Stromanbieter Stromio muss Kunden kündigen

Auch Gas.de musste seinen Betrieb bereits einstellen. Foto: dpa/Marijan Murat

Nach Informationen unserer Zeitung wird der bundesweit tätige Stromanbieter Stromio seine Kunden nicht mehr versorgen können. Die Übertragungsnetzbetreiber haben Stromio die Verträge gekündigt.

Stuttgart - Auch der Billigstromanbieter Stromio wird seine Kunden voraussichtlich nicht mehr beliefern können. Wie die Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW, Amprion und 50 Hertz unserer Zeitung bestätigten, kündigten sie Stromio zum 21. Dezember, 24 Uhr, den Bilanzkreis. Damit fehlt Stromio die Grundlage, seine Kunden weiter zu beliefern. Betroffene Haushalte fallen automatisch in die Ersatzversorgung und erhalten ihren Strom damit vom zuständigen Grundversorger. In der Regel ist dies das örtliche Stadtwerk. Über die Kündigungen berichtet auch das Portal Verbraucherhilfe-Stromanbieter.de, das von dem Stuttgarter Matthias Moeschler betrieben wird.

 

Ein Bilanzkreis ist ein energierechtliches Gebilde, das ein Gas- oder Stromlieferant mit den Übertragungsnetzbetreibern vereinbaren muss, und Bedingung dafür, dass ein Strom- oder Gasanbieter seine Kunden versorgen kann. Der vierte Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland, Tennet, war am Dienstag nicht zu erreichen. Nach Informationen der „Zeitung für kommunale Wirtschaft“ (ZfK) soll aber auch Tennet Stromio den Bilanzkreis gekündigt haben.

Sechsstellige Zahl von Kunden betroffen

Stromio ist eine Schwester von Gas.de. Beide haben als Energiediscounter mit niedrigen Preisen Kunden gelockt. Stromio hat dem Vernehmen nach bundesweit eine sechs- bis siebenstellige Zahl von Kunden und zählt zu den größeren Anbietern. Gas.de hat die Belieferung seiner Kunden am 3. Dezember eingestellt, nachdem auch diesem Unternehmen der Bilanzkreis gekündigt worden war. Betroffene Verbraucher erfuhren davon teilweise erst Tage später – mitunter durch ein Schreiben des Ersatzversorgers. Stromio und Gas.de haben ihren Sitz in Kaarst (Nordrhein-Westfalen) und gehören zu der in den Niederlanden ansässigen Universal Utility International. Stromio war am Dienstag nicht zu erreichen. Auf der Homepage informiert der Stromanbieter bislang nicht über etwaige Kündigungen. Ein Vertragsabschluss ist über die Internetseite aber auch nicht möglich.

Etliche Strom- und Gasunternehmer in Deutschland haben Schwierigkeiten

Derzeit geraten etliche Strom- und Gasunternehmer in Schwierigkeiten, die die Energiemengen für ihre Kunden in der Vergangenheit vorwiegend kurzfristig beschafft haben. Da die Börsenpreise für Strom und Gas jüngst massiv gestiegen sind, können sie ihren Verpflichtungen nicht mehr kostendeckend nachkommen. In den vergangenen Wochen mussten deshalb bereits sechs Unternehmen Insolvenz anmelden.

Für die Ersatzversorger, die gesetzlich verpflichtet sind, die Belieferung betroffener Kunden zu übernehmen, bedeutet der massive Zustrom unerwarteter Neukunden ein zunehmendes Problem, weil sie für diese Haushalte ebenfalls nicht langfristig Strom beschaffen konnten und nun sehr hohe Preise am Markt zahlen müssen. Mit der hohen Kundenzahl, die nun von Stromio kommt, dürfte sich das Problem weiter verschärfen. Einige Grundversorger haben bereits eigene Ersatzversorgungstarife für Neukunden aufgelegt. Ob das rechtlich zulässig ist, gilt als umstritten. Ein Grundversorger, der ostdeutsche Regionalversorger Mitgas, hat laut ZfK gar Neukunden, die von Gas.de kamen, abgelehnt.

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