Strohgäu Einige Strommasten bleiben als Zeitzeugnisse erhalten

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Eine bedeutende Stromtrasse, die Nord-Süd-Leitung, wird abgebaut. Es verschwindet ein Kulturdenkmal. Wenigstens Abschnitte davon.

Das Umspannwerk in Ludwigsburg-Hoheneck ist ein Teil  der Nord-Süd-Leitung, bleibt aber erhalten. Die Umspannwerke wurden im Lauf der Zeit modernisiert. Foto: factum/Granville
Das Umspannwerk in Ludwigsburg-Hoheneck ist ein Teil der Nord-Süd-Leitung, bleibt aber erhalten. Die Umspannwerke wurden im Lauf der Zeit modernisiert. Foto: factum/Granville

Strohgäu - Auch wenn es um ein Kulturdenkmal geht – die Ditzinger Stadträte haben in diesem Fall nichts zu melden. Deshalb wurden sei nun von der Verwaltung über den Abbau etlicher Strommasten, die zu einer denkmalgeschützten Trasse, der Nord-Süd-Leitung, gehören.

Die 107 Kilometer lange Stromtrasse verläuft in den Regeringsbezirken Karlsruhe und Stuttgart – und quert auch die Ditzinger Stadtteile Hirschlanden und Schöckingen. Deshalb wird die Stadt im Rahmen des Abbruchverfahrens gehört, ist aber nicht Genehmigungsbehörde. Da sie historisch ist, gilt die Stromtrasse als Kulturdenkmal. womit sie im Grunde ähnlich schützenwert ist wie etwa die Konstanzer Kirche in Ditzingen oder das Empfangsgebäude des Bahnhofs, das Alte Rathaus in Gerlingen oder das Münchinger Schloss.

Einst ein wichtiges, öffentliches Bauprojekt

Die zwischen 1924 und 1930 errichtete Nord-Süd-Leitung zwischen Brauweiler in Nordrhein-Westfalen und Bürs in Österreich stellt laut dem Regierungspräsidium (RP) Stuttgart als bauliche und technische Einheit ein bedeutendes Zeugnis der Energiewirtschaft dar. „Sie gilt als Pionierleistung im Bereich Elektrizitätsversorgung und Energiewirtschaft und stellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum heutigen europäischen Elektrizitätsverbund dar.“ Sie habe zudem „Seltenheitswert, da andere technikgeschichtliche bedeutsame Freileitungen bereits abgebaut wurden“.

Die Nord-Süd-Leitung stellte zum Zeitpunkt des Baus ein wichtiges öffentliches Bauprojekt dar, das die Möglichkeit der Elektrizitätsversorgung erheblich veränderte und deren Sicherheit gewährleistete. Michael Hascher, beim RP zuständig für technische Denkmale, macht aber auch deutlich, dass es sich zwar um ein „interessantes hochwertiges Denkmal“ handle, dies letztlich jedoch nicht ausreiche, um alle Strommasten zu erhalten – zumal sie auch nicht auf landeseigenem Boden stünden.

Die alten Masten sind zu niedrig

Denn tatsächlich sind die zum Abbruch freigegebenen Masten für die Stromversorgung nicht mehr relevant. Der Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber Amprion betreibt nach eigenen Angaben das mit 11 000 Kilometern bundesweit längste Übertragungsnetz. Um seiner gesetzlichen Verpflichtung einer sicheren Energieversorgung nachzukommen, baut er nach eigenen Angaben das Stromnetz im Land aus. Statt Hochspannungsleitungen mit 220 Kilovolt zu betreiben, wird ein Netz für 380 Kilovolt-Leitungen gebaut. Dafür aber seien die Masten zu klein, sagt Hascher. „Die Leitungen verlaufen zu knapp über dem Boden.“

Das Wirtschaftsministerium hat das Ludwigsburger Landratsamt für die denkmalschutzrechtliche Abbruchgenehmigung für einen Teilabschnitt der Trasse bestimmt. Bisher liegen laut der Kreisbehörde keine Stellungnahmen vor, die gegen den Abbruch sprechen.




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