Streit um Weissacher Sporthalle Ist der Sportbetrieb wirklich gefährdet?

Damit für Bundesligaspiele der Binder Eisbären mehr Zuschauer in die Heckengäusporthalle II passen, soll sie für 800 000 Euro umgebaut werden. Foto: Simon Granville

Eine Petition, die sich gegen den Umbau der Heckengäusporthalle II stellt, sorgt in Weissach für Aufregung. Laut Verwaltung alles halb so wild – die Petitionäre zweifeln trotzdem.

Leonberg: Sophia Herzog (she)

Sie rotiert seit Tagen durch Facebook-Gruppen und Messenger-Gruppenchats, taucht im Whatsapp-Status so mancher Bürger auf und sorgt im Netz für heiße Diskussionen: Seit dem vergangenen Wochenende werden in einer Onlinepetition Unterschriften gesammelt, die sich gegen mögliche Umbauarbeiten in einer Weissacher Sporthalle wenden. Im Ort macht sich die Empörung breit – unter anderem fürchtet man mehrere Monate ohne Sportangebot für Kinder und Erwachsene.

 

Aber ist das wirklich zu erwarten? Konkret geht es um die Heckengäusporthalle II im Norden von Weissach. Die Halle wird von mehreren Vereinen genutzt, besonders von den Sportvereinen der beiden Ortsteile Weissach und Flacht. Seit wenigen Jahren ist sie zudem Schauort von Bundesligaspielen: Die Volleyballerinnen des TSV Flacht, die Binder Blaubären, haben die Halle als Heimspielstätte auserkoren, als sie vor einigen Jahren in die zweite Liga Pro eingestiegen sind. Ab der kommenden Saison werden in der Halle sogar Spiele der ersten Bundesliga ausgetragen.

600 Menschen haben Petition unterzeichnet

Damit zu eben jenen Bundesligaspielen in Zukunft auch mehr Zuschauer in die Halle dürfen, will die Gemeindeverwaltung knapp 800 000 Euro investieren – einen entsprechenden Grundsatzbeschluss dazu muss der Gemeinderat aber noch fassen. Mit der jüngst veröffentlichten Petition sollen die Gemeinderäte von einer Stimme gegen das Vorhaben überzeugt werden. Auf Resonanz ist sie bisher allemal gestoßen: Rund 600 Menschen haben inzwischen digital ihre Unterschrift gesetzt.

Und vielen von ihnen geht es um: den Sportunterricht der Kinder. Sollte die Halle wegen langer Umbauarbeiten für den Schulsport und das Training des Vereins gesperrt werden, fürchten die Petitionäre – allen voran der ehemalige Vorstand des TSV Weissach, Mario Langjahr – „weitreichende Auswirkungen für Vereine und Schulen“. Sogar den Abgang von Vereinsmitgliedern und die ganze Auflösung einzelner Sportabteilungen prophezeien die Petitionäre. „Die Kinder sind wichtig“, kommentiert ein anonymer Unterschreiber. „Es darf keine Einschränkungen und Benachteiligungen für andere Sporttreibende geben“, ein anderer.

Bauarbeiten auch im laufenden Betrieb

Inzwischen ist klar: In ihrem Ausmaß handelt es sich bei dieser Sorge in erster Linie wohl um einen Kommunikationsfehler. Bereits am Montag versuchte Bürgermeister Jens Millow den Aufruhr rund um eine vermeintliche, neunmonatige Sperrung der Halle zu beschwichtigen. Inzwischen ruderte die Verwaltung auch auf ihrem Instagram-Kanal zurück. „Bauzeit heißt nicht Hallensperrzeit“, so Millow auf Nachfrage unserer Zeitung. „Dieser Unterschied ist leider verloren gegangen.“

Ganz so drastisch wie befürchtet wird der Einfluss eines Umbaus laut Verwaltung also nicht sein. Ein großer Teil der Arbeiten könnten im laufenden Betrieb stattfinden. Außerdem, so betont der Bürgermeister, könne man die Ferienzeiten nutzen oder die einzelnen Hallenteile gestaffelt sperren. Neun Monate, das erklärt er, sei eine „konservative“ Schätzung des gesamten Zeitanspruchs der Arbeiten gewesen. Einen Bauzeitplan gibt es noch nicht – lauscht man den Ausführungen des Rathauschefs, hätte man sich ohnehin beizeiten mit den betroffenen Vereinen ausgetauscht.

Lage in der Halle ist jetzt schon angespannt

Mario Langjahr, der die Petition gestartet hatte, nimmt die Entwicklung rund um seine Unterschriftensammlung derweil gelassen. Dass die Halle vielleicht nicht gerade für neun Monate dicht gemacht wird, ändert für ihn wenig an der Sache. „Die Situation in der Halle ist jetzt schon schlimm“, erklärt er bezüglich der aktuellen Hallenbelegung. Nicht nur der Platz für Training, sondern auch für Sportequipment werde knapp. „Wenn man die Halle noch mehr tangiert, wird der Betrieb schwierig“, sagt er.

Ähnlich sieht das auch Nicole Stuible, Trainerin und Jugendleiterin der Abteilung Handball beim TSV Weissach. Sie gehört ebenfalls zu den Petitionären. „Die Kapazitäten in beiden Hallen sind ausgeschöpft“, sagt sie. „Die Zeitpläne sind voll. Es gibt keine 15 Minuten mehr, die frei wären. Wir geben uns beim Training die Klinke in die Hand.“ Im Winter, wenn die Fußballer ebenfalls in die Halle drängen, werde es noch enger. Dann noch Einschränkungen durch Umbaumaßnahmen: „Wie soll das funktionieren? Es gibt einfach einige große Fragezeichen, die man erstmal hätte klären müssen.“

Laut Millow hat man inzwischen Termine mit den beiden Sportvereinen aus Weissach und Flacht gemacht, will sich außerdem die Belegungssituation in der Halle bei einer Begehung genauer anschauen. Er hofft, dass man nun „auf einen gemeinsamen Nenner“ komme.

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