Streitobjekt Villa Berg Eigentümer stellt sich gegen Pläne des OB

Eine Villa wie aus dem Bilderbuch Foto: Achim Zweygarth 22 Bilder
Eine Villa wie aus dem Bilderbuch Foto: Achim Zweygarth

Die Stadt will den Park der Villa Berg erweitern, der Investor zieht aber nicht zurück – die Situation ist verfahren. Es besteht bei der Stadt sogar die Hoffnung, die Villa quasi geschenkt für einen Euro zu erhalten . . .

Politik/ Baden-Württemberg: Thomas Faltin (fal)

Stuttgart - Schon vor einigen Monaten hat Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) die Villa Berg besichtigt und sich ein eigenes Bild von dem seit acht Jahren leer stehenden Gebäude gemacht – jetzt hat er sich darauf festgelegt, dass die Stadt die Villa in eigener Regie sanieren und die angrenzenden SWR-Studios abreißen soll, um die Fläche wieder in Park zu verwandeln. Das bestätigte der OB-Sprecher Andreas Scharf am Dienstag. Auch im Gemeinderat gibt es derzeit eine Mehrheit für dieses Konzept  – mindestens aus Grünen, SPD und FDP.

Der Investor und Eigentümer PDI, der die Studios zu 150 Wohnungen umbauen und dafür die Villa auf eigene Kosten sanieren möchte, ist damit aber nicht aus dem Rennen. Man werde auf keinen Fall aus den Planungen aussteigen und die Villa an den Insolvenzverwalter zurückgeben, hieß es am Dienstag. Damit läuft alles auf ein „vortreffliches Patt“ hinaus, wie es einer aus dem Kreis der Betroffenen formulierte.

Gibt’s die Villa quasi geschenkt?

Die Situation ist verzwickt. Der Stadt gehören weder die Studios noch die Villa. Sie muss also, um ihr Konzept verwirklichen zu können, darauf hoffen, dass der Investor PDI aufgibt und seinen Vertrag mit den Insolvenzverwaltern kündigt (für die Studios ist der Insolvenzverwalter Michael Pluta zuständig, für die Villa der Rechtsanwalt Hendrik Hefermehl). Es besteht bei der Stadt sogar die Hoffnung, die Villa quasi geschenkt für einen Euro zu erhalten. Dazu dürfte Hefermehl – er war am Dienstag nicht erreichbar – aber nur bereit sein, wenn er gar keinen anderen Käufer findet. Schließlich erwarten die Gläubiger von ihm, dass er die Konkursmasse bestmöglich vermarktet.

Der Investor PDI sieht aber keine Notwendigkeit, sich auf dieses Spiel einzulassen. Denn die Stadt hätte doch schon, so wird argumentiert, vor einem guten Jahr, als PDI den Kauf besiegelte, ihr Vorkaufsrecht ausüben können, als die Immobilien nach der Häussler-Insolvenz wieder zum Verkauf standen. Darauf hat sie aber schriftlich verzichtet, natürlich hätte sie damals viel Geld für die Villa bezahlen müssen. PDI ist derzeit zwar Eigentümer, aber der Kaufpreis wird erst fällig, wenn die Stadt den Wohnungsbau im Park erlaubt; erst dann gehen Lasten und Nutzen an PDI über. PDI hat also keine Unterhaltskosten für die Villa – und deshalb Zeit. Zwar gibt es eine Frist bis Jahresende, bis zu der sich PDI endgültig entscheiden muss. Aber diese Frist lasse sich verlängern, heißt es.

Druck auf den Investor

Fritz Kuhn hat nun angekündigt, dass er noch vor der Sommerpause Fakten schaffen will. Der Gemeinderat soll darüber abstimmen, ob er das Baurecht für den Park beim heutigen Stand belässt. Falls sich dafür eine Mehrheit findet, was wahrscheinlich ist, könnte der Investor keine Wohnungen bauen und wäre mit dem Konzept gescheitert. Das erhöht den Druck auf ihn, bedeutet aber nicht automatisch, dass er die Gebäude auch freigibt. Die Insolvenzverwalter und die Gläubiger könnten sicher auch vom Kaufvertrag mit PDI zurücktreten – aber das Angebot der Stadt ist für sie wirtschaftlich ja alles andere als attraktiv.

Fritz Kuhn schätzt, dass die Gesamtkosten für die Sanierung der Villa und den Abriss der Studios bei etwa 15 Millionen Euro liegen. Da die Studios sehr tief unter die Erde reichen, sind dort massive Maßnahmen zur Hangsicherung notwendig – allein die Wiederherstellung des Parks könnte bis zu fünf Millionen Euro kosten. Kuhn hofft aber, dass Land und Bund aus ihrem Stadtsanierungsprogramm große Summen, verteilt auf drei bis vier Jahre, zuschießen.




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