Die Erweiterung der Einsatzzeiten des Rettungshubschraubers in Pattonville sorgt für Diskussionen. Der Ludwigsburger Landrat Dietmar Allgaier warnt vor einem Nein zu Nachtstarts.

Jetzt schaltet sich auch der Ludwigsburger Landrat Dietmar Allgaier in die Diskussion um die Ausweitung der Einsatzzeiten des Rettungshubschraubers in Pattonville ein. Und seine Botschaft ist klar: Die Einsatzzeiten von Christoph 51 müssen ausgeweitet werden. Der Kreischef erwartet sich dadurch eine weitere Optimierung der medizinischen Versorgung der Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Ludwigsburg.

 

Standort in Frage?

Zusammen mit den Experten der Regionalen Klinikholdung (RKH) Gesundheit hält er einen 24/7-Betrieb des Rettungshubschraubers für zwingend notwendig. „Die Ausweitung der Flugzeiten stärkt den Standort des Rettungshubschraubers im Landkreis Ludwigsburg und trägt zu einer hochqualitativen Patientenversorgung bei“, betont der Landrat. Sollte diese nicht zustandekommen, bestünde die Gefahr, dass der Standort für den Rettungshubschrauber grundsätzlich in Frage gestellt werde. Was laut Allgaier die Versorgungssicherheit der Patienten im Kreis erheblich beeinträchtigen würde.

Zurzeit sei der Bereich Nord-Württemberg und damit auch der Landkreis bei Luftrettungen bei Dunkelheit laut Experten der RKH Gesundheit deutlich unterversorgt. Dies führe dazu, dass bei zeitkritischen Verletzungen und Erkrankungen, die zur optimalen Therapie angestrebten Versorgungszeiten vor allem in den Nachtstunden zu einem nicht unerheblichen Teil überschritten würden, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Landratsamt. Dies liege insbesondere an den langen Transportzeiten, die durch den Rettungsdienst am Boden bedingt würden. Von besonderer Relevanz sind schnelle Versorgungszeiten für das schwere Schädel-Hirn-Trauma sowie das Polytrauma. Allgaier: „Der Erfolg der medizinischen Behandlung hängt bei solchen Verletzungen wesentlich davon ab, wie schnell der Patient einer adäquaten medizinischen Versorgung in einem spezialisierten Zentrum zugeführt wird.“

Landrat Dietmar Allgaier hat eine klare Position zum Thema Christoph 51. Foto: Simon Granville

Eine der Maximalversorgungskliniken, in der die Versorgung von Schwerstverletzten im Bereich Nord-Württemberg erfolgt, ist das RKH-Klinikum Ludwigsburg. Auch die notärztliche Besetzung des Rettungshubschraubers Christoph 51 werde durch erfahrene Fachärztinnen sowie -ärzte für Anästhesiologie mit den Zusatzbezeichnungen Notfallmedizin und Intensivmedizin des RKH-Klinikums Ludwigsburg sichergestellt, betont der Kreischef. „Vom Standort Pattonville sind nicht nur weite Bereiche Nord-Württembergs in adäquater Zeit per Rettungshubschrauber erreichbar, sondern auch der Großteil Nord-Badens wie auch Ost-Württembergs“, sagt Allgaier.

Im Strukturgutachten zur Luftrettung in Baden-Württemberg wird von 168 nächtlichen Einsätzen pro Jahr ausgegangen. Dies entspreche den Erfahrungen an anderen Rettungshubschrauber-Standorten, die im 24/7-Betrieb sind. Die Einsatzzahlen beziehen sich laut Allgaier auf den Zeitraum zwischen einer halben Stunde nach Sonnenuntergang und einer halben Stunde vor Sonnenaufgang. Das bedeute, dass ein Großteil der Einsätze im Winter für den späten Nachmittag und in den Abendstunden erwartet werde. „Von 0 Uhr bis 7 Uhr werden laut Gutachten im Schnitt 76 Einsätze pro Jahr zu erwarten sein“, so sein Hinweis. Das wiederum bedeute, dass in der „bürgerlichen“ Nachtzeit etwa ein bis zwei Einsätze wöchentlich stattfinden dürften.

Appell an Bürgermeister und Gemeinderäte

In einem Brief an die Oberbürgermeister sowie Gemeinderäte der beteiligten Städte Kornwestheim und Remseck appellierte Allgaier, diese Aspekte zu betrachten und gemeinsam das Ziel zu verfolgen, Menschen in lebensbedrohlichen Situationen schnellstmöglich die beste Versorgung zukommen zu lassen.

Derzeit untersucht das Regierungspräsidiums Stuttgart (RP) einen Antrag, der die Ausweitung des Flugbetriebs in Pattonville für den Rettungshubschrauber und den zivilen Luftverkehr beinhaltet. Ein Lärmgutachten hatte ergeben, dass etwaige Grenzwerte nicht überschritten werden. Dennoch gibt es Proteste von Anwohnern. In der Sitzung des Planungsausschusses der Verbandsregion Stuttgart am Mittwoch steht das Thema auf der Agenda. Der Änderungsantrag der Flugbetriebsgemeinschaft Pattonville enthält auch die Erweiterung des Sport- und Vereinsflugbetriebs.