Streit um Klinikgelände „Wirtschaftlicher Wahnsinn“ – Baulöwe warnt Vaihingen vor Millionenverlust

Das Gelände des ehemaligen Vaihinger Krankenhauses soll verkauft werden – aber der Käufer steht noch nicht fest. Foto: Mario Brunner

Wer kauft das Klinikengelände in Vaihingen/Enz (Kreis Ludwigsburg)? Im Gerangel zwischen Landkreis, RKH und Stadt meldet sich ein Bauunternehmer zu Wort.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Vor keiner leichten Entscheidung stehen die Stadträte von Vaihingen an der Enz an diesem Donnerstag um 18.30 Uhr in der Stadthalle. Es geht um das Kliniken-Gelände, das für möglichst viel Geld an einen Bauinvestor verkauft werden sollte – jetzt will aber die Stadt zugreifen: trotz eines dicken Minus von jährlich 1,5 Millionen Euro, das die Regionale Kliniken Holding (RKH) als Eigentümerin derzeit auf dem Areal schreibt.

 

Der Vaihinger Oberbürgermeister Uwe Skrzypek spielte nicht mit, als die RKH sich einen Investor suchen wollte – ohne ihn vorher zu fragen. Skrzypeks Ziel ist es, unbedingt die Ärzte des angegliederten Vaisana-Ärztehauses im bestehenden Gebäude zu halten. Deshalb pocht er auf das Erstkaufrecht der Kommune und sucht nun für den Kauf durch die Vaihinger Stadtbau GmbH im Gemeinderat eine Mehrheit.

Der Vaihinger Oberbürgermeister Uwe Skrzypek sucht eine Mehrheit für seine Pläne auf dem Kliniken-Areal. Foto: Simon Granville

Zuletzt hatte es mächtig geknirscht im Zusammenspiel von Landkreis und Großer Kreisstadt. Der Landrat Dietmar Allgaier warf dem Vaihinger OB vor, er gefährde einen laufenden Prozess zur Sicherung der medizinischen Versorgung in der Stadt. Der angegriffene Skrzypek konterte: Im Gegenteil, er wolle die Nutzung des Geländes für medizinische Zwecke sichern. Dieses Ziel sei schließlich im Bebauungsplan des Areals fixiert, das die Stadt 1936 dem Landkreis übereignete, als das inzwischen geschlossene Krankenhaus gebaut werden sollte.

Der Oberbürgermeister vermisst bisher ein angemessenes Wertgutachten. Denn eins scheint klar: Ein Investor würde bei einem Abriss des Vaisana-Hauses und des alten Krankenhauses einen beträchtlichen Gewinn abschöpfen, sollte es zu einer groß angelegten Neubebauung kommen. Uwe Skrzypek hingegen will die etwa zwei Hektar nicht für eine reine Wohnbebauung verschleudert sehen.

Wohnbau Oberriexingen bestätigt ihr Kaufinteresse

Inmitten dieses Gerangels positioniert sich nun die Wohnbau Oberriexingen. Die RKH hatte angegeben, den Verkaufsprozess im Jahr 2026 starten zu wollen und bereits das Angebot „eines Interessenten“ vorliegen zu haben. Auf Nachfrage bestätigt die Wohnbau Oberriexingen, dass sie es gewesen sei, die ihr Kaufinteresse gegenüber der RKH und dem Landkreis signalisiert habe.

Wie aber würde der Käufer das Problem der im Vaisana-Haus ansässigen Ärzte lösen, die seit Monaten auf eine Verlängerung ihres Mietvertrages warten und sich von der RKH im Unklaren gelassen sehen? Der Wohnbau-Geschäftsführer Kim Hasenhündl stellt klar: „Wir hätten auch eine Lösung, bei der das Vaisana-Haus stehen bleiben könnte.“

Laut der Wohnbau Oberriexingen wäre eine Bebauung mit einem Pflegeheim und betreutem Wohnen möglich, erklärt Hasenhündl. „Wir würden ein Konzept mit einem Partnerbetrieb entwickeln, mit dem wir das Gebiet ganz im Sinne der Stadt entwickeln könnten.“ Es gebe einen Riesenbedarf an betreutem Wohnen und Pflege in Vaihingen.

Geschäftsführer warnt Stadt vor Millionenverlusten

Den Kauf des Vaisana-Ärztehauses schätzt Hasenhündl als finanziell nachteilig für die Stadt ein. „Da gehen schnell zwei Millionen Euro allein für Abschreibungen in den ersten Jahren verloren.“ Zudem sei unklar, was etwa nach 15 Jahren geschehe, wenn die Ärzte ihre Praxen aufgäben oder aus anderen Gründen wegzögen. „Dann hat die Stadt dort ein Objekt stehen, das sie für nichts anderes verwenden kann.“ Das alte Krankenhaus erhalten zu wollen, hielte er für „wirtschaftlichen Wahnsinn“.

Wie aber würde Hasenhündl die Ärzte aktuell in der Stadt halten, wenn das Vaisana-Gebäude abgerissen würde? Der Geschäftsmann verweist auf sein Bauprojekt in der Grabenstraße in der Vaihinger Innenstadt: „Wir haben dort die Auflage, mindestens 2000 Quadratmeter für medizinische Zwecke auszuweisen – und könnten es locker auf 3000 oder 4000 Quadratmeter ausdehnen.“ So könne man jetzt diese Ärzte in die Innenstadt holen und die City beleben. Notfalls sollte die Stadt die Umsiedlung der Ärzte maßvoll finanziell fördern, um zu vermeiden, sich am Krankenhaus und dem Ärztehaus in Millionenhöhe zu verausgaben.

Aber welcher Arzt zieht in ein neues Gebäude, in dem er viel mehr Miete und außerdem eine neue Praxiseinrichtung in möglicherweise sechsstelliger Höhe bezahlen müsste?, gibt der Oberbürgermeister Uwe Skrzypek zu bedenken. „Die meisten Ärzte sind zwischen 50 und 60 Jahren alt – sie würden sich deutlich preiswertere Lösungen aussuchen: Und die gibt es nicht in Vaihingen, sondern nur in anderen Städten und Landkreisen in der Umgebung.“

Der OB erkennt „Goldgräberstimmung“ bei Immobilienhändlern

Es sei gerade Hasenhündls Wohnbau Oberriexingen gewesen, die vor zwei Jahren dem Betreiber einer Dialysestation für den Neubau in der Grabenstraße gekündigt habe und der immer noch neue Räume suche, berichtet Skrzypek, der bei Immobilienhändlern „Goldgräberstimmung“ erkennt, wenn sie mehr als 20.000 Quadratmeter Wohnfläche in bester Südlage mitten in der Stadt vermarkten könnten.

Der OB will die Dialysestation auf dem alten Krankenhausgelände ansiedeln. Das Gelände soll ein „Stadtquartier der kurzen Wege“ werden: mit dem Vaisana-Ärztehaus, aber auch dem alten Krankenhaus. Die medizinischen Angebote im Sinne einer Gemeinwohlökonomie sollen älteren Menschen eine höhere Lebensqualität ermöglichen.

Offenbar weiß Uwe Skrzypek zumindest jetzt schon einen Teil des Gemeinderats hinter sich. Die SPD, Grüne, FDP und Bürger bewegen Vaihingen (BbV) wollen am kommenden Dienstag dem Aufsichtsrat der RKH-Kliniken in Markgröningen die vom SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Fabian Henning initiierte Petition „Gesundheitsversorgung sichern – Ärztehaus Vaisana erhalten“ mit mehr als 3500 Unterschriften übergeben.

Weitere Themen