Streit um den Schlossplatz „Es ist eine Schande, wie die Stadt mit den Jazz Open umgeht“

Jürgen Schlensog, der Promoter der Jazz Open, hält es für eine „Schande“, wie die Stadt Stuttgart und ihr OB Frank Nopper mit dem Festival umgeht. Foto: Lichtgut/Lichtgut/Achim Zweygarth

Eine Lösung wollte Jazz Open-Chef Jürgen Schlensog hinter den Kulissen finden und sagte bisher öffentlich wenig zum Streit um den Schlossplatz während der Fußball-EM. Nach den jüngsten Äußerungen von OB Frank Nopper ist dem Promoter der Kragen geplatzt.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Wer bekommt während der Fußball-EM 2024 den Schlossplatz, den wohl schönsten Platz der Stadt? Die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart für ein Public Viewing oder dürfen die Jazz Open, wie seit Langem schon geplant, ihren 30. Geburtstag mit internationalen Musikstars feiern? Wie unsere Zeitung am Samstag berichtet hat, lehnt die Stadt den Vorschlag des Landes ab, einen Kompromiss zu finden. OB Frank Nopper (CDU) erklärte obendrein, es sei ein „Trauerspiel“, wenn die Übertragungen nicht auf dem gesamten Schlossplatz, Ehrenhof inklusive, stattfinden könnten.

 

Jürgen Schlensog, der Promoter der Jazz Open, hat sich bisher vorgenommen, den Ball flach zuhalten, um in der Bildsprache zu bleiben. Nun aber geht der Festivalmacher in die Offensive, so sehr hat ihn die jüngste Erklärung des Stuttgarter Rathauschefs gekränkt. „In dieser Sache habe ich lange genug geschwiegen oder ausschließlich auf gestellte Fragen geantwortet“, sagt Schlensog am Samstagnachmittag unserer Zeitung, „nun ist es genug.“ Wie die Stadt Stuttgart mit den Jazz Open umgehe, sei „eine Schande“, erklärt der Veranstalter und fügt hinzu: „Wir fühlen uns gelinde gesagt stark vernachlässigt!“

„Das Land ist der Vermieter des Schlossplatzes, nicht die Stadt“

Die Stadt erwecke den Eindruck, sie könne über die Nutzung des Schlossplatzes verfügen und die Jazz Open also vertreiben, deren Festivaltermin zum 30. Geburtstag im Juli 2024 bereits seit 2018 im Veranstaltungskalender des Landesamts für Bau und Vermögen stehe. „Es ist falsch, dass die Entscheidung der Stadt obliegt“, erklärt Schlensog und betont: „Das Land ist der Vermieter des Schlossplatzes, für den wir eine stattliche Miete bezahlen.“ Das Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Stuttgart könne der Jazz Open also die Spielgenehmigung gar nicht verweigern.

Deutliche Kritik übt Schlensog auch an Andreas Kroll, den Chef von in.Stuttgart. Die Gegenseite versuche, das Thema auszusitzen. Dabei habe der damalige Ministerialdirektor des Finanzministeriums bereits im vergangenen November im Gespräch mit Kroll und ihm klar gemacht, dass die Jazz Open für den geplanten Spielzeitraum auf dem Schlossplatz gesetzt seien.

Bis heute sei unklar, mit welcher Kapazität der Schlossplatz für das Public Viewing bespielt werden könnte. Mit dem Sommermärchen 2006 lasse sich dies nicht vergleichen. Seit der Love-Parade-Katastrophe in Duisburg gebe es ganz andere Sicherheitsbestimmungen. Jürgen Schlensog kommt zum Urteil: „Unverkennbar besteht die Taktik der Stadt darin, öffentlichen Druck auf das Land auszuüben und sich am langen Ende auf Verpflichtungen gegenüber der Uefa zurückziehen.“

„Der VfB plädiert seit Monaten für das Public Viewing im Neckarpark“

Ein Blick auf den Kalender zeigt: Am 5. Juli findet das letzte EM-Spiel in Stuttgart statt. Erst danach wollen die Jazz Open mit dem Aufbau beginnen, deren erstes Konzert auf dem Schlossplatz für den 16. Juli geplant ist. Sollte es Deutschland nicht ins Halbfinale oder Finale schaffen, dürfte der Ansturm auf die öffentliche Übertragung eher gering sein.

Und weiter argumentiert Schlensog: „Der VfB plädiert seit Monaten für eine Durchführung des Public Viewings im Neckarpark. Gesellschaftliche Inhalte, Inklusion, Nachwuchsprogramme und vieles mehr können dort mit Einbeziehung des VfB vergleichsweise risikoarm umgesetzt werden. Andreas Kroll spricht in diesem Zusammenhang von einer erweiterten Risikosituation im Neckarpark, gibt jedoch auf die Frage des Risikos auf dem Schlossplatz keine Antwort.“ Wie zu hören ist, denkt OB Nopper nicht an die Verlegung des Public Viewings in den Neckarpark, kann sich indes den Umzug der Jazz Open zum Schloss Solitude oder an den Eckensee vorstellen.

„Was ist von Politikern zu erwarten, deren Höhepunkt im Anstechen eines Fasses besteht?“

Von Kulturförderung durch die öffentliche Hand hält Jürgen Schlensog übrigens wenig. „Wenn die Kultur die Leute begeistert, gibt es genügend Interessenten, also Sponsoren“, sagt er. Doch nun sollten wohl die Privatinitiative und Risikobereitschaft bestraft werden, fürchtet er und stelle eine provokative Frage: „Aber was ist von Politikern zu erwarten, deren Jahreshöhepunkt im Anstechen eines Fasses besteht?“

Der Streit um den Schlossplatz dürfte nach der scharfen Kritik von Jürgen Schlensog gegenüber unserer Zeitung an Schärfe wohl zunehmen. Am 31. Mai wird es ein Treffen der Beteiligten im Finanzministerium geben. Ist eine gemeinsame Bespielung des Schlossplatzes doch noch möglich? Der Jazz Open-Chef macht klar, dass alle Verträge für Juli 2024 unterschrieben sind und er das Festival nicht verschieben kann. Und er macht klar, dass er auf das Land als Vermieter des Schlossplatzes baue. Im Finanzministerium habe man bereits im vergangenen Herbst grünes Licht für die Jazz Open am gewohnten Ort gegeben. Daran könne auch OB Frank Nopper nichts ändern, weil sich der Schlossplatz im Landesbesitz befindet.

Schlensog erwartet klares Votum von der Stadt

Von der Stadt erwartet Schlensog ein klares Votum, ob die Jazz Open ihre Heimat in Stuttgart behalten könnten. „Ein privat finanziertes Festival dieser Größenordnung und Reputation ist auch für andere deutsche Großstädte von Interesse“, erklärt der Promoter. Als gebürtige Stuttgarter wäre dies aber für ihn „the worst case“.

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