Die Marbacher Bürgervertreter verweisen darauf, dass das Abholzen der Eiche keineswegs entschieden ist. Die meisten stellen sich dem Abholzen bislang noch nicht entgegen.

Die Diskussion um die geplante Fällung der mehr als 100 Jahre alten Eiche am König-Wilhelm-Platz beschäftigt viele Menschen in der Stadt. In den sozialen Medien wird diskutiert, die Leserbriefspalten in unserer Zeitung füllen sich und auch in den Cafés in der Innenstadt werden die Neubaupläne der Volksbank debattiert.

 

Das Baugesuch für den Neubau mit 25 Eigentumswohnungen und 2000 Quadratmeter Wohnfläche steht noch am Anfang. Ein Bebauungsplan wird erstellt. Der wird dann dem Gemeinderat vorgestellt. In den Fraktionen wird der Streit um die Eiche wahrgenommen. Mit Bekenntnissen hält man sich jedoch weitestgehend zurück. Wirklich klar äußern sich nur Hendrik Lüdke (Puls) und Barbara Eßlinger (Grüne).

„Sollte eine Situation entstehen, in der wir uns zwischen einer Aufwertung des König-Wilhelm-Platzes und dem damit verbundenen Mehr an Lebensqualität und der Eiche entscheiden müssen, werden wir uns gegen die Eiche entscheiden“, so Lüdkes Statement. Das allerdings nicht mit seinem Kollegen Jochen Berger abgesprochen sei, wie er betont. Das Ziel, den Verkehr zurückzudrängen, die Aufenthaltsqualität zu steigern, die Fuß- und Radwegeverbindungen attraktiver zu gestalten sowie das Areal erlebbar zu machen, befürworte er. Die Eiche sei Lebensraum für viele Tiere und bedeutsam für das Klima in seiner Umgebung. „Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens wird ein Artenschutzgutachten erstellt und unter anderem natürlich geprüft, ob die Eiche erhalten oder gegebenenfalls umgepflanzt und wenn beides nicht möglich ist, wie ein Ausgleich geschaffen werden kann.“ Endgültig entschieden sei noch nichts. Und schließlich seien auch neue Bäume geplant.

Wohnraum ist wichtig

Ganz anders die Grüne Barbara Eßlinger. Sie spricht sich klar für den Erhalt der Eiche aus. „Wir können einen 130 Jahre alten Baum nicht kompensieren.“ Zumal die Eiche vital sei. Es sei ein Fehler, dass die Pläne bezüglich der Fällung nicht von Anfang an klar kommuniziert worden sind, moniert sie. Ziel müsse jetzt sein, Gebäude und Natur zusammenzubringen und architektonische Alternativen zu erarbeiten. Denn natürlich sei auch Wohnraum wichtig.

Ihre Nachfolgerin im Amt, Fraktionssprecherin Susanne Wichmann, äußert sich nicht ganz so eindeutig, sondern verweist auf die positiven Aspekte der Planung: 25 barrierefreie Wohnungen und eine Aufwertung des König-Wilhelm-Platzes. Leider sei die Konsequenz für den Baumbestand nicht deutlich geworden. Eine Eiche sei hinsichtlich der Biodiversität und der Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel der ideale Stadtbaum schlechthin. „Daher werden wir uns dafür einsetzen, den Baum zu erhalten“, versichert Wichmann. Gleichzeitig befürworte ihre Fraktion die Schaffung von Wohnraum und eine städtebauliche Weiterentwicklung des Platzes hin zu mehr Nachhaltigkeit, Aufenthaltsqualität und zeitgemäßer Mobilität.

Grundsätzlich positiv stehen die Freien Wähler dem Projekt der Voba und einer neuen Gestaltung des König-Wilhelm-Platzes gegenüber, erklärt Fraktionssprecher Martin Mistele. Das „Wie“ müsse noch erarbeitet werden – und davor ergebe es keinen Sinn, in eine Diskussion einzusteigen.

Es sei richtig, sich über den König-Wilhelm-Platz Gedanken zu machen, betont Heike Breitenbücher. Ein verkehrsberuhigter und lebendiger Platz in zentraler Lage sei eine Chance, die Attraktivität und Aufenthaltsqualität von Marbach für seine Bürger zu erhöhen. Der Wohnraum werde dringend benötigt. Allerdings wolle die CDU die Neugestaltung nicht auf einen Aspekt reduzieren. „Die Voranfrage für eine Neubebauung ist erfolgt, alles weitere muss im nun anschließenden Verfahren geklärt werden.“ Die VR-Bank prüfe derzeit verschiedene Alternativen. Breitenbücher: „Diese Ergebnisse werden wir abwarten und anschließend bewerten.“

Reinhard Wolf hat die Diskussion angestoßen. Foto: Werner Kuhnle

Stadt würde Verlust in Kauf nehmen

Die Position der Stadtverwaltung scheint indes klar zu sein. Der Verlust des Baumes sei zwar bedauerlich, erklärte Bürgermeister Jan Trost gegenüber unserer Zeitung. „Für die Verwaltung überwiegen aber die Vorteile einer Neukonzeption.“ SPD-Sprecher Ernst Morlock verwies am Mittwoch auf eine Sitzung der Fraktion am Donnerstag und wollte vorher nichts sagen.