Streit um Esslinger Bücherei Warum hat die Stadt nur noch einen Standort im Blick?
Der Esslinger OB Klopfer möchte die Stadtbücherei ins Kögel-Haus verlegen. Unser Redakteur Alexander Maier warnt vor einem einseitigen Blick.
Der Esslinger OB Klopfer möchte die Stadtbücherei ins Kögel-Haus verlegen. Unser Redakteur Alexander Maier warnt vor einem einseitigen Blick.
Und wieder geht die jahrzehntelange Debatte über die Zukunft der Esslinger Stadtbücherei in eine entscheidende Phase: Ende Juni soll der Gemeinderat entscheiden, ob es beim geltenden Ratsbeschluss bleibt, die Bibliothek im Bebenhäuser Pfleghof zu modernisieren, oder ob sie ins frühere Modehaus Kögel umziehen soll. OB Matthias Klopfer favorisiert klar den Umzug. Die Variante Pfleghof wird nicht mal mehr auf Augenhöhe zur Diskussion gestellt. Und das, obwohl sich die Esslinger im Februar 2019 per Bürgerentscheid mehr als klar zum Pfleghof bekannt hatten. Schon deshalb wäre es geboten, beide Varianten mit derselben Offenheit gegenüberzustellen, wenn sich der Gemeinderat Ende Juni entscheiden soll.
Viele verfolgen die Bücherei-Debatte aufmerksam, auch wenn die sang- und klanglose Aufhebung des Bürgerentscheids nicht unbedingt als vertrauensbildende Maßnahme verstanden worden war. Deshalb ist es umso wichtiger, die Entscheidung über den künftigen Standort der Stadtbücherei mit maximaler Genauigkeit vorzubereiten und zu treffen.
Die Stadtverwaltung hatte schon vor Jahresfrist eine vertiefte Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse seit Monaten mit Spannung erwartet werden. Nun liegt sie endlich auf dem Tisch und will in den nächsten Wochen genau begutachtet werden. Denn der Oberbürgermeister hat völlig recht, wenn er sagt, dass der Teufel oft genug im Detail steckt. Gerade weil die Zukunft der Stadtbücherei so viele Menschen seit mehr als drei Jahrzehnten bewegt und weil sich die Stadt nie sonderlich beeilt hat, darf jetzt nichts übers Knie gebrochen und dem Zufall überlassen werden.
Dass sich ein genauerer Blick lohnt, zeigt das Beispiel der Heugasse 11. Deren Sanierung war 2022 mit elf Millionen Euro kalkuliert worden – Widerspruch und Einspar-vorschläge zwecklos. Nun hat die Stadt das Gebäude nochmals untersuchen lassen, und plötzlich lassen sich Lösungen finden, die nur noch rund vier Millionen Euro kosten. Trotz dramatischer Preissteigerungen.
Vielleicht würde sich ja zeigen, dass auch die für Erweiterung und Modernisierung des Pfleghofs kalkulierten Kosten von mehr als 60 Millionen Euro noch nicht der Weisheit letzter Schluss waren. Gerade in einer Zeit, in der Bildung im Allgemeinen und das Lesen im Besonderen dringend Rückenwind brauchen, hat die Esslinger Bibliothek und mit ihr die ganze Stadt die beste Lösung verdient.