Strohgäubahn Eingeschränkt zugänglich

Von Franziska Meißner 

Im vergangenen Sommer sind fast alle Strohgäubahn-Haltestellen umgebaut worden, weil eine EU-Richtlinie die Barrierefreiheit vorgeschrieben hatte. Die ist aber nur bedingt verwirklicht – ein tückischer Spalt klafft oft zwischen Zug und Bahnsteig.

Ein Spalt von immerhin  23 Zentimetern klafft zwischen den Waggons der Strohgäubahn und dem Bahnsteig in Münchingen-Rührberg. Foto: factum/Weise
Ein Spalt von immerhin 23 Zentimetern klafft zwischen den Waggons der Strohgäubahn und dem Bahnsteig in Münchingen-Rührberg. Foto: factum/Weise

Strohgäu - Behinderte Menschen, Eltern mit Kinderwagen oder ältere Menschen, die nicht sicher auf den Beinen sind, stehen vielerorts vor einem Problem, wenn sie mit der Strohgäubahn fahren wollen. Zwischen den Bahnsteigen und dem Regio Shuttle klafft ein bis zu 25 Zentimeter breiter Spalt. Wer ihn nicht aus eigener Kraft überwinden kann, ist auf die Hilfe anderer angewiesen – Lokführer oder Mitfahrer müssen dann eine Metall-Rampe auslegen, die vorne im Zug deponiert ist.

Es war eine Richtlinie der EU, die dafür gesorgt hatte, dass die meisten Bahnhöfe der Strohgäubahn umgebaut werden mussten. Das erklärte Ziel: Barrierefreiheit. Die Bahnsteige sind jetzt fast alle auf eine einheitliche Höhe von 60 Zentimetern gebracht, die Zugänge ebenerdig. Da die Regio Shuttles jedoch weniger breit als maximal möglich sind, müssen die Passagiere beim Zustieg einen Spalt überwinden.

Die EBO ist schuld

Andreas Fritz, der Sprecher des für den Zweckverband Strohgäubahn zuständigen Landratsamts, verweist auf Vorgaben der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO). Durch die Rampe seien die Haltestellen barrierefrei. In der EBO ist festgelegt, dass behinderte Menschen, alte Menschen und Kinder Bahnhöfe und Züge „ohne besondere Erschwernis“ nutzen können müssen. Eine solche Erschwernis sieht man in der Tatsache, dass die Rampe erst geholt und hingelegt werden muss, offenbar nicht.

Die Bahnstrecke, auf der die Regiobahn fährt, müsse allen potenziellen Nutzern zur Verfügung stehen, die in Deutschland zugelassen sind, ergänzt Fritz. Durch diese Bedingung gebe es den Abstand zwischen Strohgäubahn und Bahnsteig.

Sozialverband unzufrieden

Horst Windeisen, der Geschäftsführer des Betreibers der Strohgäubahn, der Württembergischen Eisenbahngesellschaft (WEG), verweist darauf, dass man den Spalt „so klein wie irgend möglich“ gemacht habe. Mit der mobilen Rampe sind offenbar sowohl die WEG als auch das Landratsamt als Dauerlösung zufrieden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man da noch nachbessert“, so Windeisen – obwohl er den Unmut ein Stück weit verstehen könne. „Der Einsatz der Rampe ist dauerhaft vorgesehen“, bestätigt Fritz. Die barrierefreie Nutzung der Bahn sei von Behindertenverbänden bestätigt worden.

Für Otto Koblinger, den Vorsitzenden des VdK-Kreisverbands Leonberg, ist der derzeitige Zustand nicht akzeptabel. Dass Behindertenverbände der Planung zugestimmt hätten, verwundere ihn. Koblinger spricht von „mit viel Steuergeld verursachten Missständen“, vom Landrat Rainer Haas fordert er, die Situation zu verbessern: „Auf keinen Fall geben wir uns mit Alu-Klappblechen zufrieden.“




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