Eine öffentliche Fachkonferenz zum Thema Prostitution findet am Montag, 2. Februar, in Ludwigsburg statt. Dabei wird auch auf die Gesetzgebung anderer Länder geblickt.

Ludwigsburg: Andreas Hennings (hen)

Die Rechtsverbindlichkeit des Europäischen Gewaltschutzabkommens für Mädchen und Frauen, die sogenannte Istanbul-Konvention, jährt sich am Montag, 2. Februar, in Deutschland zum achten Mal. An diesem Tag findet im Großen Saal des Kulturzentrums in Ludwigsburg, Wilhelmstraße 9/1, die offene Fachkonferenz „‚Bordell Europas’ ist kein Qualitätsmerkmal“ statt. Das teilt die Stadtverwaltung mit. Demnach richtet sich die von der Stadt geförderte Veranstaltung an Interessierte und Experten gleichermaßen. Sie ist kostenfrei. Eine Anmeldung unter www.buendnisludwigsburg.de/veranstaltungen ist notwendig.

 

Von 9 bis 16 Uhr berichten Expertinnen aus Praxis, Wissenschaft und eigener Betroffenheit über die Realität in der Prostitution in Deutschland und informieren über das Nordische Modell. Dabei handelt es sich um einen Ansatz, der den Kauf sexueller Handlungen unter Strafe stellt. Menschen, die sexuelle Handlungen anbieten, bekommen hingegen staatliche Unterstützung für den Ausstieg aus dem System Prostitution. Prostitution und Zwangsprostitution betreffen beziehungsweise traumatisieren deutlich überproportional Mädchen und Frauen, heißt es in der Mitteilung weiter.

Überparteiliche Diskussion

Die Teilnahme von Leni Breymaier, früheres Bundestags-Mitglied (SPD), und Susanne Wetterich, Vorsitzende der Frauen-Union im Land (CDU), ermöglicht eine überparteiliche Auseinandersetzung mit dem System Prostitution und der Frage, was das Nordische Modell zur Entkriminalisierung beiträgt. Der Verein Ludwigsburger Bündnis gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution hat laut Ankündigung weitere hochkarätige Referenten gewonnen.

„Wir akzeptieren in unserer Stadtgesellschaft weder Zwangsprostitution noch andere Formen von Gewalt. Daher unterstützen wir in Ludwigsburg das Nordische Modell und setzen uns weiterhin für die Umsetzung der Grund- und Freiheitsrechte von Mädchen und Frauen ein“, betont Oberbürgermeister Matthias Knecht. Die Gleichstellungsbeauftragte Kristina Wolff ergänzt: „Eine gesunde Gesellschaft erkennt an, dass der Kauf von sexuellen Handlungen auf einem machtgeprägten Hierarchiegefälle basiert. Nicht auf Einverständnis.“

Deutschland als „Bordell Europas“

Auch Gunda Rosenauer, Professorin für Psychologie an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg, sowie Vorsitzende des Ludwigsburger Bündnisses gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution, bekräftigt diese Haltung: „Dass Deutschland als ‚Bordell Europas’ gilt, ist kein Zeichen von Freiheit, sondern ein Alarmsignal. Die Realität in der Prostitution zeigt, wie oft Würde, Selbstbestimmung und Schutz auf der Strecke bleiben. Genau darüber müssen wir sprechen.“