Streuobstwiesen-Museum Alte Kostbarkeiten auf den Wiesen entdecken

Bei der Eröffnung des Streuobstmuseums hat Sabine Roth (rechts) die „Mirabelle von Nancy“ erklärt. Foto: Arnd Bäucker

Von der verkannten Quitte bis zur Guten Luise von Avranches: Erdmannhausen hat jetzt ein Streuobstwiesen-Museum. Und sucht noch nach einem originellen Namen dafür.

Der Schultes hatte den Anstoß gegeben:  Marcus Kohler, Bürgermeister von Erdmannhausen, sah bei der Remstal-Gartenschau in Weinstadt ein Museum für Streuobst. Er fand die Idee interessant und teilte sie mit seinem Gemeinderatsausschuss für Landschaftspflege und Biodiversität. So landete die Idee dann beim Obst- und Gartenbauverein (OGV) Erdmannhausen, dessen Vorsitzende Sabine Roth nahm den Ball auf. Am Sonntag konnte Kohler sich freuen: „Der OGV hat diese Idee umgesetzt“. Denn Erdmannhausen hat jetzt selber ein Streuobstwiesen-Museum.

 

Zur Eröffnung kamen etliche Besucher zu dem lauschigen grünen Areal in der Blumenstraße, zwischen der Brezelgemeinde und Marbach. Streuobstwiesen, sagte Kohler bei der kleinen Feier, „sind ein großes Kulturgut“, sie zeichneten sich durch große Artenvielfalt aus und seien „besonders erhaltenswert“. Das neue Museum „soll ein dauerhaftes Projekt sein“, unterstrich der Schultes. Und richtete den Blick in die Zukunft: 2033 finde die Gartenschau in Marbach und Benningen statt, Erdmannhausen könne jetzt schon sagen: „Wir sind dabei!“

„Pfleg mich“

Sabine Roth verwies darauf, dass Streuobstwiesen „unsere wunderschöne Landschaft“ mitgeprägt haben. Bis zu 5000 verschiedene Tierarten leben in diesen Biotopen. Die Herausforderung sei es, diese Lebensräume zu erhalten, also die Bäume regelmäßig zu schneiden und die Wiesen mit Augenmaß zu mähen. Bürgermeister Kohler meinte, man könnte die bekannten „Pflück mich!“-Schilder durch solche mit der Aufforderung „Pfleg mich!“ ersetzen.

Ein Schwerpunkt für das Projekt ist der Erhalt alter Obstsorten. Welche Kostbarkeiten auf den Wiesen zu entdecken sind, demonstrierte die Vorsitzende bei einer ersten Führung durch das langgestreckte Areal. Aufklappbare Tafeln, in Form der jeweiligen Frucht, verraten Besuchern, um welch einen Baum es sich handelt. Auf dem Rundgang warten Schätze wie „die oft verkannte Quitte“, so Sabine Roth, sie liefere köstliche Kompotte und Marmeladen. Oder die „weiße Versailles“, eine Sorte der weißen Johannisbeeren.

Leckere Angebote bei der Eröffnung: Erdbeere mit Quitten-Balsamico. Foto: Arnd Bäucker

Beeindruckend die Fülle des Kernobstes, Äpfel und Birnen, vom Rheinischen Winterrambur über Gellerts Butterbirne, den Klassiker Brettacher, den Hauxapfel bis zur Schweizer Wasserbirne und zur Guten Luise von Avranches, ebenfalls eine Birne. Alles viel mehr als nur Obstlieferanten, „etwas ganz Schönes“, sagte Sabine Roth. Wenn ein Baum stirbt, dann sieht man im Museum sein Ende noch lange nicht gekommen: Er darf stehen bleiben, wird zum „Totholzprojekt“, dient als Lebensraum für Insekten und Vögel.

„Etwas Ästhetisches, eine Kunst“

Sabine Roths Sohn Michael ist einer aus der jüngeren Generation, der Streuobstwiesen liebt. Neben seinem Beruf als Maschinenbauingenieur engagiert er sich für ihre Pflege, hat die Ausbildung zum Fachwart gemacht – früher nannte man das Baumwart – er leitet auch Schnittkurse. Roth begeistert sich für die alten Bäume, denn die Pflege „ist etwas Ästhetisches, eine Kunst“, eine Beschäftigung mit etwas Lebendigen. „Und manchmal bist du selber überrascht, wie sich dann dieser Baum entwickelt.“

Ziel dieses Museums ist es, das Interesse an Streuobstwiesen durch Führungen und Veranstaltungen buchstäblich breit zu streuen. Denkbar wären zum Beispiel auch Lesungen der Bibliothek im Obstgarten. Gesucht wird noch ein origineller Name für das Museum. Vorschläge können bis zum 1. Juni eingereicht werden, der beste Vorschlag wird mit einem Überraschungspreis belohnt. Wer Interesse an einem Besuch und einer Führung hat, wende sich bitte an Sabine Roth, Email: roth-sabine1811@web.de, Telefon 0162/56 55 256.

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