Streit um Buslinie 140 geht weiter Plochingen und Altbach stemmen sich gegen Pläne des Landratsamts
Die Idee für eine Kürzung der Buslinie 140 führte in Plochingen und Altbach zu einer Welle der Entrüstung, die sich eher weiter aufbaut als abebbt.
Die Idee für eine Kürzung der Buslinie 140 führte in Plochingen und Altbach zu einer Welle der Entrüstung, die sich eher weiter aufbaut als abebbt.
So voll ist es selten. Während der jüngsten Sitzung des Altbacher Gemeinderates waren die Besucherränge ungewöhnlich gut besetzt. Das Bekanntwerden der Idee, die Buslinie 140 bereits in Oberesslingen enden zu lassen, treibt viele Menschen in der Gemeinde um. „Ich finde es eine Zumutung“, tat eine Frau aus dem Publikum ihren Ärger kund. Sie habe Probleme beim Gehen, jedes Umsteigen bereite ihr Probleme. Ein Mann aus dem Publikum forderte die Gemeindeverwaltung auf, sich energisch gegen die Pläne zu wenden. Allein ein Schreiben aufzusetzen, sei zu wenig, befand der Zuhörer. Darüber hinaus äußerte sich eine Dame aus dem Publikum im Altbacher Gemeinderat. Ihre Kinder nutzten den Bus zur Fahrt in die Schule in Esslingen. Derzeit können die Altbacher Schüler, wenn sie eine Schule in Esslingen besuchen, ohne Umsteigen von den Wohngebieten in Altbach bis in die Esslinger Stadtmitte gelangen. Ein Umsteigen würde den Kindern den Schulweg erschweren, zumal die S-Bahn zuletzt eher unzuverlässig gefahren sei.
Aber der Reihe nach: Die Stadt Esslingen hat kürzlich Ideen für die vierte Stufe ihres Lärmaktionsplans vorgestellt. Eine der Maßnahmen ist eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit. So soll im nördlichen Abschnitt der Hirschlandstraße, auf der Plochinger Straße zwischen der Kreuzung mit der Schorndorfer Straße und dem Ortsausgang Oberesslingen und auf der Hauptstraße in Zell östlich des Kreisverkehrs bis zum Ortsausgang zukünftig Tempo 30 statt 50 gelten. Weil sich die Fahrzeit der Linie 140 zum ZOB durch die Geschwindigkeitsreduzierung verlängere, solle die Line bereits am Bahnhof in Oberesslingen enden. Wer weiter zum ZOB Esslingen möchte, müsste dann in Oberesslingen umsteigen.
Die Line wie gehabt fahren zu lassen und den Fahrplan zu ändern, wird vom zuständigen Landratsamt offenbar als wenig sinnvoll erachtet. Hinzu kommt aus Sicht des Landratsamts, dass es in Altbach einen S-Bahnhof gibt, der Bus bis nach Esslingen also nicht unbedingt notwendig ist. „Es entstehen dadurch keine Erschließungsdefizite, da es geeignete Umsteigemöglichkeiten gibt“, schreibt das Amt für ÖPNV und Mobilität. Mit einer verkürzten Linie 140 wäre Altbach keinesfalls vom ÖPNV angeschnitten. Im Landratsamt ist man überzeugt davon, eigenständig über den Verlauf der Buslinie 140 entscheiden zu können, ohne Rücksprache mit den betroffenen Kommunen oder dem Kreistag. „Diese Änderung der Linienführung ist durch den vom Kreistag beschlossenen Nahverkehrsplan abgedeckt“, meint die Kreisbehörde.
Wie berichtet waren die Rathäuser in Plochingen und Altbach nicht eingeweiht in die Pläne. Entsprechend groß ist der Unmut in den Esslinger Nachbarkommunen ob des Alleingangs der Großen Kreisstadt im Schulterschluss mit dem Kreis. In Altbach wurde während der jüngsten Sitzung des Gemeinderates einstimmig eine Resolution zur geplanten Kürzung der Buslinie 140 verabschiedet. Das Schreiben hat es in sich. Es ist von „Verärgerung“, von „Unzufriedenheit“ und einem „massiven Mangel an Transparenz“ die Rede.
Neben dem Landratsamt und der Stadt Esslingen soll der Brief auch den Fraktionsvorsitzenden des Kreistags sowie den örtlichen Landtags- und Bundestagsabgeordneten zugeschickt werden. Die Kommunalpolitiker in der kleinen Esslinger Nachbargemeinde sind äußerst verärgert. „Die größte Frechheit ist ,dass wir nicht einmal informiert wurden“, sagte Altbachs Bürgermeister Martin Funk. Gemeinsam mit dem Plochinger Amtskollegen Frank Buß habe er sich bereits an den Landrat gewandt. „Die Linie 140 ist notwendig – und zwar von Plochingen mit zum Bahnhof Esslingen“, betonte Funk.
In Esslingen selbst äußert die Rathausspitze Unverständnis über den Unmut in den Nachbarorten. Die Stadt Esslingen sei gesetzlich dazu verpflichtet, einen Lärmaktionsplan aufzustellen und gegebenenfalls Temporeduzierungen vorzunehmen, so Hans-Georg Sigel, Bürgermeister für Stadtentwicklung, Infrastruktur, Bauen und Umwelt. Außerdem seien die Nachbarkommunen im Rahmen der Aufstellung des Lärmaktionsplans beteiligt worden. Hinzu komme, dass sowohl Altbach als auch Plochingen in ihren Lärmaktionsplänen ebenfalls Temporeduzierungen auf der Strecke des Busses 140 geplant hätten.
Fahrstrecke
Die Line 140 fährt vom Bahnhof Plochingen nach Altbach, dreht dort eine Runde über die Höhenlagen der Gemeinde. Dann geht es über Zell und Oberesslingen zum ZOB in Esslingen.
Alternativen
Dass die Buslinie 140 als entbehrlich angesehen wird, hängt mit der parallel verlaufenden S-Bahn zusammen. Allerdings müssen Fahrgäste bei dieser Verbindung umsteigen, sofern sie mit einem Bus zum S-Bahnhof fahren. Für Menschen mit Schwierigkeiten beim Gehen ist das Umsteigen sowohl in Altbach als auch in Oberesslingen beschwerlich beziehungsweise manchmal sogar unmöglich, wenn der Peoplemover oder der Aufzug kaputt ist.
Nahverkehrsplan
Als Aufgabenträger für den Busverkehr ist der Landkreis dazu verpflichtet, im Sinne der Sicherung und Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs einen Nahverkehrsplan aufzustellen. Dieser muss laut ÖPNV-Gesetz der „Sicherung und zur Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs“ dienen.