Streit um Grönland Was China in der Arktis verloren hat
Grönland steht für Zukunft. Mit dem Klimawandel steigt die Möglichkeit, Rohstoffe unter dem Eis zu fördern. Nicht der einzige Grund, warum sich Weltmächte um die größte Insel streiten.
Grönland steht für Zukunft. Mit dem Klimawandel steigt die Möglichkeit, Rohstoffe unter dem Eis zu fördern. Nicht der einzige Grund, warum sich Weltmächte um die größte Insel streiten.
Im Streit um das zum Königreich Dänemark gehörende Grönland schließt das Weiße Haus einen Militäreinsatz nicht aus, während der Außenminister von einem Kauf der Arktiksinsel spricht. Was macht diese Einöde aus Eis so interessant? Wer meldet Ansprüche an und wie ist die aktuelle Lage? Ein Überblick.
Die Arktis und Grönland – was ist das überhaupt?
Die Arktis und Grönland sind nicht das Gleiche. Die Arktis ist eine große Polarregion, die das Nordpolarmeer und die nördlichen Teile der Kontinente Nordamerika, Asien und Europa umfasst. Grönland ist mit einer Fläche von rund 2,16 Millionen Quadratkilometern die größte Insel der Welt. Das ist etwa sechs mal so groß wie Deutschland. Geografisch ist die Insel ein Teil Nordamerikas. Die grönländische Hauptstadt Nuuk liegt näher an New York als an Kopenhagen. Trotzdem gehört Grönland zu Dänemark, ist aber autonom.
Wem gehört die Arktis?
Zumindest der Nordpol gehört bis heute niemandem – weder über noch unter dem Eis. Das ist im UN-Seerechtsübereinkommen festgelegt. Danach dürfen die fünf Staaten mit Land innerhalb des Polarkreises – das sind Russland, die USA, Kanada, Dänemark und Norwegen – lediglich eine 320 Kilometer breite, an ihrem jeweiligen Festland beginnende Wirtschaftszone beanspruchen. Russland sieht das Polargebiet als Teil seines Festlandsockels.
Warum ist die Lage Grönlands so interessant?
Grönland liegt zwischen der Nordwestpassage und der Transpolaren Route, die als kürzeste Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik quer durch den Ozean über den Nordpol führt. Prognosen gehen davon aus, dass diese Routen bereits im nächsten Jahrzehnt in größerem Maßstab kommerziell nutzbar sein werden. In Grönland sind zwischen 1992 und 2020 fünf Billionen Tonnen Festlandeis geschmolzen, auch das Meereis schmilzt rasant.
Welche Bedeutung hat die Eisschmelze?
Für Wale, Robben und Eisbären (Pinguine gibt es in der Arktis nicht) geht ein Lebensraum verloren. Für die Wirtschaft eröffnet der Klimawandel neue Möglichkeiten. Grönland verfügt über große bestätigte und vermutete Vorkommen der verschiedensten Mineralien, Erze und Kohlenwasserstoffe. Die beiden weltweit größten Lagerstätten von Seltenen Erden liegen in einer Region an der Südspitze Grönlands. Das Klima, der Mangel an Infrastruktur und an Facharbeitern erschwert den Abbau massiv. Das Interesse an Grönland ist in vielen Punkten eine Wette auf die Zukunft.
Ist das Interesse der USA an Grönland neu?
Nein, es hat eine lange Vergangenheit, ist nun allerdings neu entflammt. Nachdem die USA 1803 Florida von Spanien erworben, und 1809 Louisianas von Frankreich gekauft hatten, signalisierten sie auch Interesse an Grönland. 1819 hatte der damalige US-Präsident Präsident Andrew Jackson einen solchen Kauf ins Spiel gebracht.
Was macht der Arktische Rat?
Der Arktische Rat ist das führende zwischenstaatliche Forum für die Kooperation zwischen den Arktis-Anrainern und den indigenen Völkern der Arktis im Hinblick auf nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz in der Region. Ihm gehören die fünf arktischen Anrainerstaaten Dänemark, Kanada, Norwegen, Russland und USA an, ebenso Island, Schweden und Finnland. Dazu kommen zahlreiche Staaten mit Beobachterstatus, unter anderem China.
Was will China in der Arktis?
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping erklärte bereits 2014, dass China eine „polare Großmacht“ werden wolle. im Jahr zuvor hatte Peking seinen Beobachterstatus beim Arktischen Rat erhalten. Seit der Veröffentlichung des offiziellen „Weißbuches Außenpolitik“ 2018, nennt sich die Volksrepublik „Nahanrainer“ der Arktis. Von Peking in die grönländische Hauptstadt Nuuk sind es rund 8000 Kilometer. Die Arktis ist durch internationale Verträge weniger reglementiert als die Antarktis. China testet seine Möglichkeiten. So hat die chinesische Küstenwache ein Kooperationsabkommen mit dem russischen Grenzschutz vereinbart, um in der Region Präsenz zeigen zu können. Chinesische und russische Langstreckenbomber patrouillierten im Juli 2024 im Nordpolarmeer nahe dem US-Bundesstaat Alaska.
Russland und die Arktis
Im Jahr 2020 unterzeichnete Russlands Präsident Wladimir Putin die „Nationale Arktis-Strategie“ seines Landes. Darin wird der Ausbeutung der Rohstoffe in der russischen Arktis-Region Vorrang eingeräumt. Die russische Regierung nimmt an, dass der von Russland beanspruchte Festlandsockel bis zu fünf Milliarden Tonnen Öl und Gas mit einem Wert von 30 Billionen US-Dollar enthält. Dazu kommen Nickel, Kobalt, Gold, Diamanten und Bauxit. In den vergangenen Jahren baute Moskau zahlreiche Basen aus, auf denen Mittelstreckenraketen stationiert wurden, die bis nach Alaska reichen. Auf einer Basis auf der arktischen Inselgruppe Franz-Josef-Land können inzwischen Jagdflugzeuge und Bomber landen.
Die USA und die Arktis
Während des Zweiten Weltkriegs wurde im Grönlandtraktat von 1941 erstmals ein Vertrag geschlossen, der den USA Zugang zur Insel verschaffte, um diese für die Zwischenlandung auf dem Flug nach Europa zu nutzen sowie Militärbasen und Wetterstationen zu errichten. In einem modifizierten Abkommen erhielt Washington 1951 exklusive Rechte zur Nutzung der Stützpunkte auf Grönland, darunter die Thule Air Base. Die US-Präsenz besteht dort bis heute, der Stützpunkt heißt heute Pituffik Space Base. Dänemark hat mehrfach Gesprächsbereitschaft angekündigt und wäre wohl willens, den USA zahlreiche Zugangsmöglichkeiten einzuräumen, die von Washington als militärisch oder wirtschaftlich notwendig angesehen werden. Oder die USA könnten schon nach bisherigen Verträgen tätig werden. Bis zu 10 000 US-Soldaten waren im Kalten Krieg in Grönland stationiert, heute sind es noch rund 150. Die Zahl sei sofort wieder aufstockbar, sagt der ehemalige dänische Grönlandminister Tom Hoyem.