Dass eine Anlage für Jugendliche rund eine Million Euro kosten soll, lässt die Emotionen hochkochen. Was ist am Leobad genau geplant?
Es muss alles seine Ordnung haben: Deshalb ist dem Vorhaben eine „Habitatpotenzialanalyse mit faunistischer Relevanzprüfung“, eine Baumbewertung, ein Baugrundgutachten und eine umfangreiche Machbarkeitsstudie vorausgegangen. Alle Expertisen kommen zu dem Schluss, dass das Projekt am geplanten Standort machbar ist.
Wer angesichts der voluminös klingenden Vorabuntersuchungen nun aber meint, hier handele es sich um ein größeres Stadtquartier, irrt. Es geht lediglich um eine rund 600 Quadratmeter große Skateranlage plus einiger Nebenflächen. Die soll in Leonberg direkt neben dem Haupteingang des Leobades entstehen und jene im Stadtpark ersetzen. Dort, längs der Berliner Straße, dürfte in absehbarer Zeit mit Bau eines schon langen geplanten Wohnviertels begonnen werden. Für die bisherige Skaterbahn bleibt kein Platz. Allerdings hatte der Gemeinderat den Jugendlichen zugesagt, für Ersatz zu sorgen.
Experten haben keine Bedenken
Dass die Nachbarschaft des Leobades eine gute räumliche Alternative ist, meinen nicht nur die Mitglieder des Leonberger Jugendausschusses. Auch das von der Stadt beauftragte Gutachterbüro Landskate zieht in einer 31 Seiten starken Expertise ein positives Fazit: „Die Untersuchungen zeigen, dass der Standort am Leobad grundsätzlich gut für eine Skateanlage mit Aufenthaltsbereichen geeignet ist. Topografie,Erschließung, Baugrund und Entwässerung sind ... beherrschbar, der vorhandene Baumbestand ermöglicht einen qualitätsvollen Aufenthaltsbereich, und die Umgebung ist aus Lärmsicht unkritisch“, schreiben die Fachleute aus Köln.
Auch finanziell hat das Planungsbüro keine Bedenken: Die Investitions- und Folgekosten bewegen sich im Rahmen vergleichbarer Projekte; organisatorisch ist die Anlage in die bestehenden Strukturen der Stadt Leonberg integrierbar.“
Konkret ist die Skateranlage auf einem Platz vorgesehen, auf dem jetzt Fahrradständer und Parkplätze für Motorräder sind. Die dortigen Bäume sollen weitgehend stehen bleiben und den jungen Skatern im Sommer Schatten spenden. Verbreitete Vogelarten, das ist das Ergebnis der „Habitatpotenzialanalyse mit faunistischer Relevanzprüfung“ sind dort eher weniger. Höhlenbrütende Vogelarten oder Fledermäuse würden am Leobad „keine geeigneten Strukturen“ vorfinden, allein schon wegen des Publikumsverkehrs und der damit verbundenen Geräuschkulisse. Daher sei auch eine „vertiefende artenschutzrechtliche Prüfung nicht erforderlich.“
Alles in Ordnung also? Nicht ganz. Denn im Gegensatz zu den Kölner Gutachtern bewerteten jetzt einige Mitglieder des Leonberger Gemeinderates die finanzielle Seite sehr kritisch. Dass sich die Gesamtkosten in Richtung eine Million Euro bewegen, sei „einzigartig in Deutschland“, meinte Ottmar Pfitzenmaier. Allein 200 000 Euro für die Verlegung einiger „verrosteter Radständer“ zu veranschlagen, ist für den Chef der SPD-Fraktion „Irrsinn“. Geht es nach ihm, müssten die reinen Baukosten auf 300 000 Euro beschränkt werden.
Ähnlich sah es Jörg Langer von den Freien Wählern: „Wir reden hier über eine ganz kleine Gruppe von Nutzern. Die können auch eine andere Sportart machen.“ Seine Fraktionskollege Georg Pfeiffer wies darauf hin, dass Skaten mittlerweile eine olympische Disziplin sei, bedauerte gleichwohl, dass nicht Alternativstandorte zum Leobad genannt wurden.
Pläne sollen im September fertig sein
Die Riege der Befürworter im Gemeinderat war am Ende größer: Für Dirk Jeutter (CDU) ist das Leobad „ein richtig guter Standort“. Die Nähe zum Jugendhaus gewährleistet für Bernd Murschel (Grüne) eine „hohe soziale Kontrolle“. Gernot Hegenbart (AfD) sah das komplette Projekt gefährdet, würde nach einem Alternativstandort gesucht: „Dann verschieben wir das auf den Sankt-Nimmerleinstag.“
Die Stadtspitze steht hinter einer Skater-Anlage am Leobad: „Wenn wir es verschieben, kommt es nie“, meinte Oberbürgermeister Tobias Degode. „Wir können das Projekt im Haushalt darstellen.“ Baubürgermeister Klaus Brenner erinnerte an die „ewig langen Diskussionen“. Der Standort-Vorschlag sei schließlich von den Jugendlichen selbst gekommen. Nun sollen konkrete Planungen ausgeschrieben und im September vorgestellt werden.