Strohgäu Landwirte warten auf „schönen Landregen“

Von Michael Soltys und  

Spargel- und Erdbeerbauern sowie Betriebe mit Ferienwohnungen und Besenwirtschaften leiden besonders unter den Auflagen in der Corona-Krise.

Auch wenn es ein bisschen geregnet hat – für viele Saaten kommt das Wasser zu spät. Foto: factum/Andreas Weise
Auch wenn es ein bisschen geregnet hat – für viele Saaten kommt das Wasser zu spät. Foto: factum/Andreas Weise

Kreis Ludwigsburg - Seit Wochen hat es nicht oder nur sehr wenig geregnet. Starker Wind hat in diesem Frühjahr an manchen Tagen den Staub über die Äcker getrieben. Eberhard Zucker, den Vorsitzenden des Bauernverbandes Heilbronn-Ludwigsburg, erfüllt die Trockenheit mit Sorge. Vor allem für die Frühjahrssaaten entwickelt sich die Trockenheit zu einem Problem. Weil sie noch kein oder nur ein geringes Wurzelwerk haben, bräuchten sie dringend Wasser. „Die oberen 20 Zentimeter sind ausgetrocknet“, sagt Zucker.

„Wir bräuchten einen schönen Landregen“, sagt Karl Schmid, Landwirt aus Korntal-Münchingen. „Es hat zwar etwas geregnet, aber für uns im Strohgäu war das zu wenig.“ Was die Situation verschärft habe: Zur Trockenheit seien in diesem Jahr kalte Nächte hinzugekommen. „Wie jeder weiß, drückt Frost das Wasser nach oben. So verdunstet es noch schneller.“ Während das Wintergetreide – also auf Schmids Äckern Weizen und Gerste – sehr gut dastehe und mit ein paar Regentagen im Mai gute Erträge brächte, sieht es mit den Sommergetreiden, dem Mais und dem Grünland sehr schlecht aus.

Schwaches Gras heißt wenig Viehfutter

„Das Gras ist relativ schwach ausgebildet, die Erträge für das Viehfutter werden gering ausfallen“, sagt Schmid. Bei der Frühjahrsaussaat von Mais oder Hafer zeige sich schon jetzt, dass die Früchte zu langsam und ungleichmäßig angewachsen seien, sagt der Landwirt, der im Strohgäu auch eine Biogasanlage betreibt.

Weiter unten sei die Erde zwar noch ordentlich feucht, sagt Eberhard Zucker. Dafür hatte ausgiebiger Regen im Februar und Anfang März gesorgt. Aber das Getreide wurzele dafür nicht tief genug in der Erde. „Es nützt uns auch nichts, wenn es jetzt wolkenbruchartig regnet“, sagt Karl Schmid, „dann fließt das meiste Wasser ab.“ Ideal sei dagegen ein gleichmäßiger Dauerregen von ein bis zwei Tagen.

Bereits vor Wochen hatte sich gezeigt, dass den Landwirten auch wegen der Corona-Krise große Probleme ins Haus stehen. Darum können auch sie in bestimmten Fällen auf Soforthilfen hoffen. In Einzelfällen sei das auch dringend nötig, sagt Zucker. Er glaubt, dass vor allem Betriebe, die ein Hofcafé oder ein Restaurant betreiben, eine Überbrückung bräuchten. Aber auch Landwirte, die einen Teil des Einkommens aus Besenwirtschaften beziehen, haben große Einbußen. Je nach Betriebsgröße werde eine Soforthilfe zwischen 9000 Euro (fünf Mitarbeiter) und 30 000 Euro (bis 50 Beschäftigte) gezahlt. Genaue Zahlen über den Umfang der Anträge zur Soforthilfe von Landwirten sind dem Bauernverband nicht bekannt, da er nicht in die Abwicklung der Anträge eingebunden ist.

Wer kauft den Wein ab?

Hatten zum Beispiel Spargelbauern Ende März noch die Sorge, dass die Helfer für die Ernte fehlen, so überwiegt jetzt die Sorge, dass es nicht genügend Abnehmer für ihr Gemüse gibt. Die Bestellungen aus Gastwirtschaften und Restaurant-Betrieben bleiben aus. Und das trifft manche Spargelbauern hart, meint Zucker. „Dasselbe gilt für Weinbaubetriebe, die sich auf Events spezialisiert haben.“

Für Weinbaubetriebe dagegen, die ihre Trauben an eine Genossenschaft abliefern, kann augenblicklich niemand sagen, ob und wie hoch der Einbruch ausfällt. Das Traubengeld wird vertragsgemäß erst in den Folgejahren ausgezahlt. „Somit können diese Betriebe keinen Antrag stellen“, sagt Zucker.

Beziffern lasse sich die Höhe der Verluste in der Landwirtschaft nicht. „Es hängt sehr stark davon ab, wie spezialisiert der einzelne Betrieb in den Problembereichen wie Gastronomie, Ferienwohnung oder Spargel und Erdbeeranbau tätig ist“, sagt der Verbandsvorsitzende.

Der Bauernverband rechnet damit, dass in diesem Jahr deutlich weniger Arbeitskräfte als Erntehelfer ins Land kommen, „da viele in der derzeitigen Lage ihr Heimatland gar nicht verlassen wollen“. Als „sehr streng“ bewertet der Verbandsvorsitzende die Gesundheits- und Hygienevorschriften für die Betriebe.

Anstrengende Schufterei

Für Eberhard Zucker ist es deshalb erfreulich, dass sich viele einheimische Menschen bereit erklären, auf den Feldern mitzuhelfen. Doch viele Landwirte sind skeptisch: Sie befürchten, dass die Erträge trotz dieser Bereitschaft hinter den Erwartungen zurückbleiben. Die Spargel- und Erdbeerernte sei körperlich sehr anstrengend, weiß der Landwirt. Außerdem hänge es davon ab, „wie schnell der reguläre Arbeitsmarkt in Deutschland wieder anläuft.“ Wer wieder auf seine reguläre Arbeitsstelle gehen kann, das glaubt Eberhard Zucker, werde das Interesse an der Landwirtschaft schnell verlieren: „Das Thema Arbeitskräfte wird die Landwirtschaft wahrscheinlich noch lange beschäftigen.“




Unsere Empfehlung für Sie