradona.

Maradona, dies hat die Fußballwelt hart getroffen, ist am 25. November 2020 in Dique Luján, Argentinien, gestorben. Aber es gibt noch einen Maradona. Der Maradona von Stuttgart ist acht Jahre alt und Stürmer beim SV Fellbach.

Der Vater hat bei der VfB-Jugend gespielt

Dass der Junge den Namen eines Argentiers trägt, der weltweit vergöttert wurde wie kein anderer Fußballer, ist der Hartnäckigkeit seines Vaters Welid Hossen zu verdanken. Der in Stuttgart geborene Papa, heute Vertriebsleiter bei Coca Cola European Partners, hat in der VfB-Jugend gespielt, später bei den Kickers und als Amateur bei TSF Ditzingen. Sein Spitzname lautete Maradona. Sein größter Wunsch war es, dass der 2012 geborene Sohn (auch Mutter Sabrina ist fußballbegeistert) ganz regulär auf den Namen Maradona hört, nicht nur als Spitzname wie er. Das Standesamt in Bad Cannstatt allerdings lehnte dieses Ansinnen ab. Begründung: Maradona sei ein Nachname in Argentinien und deshalb in Deutschland nicht als männlicher Vorname zu erkennen. Könnte nicht eine Frau so heißen?

Ein Namensgutachter untersuchte den Fall

Ein anderer Vater hätte vielleicht noch mal in der Liste der beliebtesten Vornamen nachgeschaut und eine Alternative herausgefischt. Nicht aber Welid Hossen. Er schaltete für einen vierstelligen Betrag einen Anwalt ein, der ein Namensgutachten erstellen ließ. Das namenkundliche Zentrum der Universität Leipzig untersucht in seinem Auftrag die „Eintragungsfähigkeit des Namens Maradona als männlichen Vornamen“.

Maradona, so heißt es darin, sei bisher in Deutschland nicht als Vorname bekannt, belegt seien etwa Maradon, Marat und Mardan. Der Namen Maradona gehe „als Herkunftsbezeichnung auf einem galizischen Ortsnamen in der Provinz Lugo in Nordwestspanien“ zurück. Dass deutsche Kinder nach Städten benannt werden, hat nicht nur Verona Pooth mit ihrem Sohn San Diego vorgemacht.

Maradona schießt seine Tore in Fellbach

Die Eltern des Stuttgarter Maradona haben dem Jungen aufgrund der libanesischen Wurzeln noch einen zweiten Vornamen gegeben. Dieser lautet Naél (arabisch für Geschenk). Nach Meinung des Gutachters ist die Kombination Naél Maradona als männlich erkennbar. Kurz: Das Standesamt musste im zweiten Anlauf den Maradona doch noch genehmigen.

Der junge Stuttgarter ist seitdem der allererste Maradona von Deutschland. In den Top 100 der beliebtesten Namen ist er aber noch nicht angekommen. Wird sich dies ändern, wenn in Fellbach immer öfter der Ruf „Tor von Maradona!“ erschallt?




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