Streit um nächtlichen Glockenschlag in Grunbach Viel Lärm um leiseren Glockenklang

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Die evangelische Kirchengemeinde Grunbach hat ihr Schlagwerk umgerüstet, um einer Klage gegen das nächtliche Geläut zu entgehen. 2500 Euro haben Bürger für die Maßnahme gespendet.

Die Glocken in Grunbach läuten seit der Nachrüstung in zwei Lautstärken. Foto: Stoppel
Die Glocken in Grunbach läuten seit der Nachrüstung in zwei Lautstärken. Foto: Stoppel

Remshalden - Wer am späten Abend in Grunbacher Norden unterwegs ist, der kann den Unterschied hören. Um 22 Uhr läuten die Glocken der Dionysiuskirche im Tagmodus, eine Viertelstunde später, um 22.15 Uhr, im Nachtmodus, also einiges leiser. Diese Unterscheidung ist nur möglich, weil die Gemeinde im Mai eine parallele Anlage im Schlagwerk installiert hat. 4200 Euro hat die Investition gekostet – auch weil noch neue Motoren sowie weitere Schlaghämmer eingebaut wurden und verschiedene mechanische und elektronische Teile erneuert werden mussten. Pfarrer Uwe Schaal hofft nun vor allem eines: dass jetzt endlich Ruhe einkehrt.

Seit Schaal sein Amt in Grunbach angetreten hat, treibt das Thema Glockengeläut die evangelische Kirchengemeinde um. Fast zwei Jahre ist es her, dass ein Anwohner aus der nahe gelegenen Panoramastraße sich bei der Gemeinde beschwert hat (wir berichteten). „Er hat angekündigt, zu klagen, wenn wir wegen der Lautstärke der Glockenschläge in der Nacht nichts unternehmen“, erzählt Pfarrer Schaal.

Rechtlich ist die Lage klar: die Glocken sind nachts zu laut

Es sei bald klar gewesen, dass der Mann das Recht auf seiner Seite habe. Das Läuten der Glocken komme bei dem Kläger mit einer Lautstärke von etwa 45 Dezibel an. Da dieser in einem reinen Wohngebiet lebt, ist dort laut Immissionsschutzgesetz Lärm bis 50 Dezibel und nachts bis 35 Dezibel erlaubt. Tagsüber dürfen die Glocken also weiterhin unverändert schlagen, nachts sind sie jedoch zu laut. „Da hat sich die Gesetzgebung eben verändert“, sagt Pfarrer Uwe Schaal. Davon ausgenommen ist nur das liturgische Läuten, das tatsächlich Bestandsschutz hat. Das betrifft das Läuten zum Gottesdienst, aber auch das Schlagen der Glocken um sechs Uhr zum Morgengebet oder um 15 Uhr – als Erinnerung an die Todesstunde Jesu.

Im vergangenen Frühjahr ließ die Kirchengemeinde das Schlagwerk der Glocken leiser stellen. Allerdings kann bei der Anlage nicht zwischen Tag- und Nachtlautstärke unterschieden werden. Deshalb läuteten die Glocken der Dionysiuskirche tagsüber so leise, dass sie kaum noch zu hören waren. Also war auch dieser Schritt keine befriedigende Lösung. Die andere Alternative: den nächtlichen Glockenschlag zwischen 22 Uhr und sechs Uhr weglassen.

Fast 500 Unterschriften für den Erhalt des Glockengeläuts

Das rief fast 500 Bürger auf den Plan. Sie beteiligten sich an einer Unterschriftenaktion, setzten sich dafür ein, dass die Kirchenglocken nachts weiter läuten dürfen und plädierten dafür, Geld für die neue Steuerung in die Hand zu nehmen. „Interessanterweise waren das nicht nur Gemeindeglieder, sondern auch welche, die mit der Kirche sonst nicht so viel zu tun haben“, sagt Uwe Schaal, der in der Diskussion auch gemerkt hat, was für eine Bedeutung die Kirchenglocken für den Ort haben. „Das wird als kulturelles Gut gesehen.“ Für viele würde die Nacht durch das Läuten eine Struktur bekommen. „Und ein großer Aufreger war natürlich einfach die Tatsache, dass jemand zuzieht und dann an etwas rüttelt, was seit anderthalb Jahrhunderten Bestand hat. Da kommt man auch mit Argumenten nicht weiter.“

Knapp 2500 Euro wurden für die Umrüstung im Glockenturm gespendet, über jeden weiteren Euro ist die Kirchengemeinde dankbar. Die bisherigen Erfahrungen sind durchweg positiv, „es sind mir auch schon einzelne Personen begegnet, die schon immer in der Nähe der Kirche wohnen, und die nun nachts besser schlafen.“ Mit einem Beitrag im Gemeindebrief hat Uwe Schaal versucht, das Thema der nächtlichen Glockenschläge abzuschließen. „Aber vermutlich wird man einmal meine ganze Amtszeit damit verbinden.“