Stuttgart - Als man zum 200-Jahr-Jubiläum 2018 das Historische Volksfest in der Innenstadt feierte, waren die Menschen begeistert. Weil sie gemerkt haben, dass dieses Fest mit ihnen zu tun hat. Es erzählt davon, wie dieses Land von einem der Armenhäuser Europas zu einer der wohlhabendsten Regionen der Erde wurde. Das hatte seinen Ursprung im Jahr 1818 – in jenen Reformen König Wilhelms I., der das Volksfest gründete und das Land modernisierte.
Es ist eine Geschichte, die sich lohnt zu erzählen. Weil sie erklärt, wie die Menschen hier ticken; weil sie zeigt, dass Reichtum nicht selbstverständlich ist; weil sie lehrt, dass auch Schwaben einst ihre Heimat verlassen mussten unter dem Motto: Den ersten der Tod, den zweiten die Not, den dritten das Brot.
Geschichtsverständnis wie ein kleines Kind
Und ja, Wilhelm I. war ein Monarch, der alleine herrschte, der keine Kritik duldete, ein Herrscher seiner Zeit. Doch wer deshalb diese Geschichten nicht hören will, nicht mal aus dem Munde eines Schauspielers, hat ein Verständnis von Historie wie ein kleines Kind. Am liebsten würde man sich Ohren und Augen zuhalten, weil man böse Worte nicht hören, die böse Vergangenheit nicht sehen möchte. Doch wie soll man aus Rassismus, Kolonialismus und Unterdrückung lernen, die Historie begreifen, wenn man sie nicht zur Kenntnis nehmen will? Fast schon ironisch ist, dass diese Kritik von Politikern kommt, die ansonsten über das Volksfest als Sauffest lästern. Nun wird es im historischen Kontext eingeordnet, seine Gründungsgeschichte erzählt. Dann ist es auch nicht recht.
Was ist mit der Grabkapelle?
Natürlich muss man all das einordnen, erläutern, doch reißen wir jetzt die Grabkapelle ab, weil es eine in Stein geronnene Schmonzette ist, die die Monarchie verherrlicht? Und was ist dem Katharinenhospital, dem Katzenstift, dem Olgäle? Allesamt gestiftet von württembergischen Königinnen. Wenn ein Schauspieler in die Rolle Wilhelms I. schlüpft und aus dessen Leben erzählt, wird dann die Monarchie verherrlicht? Wünschen sich die Menschen dann einen König zurück? Das ist doch arg simpel.
Man sollte die Menschen nicht dauernd erziehen wollen, sondern ihnen vertrauen. Sie verstehen Zusammenhänge besser, als manche Politiker glauben.