Streit um Bürostandort Der erste Zug ist raus
Die Stadtverwaltung benötigt dringend Büroflächen. Wenn sie sich aber weiter so ungeschickt anstelle wie bisher, blieben noch viele Jahre Stellen unbesetzt, befürchtet StZ-Autor Jörg Nauke.
Die Stadtverwaltung benötigt dringend Büroflächen. Wenn sie sich aber weiter so ungeschickt anstelle wie bisher, blieben noch viele Jahre Stellen unbesetzt, befürchtet StZ-Autor Jörg Nauke.
Wie nicht anders zu erwarten, ist den Stuttgarter Projektentwicklern W 2 Development nun der Geduldsfaden gerissen. Es ist nachvollziehbar, dass sie als unternehmerisch denkende Architekten und Kaufmänner der Stadt angesichts explodierender Baukosten nicht länger als ein Jahr einen Fixpreis garantieren können, zumal sie aktuell ja nicht sicher sein konnten, überhaupt zum Zug zu kommen. Noch ist nicht abzusehen, wann der Gemeinderat entscheidet, wo er denn nun das dringend benötigte Verwaltungsgebäude gebaut haben will. Aber so gut wie sicher ist nun, dass es nicht in Möhringen der Fall sein wird. Und schon gar nicht schon in drei Jahren.
Das W 2-Projekt erfüllt alle Voraussetzungen eines modernen Bürostandorts und liegt auch noch direkt an einer Stadtbahnhaltestelle. Für viele Beschäftigte des öffentlichen Dienstes scheint es dennoch ein Unort zu sein, wohl auch, weil sie die Vorzüge eines citynahen Arbeitsplatzes schätzen und deshalb gegen den Office-Hub auf den Fildern agitierten, gemäß dem Motto: Lieber in einem nicht zeitgemäßen Büro arbeiten, aber dafür in der Nähe der Königstraße mit ihren Einkaufsmöglichkeiten. Von Beschäftigten der Firmen Mercedes und Allianz, die im großen Stil in den Synergiepark ziehen, ist vergleichbarer Widerstand nicht bekannt. Womöglich finden sie es einfach normal, dort zu arbeiten, wo man sie hinschickt.
Die Rathausspitze hat mit ihrer falschen Entscheidung, das Büroprojekt keinem fairen Wettbewerb mit anderen privaten Investoren auszusetzen, weder W 2, das die Konkurrenz gewiss nicht fürchten müsste, noch dem Gros ihrer Beschäftigten einen Gefallen getan. Das Vorgehen roch stark nach Hinterzimmerdeal und provozierte Stadträte zum Widerspruch, die sich gegenüber der Konkurrenz rechtfertigen mussten. Dieser Fehler sollte nicht wiederholt werden. Ende September werden die Ergebnisse einer vergleichenden Untersuchung vorgestellt. Bis dahin sollte man sich mit der Nennung weiterer Favoriten zurückhalten.
Die Entwicklung führt nun dazu, dass der Stadt ihr Megaproblem einer unzureichenden behördlichen Infrastruktur länger als nötig erhalten bleibt – und neue Stellen mangels Arbeitsplätzen nicht besetzt werden können. Das geht wiederum zu Lasten des Bürgerservice. Man darf nun wirklich gespannt sein, welcher Anbieter zu welchem Preis ein modernes Bürogebäude mit 35 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche an die Stadt vermieten wird, denn ein Kauf erscheint wegen der deutlich höheren Grundstückspreise in der City im Vergleich zu Möhringen einigermaßen unrealistisch. Interessant wird auch sein, ob die Stadt an ihrer Vorreiterrolle beim Bau klimaneutraler Gebäude, die sie im Synergiepark, wo die Wärme praktischerweise aus der Erde kommt, pflegen können hätte, überhaupt festhalten kann. Die Anforderungen an die Energiebilanz nach DIN 18599 statt mit Geothermie mit Fernwärme zu erfüllen, stellt für jeden Bauherrn eine Herausforderung dar.