Streit um Stadtbahn nach Ludwigsburg Warum der Landrat Haas das Zündeln nicht lassen kann

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Eigentlich ist die Idee beerdigt, die SSB-Stadtbahn bis nach Ludwigsburg und Markgröningen zu verlängern. Doch der Landrat und der OB von Remseck geben nicht auf – und halten sich Hintertürchen offen.

Ein Geisterzug? Eine SSB-Stadtbahn nach Ludwigsburg ist nicht in Sicht. Foto: Andreas Rosar
Ein Geisterzug? Eine SSB-Stadtbahn nach Ludwigsburg ist nicht in Sicht. Foto: Andreas Rosar

Ludwigsburg - Es ist ein Nebensatz auf der Pressekonferenz von OB Werner Spec zur Dieselkrise, der aufhorchen lässt. Beiläufig sagt er: „Herr Haas bringt wieder die Hochflurbahn in die öffentliche Diskussion ein.“ Hochflurbahn? Gemeint sind die gelben Züge der Stuttgarter Straßenbahnen SSB. Der Plan, diese bis nach Markgröningen fahren zu lassen, ist politisch allerdings längst beerdigt worden.

Stattdessen wird eine so genannte Niederflur-Stadtbahn geplant. Doch es ist kein Geheimnis, dass sowohl der Landrat Rainer Haas als auch der Remsecker OB Dirk Schönberger der Idee nachtrauern, die SSB-Bahnlinie zu verlängern – und diese für die bessere Lösung halten. Dabei haben sie sich 2017 davon verabschiedet – als sich alle beteiligten Kommunen in einem Kompromiss auf ein eigenes Niederflur-Bahnnetz für den Landkreis geeinigt haben.

Das Hintertürchen des Landrats wird immer größer

Und nun? Wird politisch gezündelt? Der Landrat Rainer Haas bekennt auf Nachfrage: „Wir tragen politisch die Niederflur-Bahn mit.“ Allerdings lässt er sich ein Hintertürchen offen – das immer größer zu werden scheint, je länger man mit ihm spricht. Wenn Berlin grünes Licht für die weiteren Planungen gibt, orakelt der Landrat, müssten sich „alle Beteiligten noch einmal zur Niederflurbahn bekennen“.

Wenn sich dann herausstellen würde, dass der Aufbau eines eigenen Niederflur-Bahnnetzes inklusive Betriebshof und Fuhrpark zu lange dauere und zu teuer werde – was dann? Rainer Haas gibt selbst die Antwort auf seine rhetorische Frage: „Dann könnte man leicht wieder umschwenken auf die Hochflurbahn.“ Ein Brief nach Stuttgart genüge – und die SSB würde einsteigen. Die nötigen Untersuchungen für die Hochflurbahn – etwa zur Wirtschaftlichkeit – liegen im Landratsamt in der Schublade. Es ist sozusagen ein Plan B, um in voller Fahrt zu wenden.

Auch der Remsecker OB Schönberger sagt: „Uns wäre eine Verlängerung der SSB-Stadtbahn am liebsten.“ Doch auch er bekennt sich offiziell zur so genannten Doppelstrategie, bei der sowohl Schnellbus als Niederflurbahn geplant werden.

Der Machtkampf der Alphatiere

Vor allem in Haas’ Aussage steckt einiges an politischem Sprengstoff. Im Ludwigsburger Rathaus dürfte das nicht gut ankommen – schließlich hat man sich im Gemeinderat nach jahrelangem Streit auf eine Niederflurbahn ohne große Hochbahnsteige geeinigt. Bleibt die Frage, was die beiden Kommunalpolitiker mit ihren Andeutungen bewirken wollen. Steckt hinter dem Vorstoß die Sorge, dass der OB Werner Spec mit seiner Euphorie für Schnellbusse jede Form von Stadtbahn überflüssig machen möchte? Es verfestigt sich der Eindruck, dass die politischen Alphatiere Haas und Spec nur widerwillig zum Kompromiss stehen – und ihre alte Agenda weiter verfolgen: Der eine will eine SSB-Stadtbahn, der andere Busse.

Dabei sehen immer mehr Kommunalpolitiker die von Spec gepriesenen Schnellbusse skeptisch. Im Ludwigsburger Gemeinderat etwa ist Kritik zu hören. Der Remsecker OB Schönberger stimmt zwar neuen Busverbindungen zu, sagt aber: „Es kommt auf die Details an.“ Manche befürchten gar, dass am Ende gar nichts passiert – weil sich alle gegenseitig blockieren.