Kein Platz für einen Tiny Forest auf dem riesigen Areal des künftigen Gewerbegebiets Siemensstraße in Fellbach – hier im Februar 2025 kurz vor dem Spatenstich fürs erste Firmengebäude. Foto: Jan Potente
Erneut scheitern die Stadtmacher mit ihrem Antrag, einen Tiny Forest in Fellbach anzupflanzen. Für Baubürgermeisterin Soltys passt ein Wäldchen nicht ins Gewerbegebiet Siemensstraße.
Dirk Herrmann
08.04.2026 - 13:00 Uhr
Ein unerhofftes Scharmützel lieferten sich kürzlich im Fellbacher Gemeinderat der Stadtrat Jörg Schiller von den Stadtmachern und die Baubürgermeisterin Beatrice Soltys. Ursache war ein Antrag der vierköpfigen Fraktion, wonach im neuen und üppigen Gewerbegebiet Siemensstraße ein „Tiny-Wäldchen“ gepflanzt werden solle. Die Reaktion der Verwaltung war ziemlich eindeutig: Ein derartiger, extra angepflanzter Wald kommt dort nicht infrage – und offenbar auch nicht anderswo.
Damit scheiterten die Stadtmacher erneut mit einem derartigen Vorstoß. Bereits beim Teich im Park der Schwabenlandhalle hatten sie gemeinsam mit den Grünen vor rund eineinhalb Jahren angeregt, diesen in einen Tiny Forest zu verwandeln, statt wie vorgesehen „für rund 240.000 Euro zu sanieren“. Gerade in heißen Sommertagen biete ein solches Wäldchen „eine gute Abkühlmöglichkeit“, so Stadtmacher-Stadtrat Jörg Schiller seinerzeit.
Privaten Tiny Forest gibt’s in Fellbach bereits – bei der SDK
Die Stadt lehnte dieses Vorhaben ab und verwies auf das dortige „wertvolle Biotop“ mit Teichfrosch und Grasfrosch und womöglich auch Fledermausvorkommen und empfahl eine ökologische Aufwertung des Sees. Das wurde mittlerweile auch umgesetzt – die Kosten von 45.000 Euro lagen weit unter den einst von den Stadtmachern befürchteten Ausgaben.
Das erste Gebäude der Firma Svendsen Antriebstechnik steht bereits (rechts) und wird demnächst bezogen – einen Tiny Forest wird es im Gewerbegebiet südlich der Siemensstraße aber nicht geben. Foto: Dirk Herrmann
Ein Mini-Wald sei andernorts in Fellbach aber schon denkbar, ließ Soltys wenig später in einem Grußwort durchblicken, als sie im April 2025 bei der Bepflanzung eines solchen Wäldchens auf einer Wiese hinter der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK) eines von 250 Bäumchen in der Erde versenkte. Auf privatem Gelände gibt es in Fellbach also bereits einen Tiny Wald – und auf öffentlichem?
Soltys Aussage damals: „Wir werden im Laufe des Jahres irgendwo ein Pendant zu diesem SDK-Wald haben.“ Einige Monate später präsentierte Gundis Steinmetz vom Stadtplanungsamt im Gemeinderat mögliche Alternativstandorte zum gescheiterten See. Als leichter Favorit unter insgesamt fünf möglichen Flächen wurde das neue Gewerbegebiet genannt. Steinmetz: „Möglicherweise könnte hier ein Teil der Fläche zu einem Tiny Forest entwickelt werden.“
Von „möglicherweise“ ist mittlerweile bei der Stadt aber keine Rede mehr. In der aktuellen Rathaus-Reaktion auf den Stadtmacher-Vorstoß heißt es klipp und klar: „Die Stadtverwaltung lehnt einen Tiny Forest auf Gewerbeflächen ab.“
Zur Begründung heißt es, die Auflagen im Gewerbegebiet Siemensstraße entsprächen einem hohen ökologischen Standard. Pflanzgebote und Pflanzflächen sowie Lärmschutz seien in dem Areal klar definiert. In einem komplett erschlossenen Gewerbegebiet nachträglich Flächen für einen Tiny Forest bereitzustellen, sei „wirtschaftlich nicht zielführend“.
Als Stadtrat Schiller erneut auf Soltys vermeintliche Zusage für einen Tiny Forest im Gewerbegebiet hinwies, reagierte die Baudezernentin mit einer gut zehnminütigen grundsätzlichen Widerrede.
Warum pflanzt man überhaupt einen Tiny Forest? Es gehe dort um drei Setzlinge pro Quadratmeter bei 30 bis 50 verschiedenen heimischen Arten. Soltys: „Die Konkurrenz der Pflanzen dient als Motor des Wachstums. Sie kämpfen ums Licht, wachsen zehnmal schneller als normale Bäume.“ Es handle sich um ein Konzept, „das entwickelt wurde für urbane, stark besiedelte Räume“. Und das passe eben nicht für die Siemensstraße.
Es stimme, so Soltys, dass „wir gesagt haben, wir könnten es uns vorstellen“. Aber die Stadt habe sich nochmals mit dem Thema befasst: Es gehe um Aufenthaltsqualität für Menschen, um Erholungspausen mit Bank und Schatten, etwa für Beschäftigte. Zudem müsse ein solcher Tiny Wald stark gepflegt und gewässert werden.
Mit der allgemeinen Bepflanzung im Gewerbegebiet – also ohne Tiny Forest – wolle die Stadt im Herbst beginnen. Soltys: „Ich schließe nicht aus, dass wir in der Stadt noch Stellen finden, aber das muss man genau prüfen und abwägen, wofür es das richtige Konzept ist.“
„Unser Antrag wurde sehr oberflächlich abgelehnt“
Schiller wiederum vermisste eine vertiefte fachliche Diskussion: „Unseren Antrag haben Sie sehr oberflächlich abgelehnt, weil Sie einfach nicht wollen.“ Soltys’ Konter: „Die Kollegen haben sehr viel Arbeit reingesteckt, das ist fachlich qualifiziert.“
Am Ende fanden die Stadtmacher zwar Unterstützung durch Grüne und SPD, die bürgerliche Mehrheit aus CDU und Freien Wählern/Freien Demokraten stellte sich aber hinter Soltys, sodass es nicht für den erhofften Tiny Wald im Gewerbegebiet Siemensstraße reichte.