Strom und Gas in Süßen EVF nutzt der Sieg vor Gericht nichts

Geklagt, gewonnen und dann doch leer ausgegangen: für die EVF gibt es in Süßen voraussichtlich nichts zu holen. Foto: Pressefoto Horst Rudel
Geklagt, gewonnen und dann doch leer ausgegangen: für die EVF gibt es in Süßen voraussichtlich nichts zu holen. Foto: Pressefoto Horst Rudel

Die Göppinger EVF hat die Stadt Süßen juristisch gezwungen, noch einmal ihre Strom- und Gasnetze zu vergeben. Das geschieht nun. Aber der EVF gönnt man nun erst recht nichts. Dafür triumphiert einer, der sonst der Prügelknabe ist.

Politik/ Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)
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Süßen/Göppingen - Üblicherweise ist der Energieriese EnBW bei der Rekommunalisierung der Strom- und Gasnetze der große Verlierer. In Süßen könnte es aber nun umgekehrt sein. Dort ist die EnBW wieder im Geschäft. Am Montag soll der Gemeinderat ihrer Tochter Netze BW die Konzession für das Gasnetz erteilen. Und auch beim noch bedeutenderen Stromnetz hat sie den Fuß in der Tür. Da soll die Konzession an das eben erst gegründete Unternehmen Suenergie vergeben werden. Dabei handelt es sich um ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Süßen, an dem die EnBW zu 40 Prozent beteiligt ist.

Sieg beim Kartellamt

Gleichzeitig droht die Energieversorgung Filstal (EVF), die bisher das Süßener Gasnetz betrieb und die auch an einer Übernahme des Stromnetzes interessiert war, leer auszugehen. Dabei hat sich das Unternehmen, das den Städten Göppingen und Geislingen gehört, lange Zeit erfolgreich und mit juristischen Mitteln gegen die drohende Niederlage gestemmt. Schon im Jahr 2012 war die EVF nämlich beim Auswahlverfahren unterlegen. Der Süßener Gemeinderat übertrug damals beide Konzessionen an seinen Eigenbetrieb Stadtwerke. Doch dabei beging er offenbar handwerkliche Fehler. Die EVF rief die Kartellbehörde des Landes an und bekam Recht. Vor allem die Konzessionsvergabe an das eigene Tochterunternehmen wurde von den Kartellwächtern kritisch gesehen. Eine Beschwerde der Stadt Süßen dagegen wurde vom Oberlandesgericht Stuttgart zurückgewiesen. Das ganze Verfahren musste neu gestartet werden. Fast 200 000 Euro dürften der Rechtsstreit und die anschließende Neuvergabe gekostet haben, sagt der Kämmerer Dieter Niethammer, der schon ein wenig verstimmt ist über den ganzen Vorgang. „Ich verstehe nicht, warum ausgerechnet die EVF das Kartellamt anruft.“ Schließlich habe man in Göppingen die Konzessionen doch auch an die eigenen Stadtwerke vergeben.

Süßen verzichtet freiwillig

Alles aus einer Hand – das war das ursprüngliche Ziel der Süßener Energiepolitik. Davon hat man inzwischen Abstand genommen. „Wir haben beschlossen, uns auf den Strombereich zu konzentrieren“, sagt der Bürgermeister Marc Kersting. Hier ist Suenergie bereits Eigentümer des zuvor von der EnBW allein betriebenen Netzes. Nach den Berechnungen eines externen Gutachters hat Suenergie den Kriterienkatalog des Gemeinderats tatsächlich ein wenig besser erfüllt als der Konkurrent aus Göppingen. Suenergie erreichte 112,25, die EVF nur 109,1 Punkte.

Um die eigene Gaskonzession hatte sich Suenergie hingegen nicht mehr beworben. Hier fehlen Erfahrungen beim Netzbetrieb, was schon von den Kartellwächtern kritisiert worden war. Stattdessen ließ man nun der Netze BW den Vortritt, die sich bei der Erfüllung des vorgegebenen Kriterienkatalogs ebenfalls knapp gegen die EVF durchsetzte. Dass auch dieses Ergebnis in Süßen begrüßt wird, ist kein Geheimnis. Die EVF hat nicht mehr viele Freunde. Es ist davon auszugehen, dass der Gemeinderat am Montag die Konzessionen entsprechend der Gutachterempfehlung vergibt.

EVF kümmert sich nicht mehr

Der EVF-Chef Martin Bernhart wollte sich zu der Vergabe vor der endgültigen Entscheidung nicht äußern. Allerdings scheint sein Unternehmen, das offiziell immer noch Betreiber des Süßener Gasnetzes ist, schon vor einiger Zeit das Interesse an der 10 000-Einwohner-Stadt verloren zu haben. Nicht einmal für den Anschluss von rund 29 Bauplätzen im Neubaugebiet Rabenwiesen habe sich die EVF zuständig gefühlt. „Die Stadt Süßen musste da selbst in Vorleistung gehen“, sagt Niethammer, der auch als Geschäftsführer von Suenergie fungiert. Eine vertragliche Interimslösung sei von der EVF nie unterschrieben worden. „Das ist eigentlich ein unhaltbarer Zustand“, so Niethammer.




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