Streit um die Natur im Kreis Böblingen Wald und Wiesen unter Druck

Jägern ein Dorn im Auge: Mountainbiker auf Abwegen Foto: Stefanie Schlecht

Der Streit um die Natur verschärft sich, Verbote allein helfen aber nicht.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Die Klagerufe der Kreisjäger auf deren Versammlung in Magstadt vorige Woche waren deutlich: Der Mensch macht dem Wald zunehmend zu schaffen. Die Jäger sorgen sich um die Unberührtheit der Natur. Und um das Wild, das möglichst ungestört sein soll. Schnell waren die Schuldigen ausgemacht: Gassigeher und Mountainbiker. Laut einer Umfrage unter den Hegeringen eines Jagdverbandes, seien sie die größten Störfaktoren. Außerdem die Vermüllung, die der Tourismus mit sich bringt. Doch eine einfache Lösung des Problems ist nicht in Sicht.

 

Die Hundehalter sind den Jägern ein Dorn im Auge, weil sie ihre Vierbeiner im Wald gerne mal von der Leine lassen. Abseits der Wege streunen die durchs Unterholz und scheuchen Wildtiere auf. Nicht selten hinterlassen sie dort einen Haufen, der da ebenfalls nichts verloren hat. Schnell kamen in der Jägerschaft Forderungen auf, einfach schärfer Recht und Gesetz durchzusetzen. Vier Kommunen in Baden-Württemberg hätten bereits einen generellen Leinenzwang erlassen. Doch lässt sich das Problem so in den Griff kriegen? Wohl kaum.

Giftköder alarmieren Hundehalter

Welch besorgniserregende Auswüchse der Konflikt zwischen Mensch und Tier annehmen kann, zeigen die Fälle von mutmaßlich ausgelegten Giftködern bei Hildrizhausen, Gärtringen und Darmsheim in der vergangenen Woche. Ein Hund verendete wohl an einem solchen Köder, den er bei Gärtringen aufgeschnappt haben soll. Ein anderer kam mit Erbrechen, Durchfall und einem Schrecken davon. Die Hundehalter sind alarmiert, doch die Ermittlungsbehörden tappen völlig im Dunkeln. Eine Entwicklung, die keinem gefallen kann. Auch den Jägern nicht.

Doch die Hunde sind bei Weitem nicht ihre einzige Sorge. Während Corona zog es das Volk mit Macht in die heimischen Wälder. Und der Trend hält an. Hinzu kommt der E-Bike-Boom, durch den eine ganz neue Zielgruppe mühelos den Forst durchpflügt. Was eigentlich eine wünschenswerte Entwicklung ist – wer wird etwas gegen Bewegung an der frischen Luft haben? – lässt die Sorgenfalten der Waldhüter wachsen.

Es ist wenig verwunderlich, dass auf Platz zwei der größten Störfaktoren im Wald die Mountainbiker landen. Auf befestigten Wegen mit mindestens zwei Metern Breite dürfen sie zwar bedenkenlos durch den Wald pflügen, sofern nicht anders ausgeschildert. Doch nicht wenige von ihnen lieben den Nervenkitzel und suchen sich Strecken abseits der Wege, sogenannte Downhill-Trails. Diese sind verboten und stoßen der Jägerschaft sauer auf. Zu Recht.

Denn mit Karacho querfeldein zu pflügen, ohne Rücksicht auf die Tier- und Pflanzenwelt, geht schlicht nicht. Es gehört geahndet und ist überdies gefährlich. Allein mit einer Verbotskultur ist dem Problem allerdings nicht beizukommen. Denn wenn der eine Trail aufgedeckt und gesperrt wird, entsteht nicht weit davon ein neuer. Die Szene der Mountainbiker ist digital vernetzt, sie sucht sich ihre Wege. Ein Katz-und-Maus-Spiel im Gehölz hilft keinem weiter. Dadurch wird umso mehr schützenswerte Natur in Mitleidenschaft gezogen.

Mehr legale Trails

Die Nutzungskonflikte verlangen nach differenzierten Lösungsansätzen. Da Verbote und Schilder die Mountainbiker wenig beeindrucken, braucht es mehr attraktive Angebote für sie – und zwar legale. Es gilt, alle Akteure miteinander zu vernetzen und kluge Kompromisse zu schmieden. Der Vorschlag der Jägerschaft für einen Runden Tisch mit Vertretern aus dem Sport, den Behörden und der Politik klingt vernünftig und sollte unbedingt weiterverfolgt werden. Außerdem bedarf es in der Breite der Bevölkerung eines stärkeren Bewusstseins dafür, was man Flora und Fauna antut, wenn man ohne Rücksicht im Wald unterwegs ist.

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