Remshalden verteidigt seine Nahwärme-Preise. Schuld an der Kostenentwicklung sind laut Bürgermeister Reinhard Molt das schlecht isolierte Leitungsnetz – und die fehlenden Abnehmer in einem falsch geplanten System.

Rems-Murr: Sascha Schmierer (sas)

Nach massiver Kritik von Anwohnern über die in die Höhe geschossenen Kosten für die Nahwärmeversorgung hat die Gemeinde Remshalden die Betriebsführung in Schutz genommen. Sowohl bei der Preiskalkulation als auch bei den für den Betrieb nötigen Wartungsarbeiten am Leitungsnetz sei den Stadtwerken Waiblingen keinerlei Vorwurf zu machen.

 

„Die Versorgung mit Nahwärme und Warmwasser funktioniert hervorragend“, stellte Bürgermeister Reinhard Molt bei einem Pressegespräch im Rathaus fest. Dass die aus dem Jahr 1996 stammende Anlage nicht wirtschaftlich zu betreiben sei, darauf weist die Remshaldener Rathausspitze ausdrücklich hin, liege nicht an den Stadtwerken, sondern am überalterten Leitungsnetz. Wegen der unzureichenden Isolierung der zu den einzelnen Kunden führenden Rohre gebe es hohen Wärmeverluste. Nach Berechnungen der Stadtwerke kommt mehr als ein Drittel der in einem Blockheizkraftwerk mit einer Gastherme erzeugten Energie nicht bei den Abnehmern im Gebiet Gänsweinberg und Langenäcker an.

Für ein wirtschaftliches Netz gibt es viel zu wenig Kunden

Außerdem hätten sich die beim Bau der Nahwärmeversorgung vor fast drei Jahrzehnten erhofften Wachstumszahlen nicht eingestellt. Das Wohngebiet im Westen des Teilorts Geradstetten besteht vor allem aus Einfamilienhäusern und Doppelhaushälften, nur ein Geschosswohnungsblock zählt beim Nahwärmenetz zu den Nutzern. „Die Versorgungsstruktur müsste deutlich dichter sein, um ein wirtschaftliches Netz betreiben zu können“, heißt es im Rathaus. Angeschlossen sind an die Nahwärme gerade mal 101 Haushalte mit 237 Menschen. Der Gedanke, auch Rathaus und Realschule an die Wärme aus dem Rohr anzudocken, war an den langen Leitungswegen gescheitert.

Die Kritik der Anwohner entzündet sich am inzwischen bei 20,21 Cent pro Kilowattstunde liegenden Preis für die Nahwärme. Für eine Kilowattstunde Erdgas wird in der Region aktuell etwa ein Drittel weniger verlangt. Wechseln können die Anwohner den Anbieter nicht, schon im Bebauungsplan ist ein Anschlusszwang verfügt.

Nach dem Ende der Preisbremse folgte das böse Erwachen

Mit ein Grund für die in diesem Jahr auf annähernd die doppelte Höhe geschnellten Kosten ist, dass Ende 2023 die Preisbremse für Nahwärme ausgelaufen ist. Die von der Bundesregierung beschlossene Regelung sollte die Auswirkungen der nach dem russischen Überfall auf die Ukraine explodierten Energiepreise abfedern – nach dem Wegfall der Subvention ist der Unterschied bei der Höhe der Abschlagszahlungen umso deutlicher.

Von einem überhöhten Tarif allerdings kann für die Nahwärme offenbar keine Rede sein. Bernhard Zipp, Geschäftsführer der Stadtwerke Waiblingen, verweist auf die auch im Nahwärmebeirat für das Wohngebiet erläuterten Gaspreise auf dem Markt, einen an sieben Tagen in der Woche einsatzbereiten Rund-um-die-Uhr-Service und die Tatsache, dass sich die ans Heizungsnetz angeschlossenen Haushalte einen eigenen Heizungskeller sparen können.

Es gilt nicht nur Anschlusszwang – sondern auch Versorgungspflicht

Nicht von ungefähr hatten bei einer von der Stadt organisierten Umfrage im Wohngebiet Gänsweinberg und Langenäcker vor fünf Jahren nur elf Haushalte rückgemeldet, dass bei ihnen der Einbau eines Heizkessels möglich sei. Vier Jahre zuvor gaben fast 85 Prozent der Bewohner an, das Nahwärmesystem fortführen zu wollen. Für die Gemeinde Remshalden hat diese Quote durchaus einen wegweisenden Charakter: So lange nicht alle Anlieger auf eine eigene Heizung setzen, gilt für das Gebiet nicht nur ein Anschlusszwang, sondern auch eine Versorgungspflicht.