Streit um Rostwasser Anzeigenerstatter sprechen von Augenwischerei

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Neue Nahrung erhielt die Debatte Ende Juni – durch einen Verkehrsunfall in der Jägerstraße. Ein Baustellenlaster riss die blauen Rohre um. Die in den Medien, auch in der StZ, veröffentlichten Fotos zeigten, dass rostiges Wasser aus den Rohren gelaufen war und die Leitungen innen stark verrostet aussahen. Für die Ingenieure 22 ist klar: „Damit kann von niemandem mehr der Sachverhalt bestritten werden, dass in diesen blauen Rohren kein klares Wasser, sondern eine mehr oder weniger starke Rostbrühe ansteht, deren Einleitung in das Heilquellenschutzgebiet weder zulässig noch verantwortbar ist“, heißt es in der Strafanzeige. Allerdings sah die Stadt – wie die der StZ vorliegenden Schreiben an besorgte Bürger und die Ingenieure 22 belegen – weiter keinen Anlass zum Einschreiten. Das Amt für Umweltschutz verweist darauf, dass am Folgetag des Unfalls an zwei Infiltrationsbrunnen Messungen einen Eisengehalt von 0,25 und 0,64 Milligramm pro Liter ergeben hätten. Zudem habe das Eisenbahn-Bundesamt die Bahn aufgefordert, die Wasserqualität an den Infiltrationsbrunnen für die nächsten zwei Monate wöchentlich zu untersuchen. Damit sei sichergestellt, dass „die Wasserqualität an den Einleitungsstellen wie bisher weiterhin pflichtgemäß und sorgfältig überwacht“ werde.

Auf niedrigem Niveau gefahren

Die Anzeigenerstatter halten das für „reine Augenwischerei“. Sie vermuten, dass bei den von der Bahn und dem Amt für Umweltschutz angeführten Messungen der als Schwebeteilchen im Wasser mitgeführte Rost abfiltriert worden sei, was jedoch die Ergebnisse dieser Untersuchungen „verfälscht und untauglich“ machte. Schließlich gebe es in den blauen Rohren keine Abfiltriereinrichtungen. Das Amt für Umweltschutz gehe offenbar davon aus, dass die Rostbelastung eine Anfangserscheinung im Rahmen des Grundwassermanagements sei, weil das System noch im Probebetrieb und auf niedrigem Niveau gefahren worden sei. „Das Verhalten des Amts ist höchst befremdlich“, meinen sie. In Schreiben an die Ingenieure 22 weist die Amtsleitung diesen Vorwurf zurück. Die Stadt sei lediglich „Verwaltungshelfer“ des Eisenbahn-Bundesamts und habe in dieser Funktion Vorschläge gemacht, die das EBA aufgegriffen habe und mit deren Umsetzung geklärt werden solle, ob das zur Versickerung vorgesehene Wasser den Einleitungskriterien entspreche. „Sobald die Ergebnisse vorliegen, wissen wir, ob Handlungsbedarf besteht“, heißt es darin.

BUND sieht Gefahr für die Umwelt

Unterstützung erhalten die Anzeigenerstatter auch auf der politischen Bühne. Die Grünen und SÖS/Linke fordern in Anträgen die Rathausspitze zu einer Stellungnahme und zur Klärung des umstrittenen Sachverhalts auf. Und der Naturschutzverband BUND weist auf die Gefahr hin, die Erdreich, Gewässern und den darin lebenden Tieren durch eisenhaltiges Wasser drohe. „Das kann komplett vernichtet werden“, sagt die Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender. Die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf, dass die Widersprüche und offenen Fragen „öffentlich, transparent und nachvollziehbar geklärt werden“. Dahlbender erinnert daran, dass immer die Bedeutung des Grund- und Mineralwasserschutzes bei Stuttgart 21 betont worden sei. „Schon bei der ersten Bewährungsprobe tauchen alle zuständigen Ämter ab, und die Öffentlichkeit fischt im Trüben“, kritisiert sie.