Streit um Finanzierung Attraktivität des Deutschlandtickets wird ausgehöhlt

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat vorgeschlagen, den Preis für das Deutschlandticket an die Inflation zu koppeln. Foto: Harald Tittel/dpa

Der Vorschlag von Verkehrsminister Schnieder, den Preis an die Inflation zu koppeln, löst die eigentliche Streitfrage nicht, findet unser Redakteur Julian Meier.

Volontäre: Julian Meier (mej)

Mit dem Deutschlandticket ist es wie mit dem Eiffelturm: Ursprünglich als Provisorium gedacht, hat es sich zum Verkaufsschlager entwickelt, das nun dauerhaft bleiben soll. Doch der Streit über die Finanzierung bedroht die Zukunft des bundesweit gültigen Nahverkehrstickets . Der Vorschlag von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), der den Preis an die Inflation koppeln will, löst das Problem nicht. Im Gegenteil würde das die Attraktivität des Deutschlandticket nur noch weiter aushöhlen.

 

Es ist klar, dass der Preis nicht auf ewig bei 49 beziehungsweise nun 58 Euro stagnieren kann. Doch eine kontinuierliche Preiserhöhung widerspricht dem eigentlichen Grundgedanken des Deutschlandtickets: Die Menschen sollten durch das billige Angebot zum Umstieg von Auto auf Bus und Bahn bewegt werden. Schon die Preiserhöhung Anfang des Jahres hat dazu geführt, dass die Zahl der Nutzer massiv eingebrochen ist. Wird der Preis nun jährlich erhöht, dürften sich schon bald noch mehr Menschen abwenden.

Bundesregierung setzt falsche Prioritäten

Die eigentliche Streitfrage löst Schnieders Vorschlag ebenfalls nicht. Denn im Kern der ganzen Debatte geht es ja darum, wie das Deutschlandticket langfristig finanziert werden soll. Solange Bund und Länder auf ihrer Position beharren, nicht mehr als 1,5 Milliarden Euro jährlich beisteuern zu wollen, hilft es auch nicht, wenn die Preisfrage geklärt ist. Stattdessen braucht es langfristige Finanzierungszusagen.

Die Bundesregierung sollte sich hinterfragen, ob sie die richtigen Prioritäten setzt. Anstatt den Diesel weiter zu subventionieren und die Luftverkehrssteuer wieder zu senken, sollte sie lieber Geld in den ÖPNV investieren. Um das Deutschlandticket beneidet uns ganz Europa. Doch mit ihrer ewigen Streiterei schaffen es die Politiker aus Bund und Ländern, den Traum vom billigen Reisen durch Deutschland zu zerstören.

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