Streuobst in Göppingen Film-Geiger schreibt ein Buch über Obst-Geiger
Das erste Buch des Filmers Andreas Geiger aus Grünbach handelt vom Schlater Streuobst und seinem Namensvetter Jörg Geiger. Es macht nachdenklich und gibt gleichzeitig Hoffnung.
Das erste Buch des Filmers Andreas Geiger aus Grünbach handelt vom Schlater Streuobst und seinem Namensvetter Jörg Geiger. Es macht nachdenklich und gibt gleichzeitig Hoffnung.
Wie ich auf den Geschmack gekommen bin“ – die Überschrift des ersten Kapitels klärt auf, was sich an einem klammen Mittag im frühen Frühjahr auf den Wiesen entlang der Schwäbischen Alb zugetragen hat. Im Grunde nicht viel. Zufällig trafen sich zwei Männer, die sich flüchtig kannten, beide mit Nachnamen Geiger, die nicht verwandt, aber gleich alt sind: Andreas, Filmregisseur aus Grünbach bei Donzdorf auf dem Mountainbike und Jörg, Obstpionier aus Schlat, auf der Leiter.
„Etwas erfroren und durchgeschüttelt kommen wir in seiner Manufaktur an“, heißt es einige Seiten später, als beide bei einem rotfruchtigen Prisecco miteinander sprechen: Monate später ist daraus Andreas Geigers erstes Buch „Streuobst: Vom Geschmack einer Landschaft“ entstanden. Dabei war es gar nicht seine Idee.
Nachdem er über Jörg Geiger schon ein paar Filme gedreht habe, fand es eine Journalistenfreundin vom Verlag 8grad spannend, darüber mal ein Buch zu schreiben. Aufgrund seines umfangreichen Wissens über die Aktivitäten zum Erhalt der Obstkultur seines Namensvetters ermutigte ihn Annette Maria Rieger, seine Kamera eine Zeit lang mit der Tastatur zu tauschen.
„Ich bin dafür nicht recherchemäßig umhergezogen“, verrät der 55-Jährige und bezeichnet seinen kurzweilig und wertig geschrieben Lesestoff als „Quintessenz einiger Allerweltsgeschichten, die man über die Jahre hinweg erlebt oder gehört hat“. Vorgegangen sei er beim Schreiben wie bei seinen Dokumentarfilmen. „Mit einzelnen Szenen, auch mit Blick auf meine bisherigen Interviews mit Jörg Geiger. Ich konnte ihm, wie im Buch beschrieben, ja nicht ein Jahr lang auf den Fersen sein, das wäre völlig überdimensioniert gewesen“, erklärt der Autor.
Vielmehr sortierte und dokumentierte er sein Sammelsurium an Szenen zur Vegetation sowie zu den Arbeitsschritten eines Obstbauers auf Kärtchen, „farblich passend zum Thema der verschiedenen Jahreszeiten – halt so, wie man einen Film schneidet“. Dafür gab er sich selbst ein Zeitfenster von drei Monaten, für ihn war es ein „Nice to have“, ein Nebenprojekt.
Was ihn immer noch interessiere, sei die Literaturrichtung „Nature Writing“, verrät der Naturfreund und bezeichnet den Trend aus England als „spannende Balance zwischen Popkultur und Heimatkunde“. Andreas Geigers Intention: „Für mich war es wichtig, mein Buch nicht im Sinne eines sachlichen Pflanzenführers oder gefühliger Naturpoesie à la Rilke zu schreiben, sondern als Ich-Erzähler unsere Landschaften und Naturzustände schriftlich und bildhaft festzuhalten und zu dokumentieren, so wie sie sind und eben auch, was gerade passiert.“
Schaut man in sein Buch, sind es Geschichten, die neugierig machen. Von „Äpple Land“ über „Baum ab!“, „Männer, die auf Blüten starren“ und „Kräuter sammeln“ bis zur „Erntezeit“ oder „Landkarte des Geschmacks“, rund 33, teils bebilderte Themen, die sich auf 200 Seiten verteilen.
Was macht ein Obstbauer zum Beispiel im Sommer? Er schaut den Äpfeln und Birnen beim Wachsen zu. Jörg Geiger geht von Baum zu Baum und schaut sich die kleinen Birnen an. „Hier, eine ganz frühe Birne, aber Sorte unbekannt“, murmelt er und geht dann weiter.
Andreas Geiger fragt sich, weshalb er nicht wenigstens ein Minimum an Begeisterung aufbringt. Nicht zuletzt klärt sich auch diese Reaktion beim Gang über eine Streuobstwiese, wie so viele weitere Aspekte, in diesem Buch auf.