Stromleitung im Kreis Göppingen Boykottieren Bürger ihre Beteiligung?

Von Klaus Nonnenmacher 

Der Widerstand gegen die geplante 380-KV-Leitung im Kreis Göppingen wächst. Bürger und Kommunen wollen sich organisieren und stellen das vom Betreiber angebotene Mitspracherecht bei der Trassensuche in Frage.

Dem Schurwald droht eine Stromautobahn. Foto: dpa
Dem Schurwald droht eine Stromautobahn. Foto: dpa

Kreis Göppingen - „Wir können uns zwar kein Hochglanz-Kommunikationsbüro leisten, aber wir haben die Bürger hinter uns.“ Der Börtlinger Bürgermeister Franz Wenka fühlt sich nach der jüngsten Bürgerversammlung in seiner ablehnenden Haltung gegenüber der geplanten 380-Kilovolt-Überlandleitung von Aalen-Goldshöfe nach Ebersbach-Bünzwangen bestärkt.

Braucht man die Leitung überhaupt

Wie berichtet will die TransnetBW die Hochspannungsleitung in den kommenden Jahren bauen. Die Bürger sollen bei der Trassensuche für den gesetzlich vorgeschriebenen Ausbau des Stromnetzes beteiligt werden. Dafür wurde ein Kommunikationsbüro engagiert. Doch das Verfahren geht den betroffenen Kommunen, die in einem von der TransnetBW vorgegebenen Suchkorridor liegen, zu schnell.

„Wir bekommen nahezu täglich neue Unterlagen mit zehn bis 15 Seiten Umfang. Die würden schon gerne genau durcharbeiten“, klagt der Wäschenbeurener Bürgermeister Karl Vesenmaier. Zumal grundsätzliche Fragen nicht geklärt seien, nämlich, ob man diese neue Stromautobahn überhaupt benötige.

Drei Bürgerinitiativen wollen sich wehren

Der Widerstand wächst. In Wäschenbeuren hat sich bereits eine Bürgerinitiative gegründet, in Adelberg ebenfalls und in Börtlingen soll eine weitere folgen. Vor allem aber haben die Bürger in Börtlingen und Wäschenbeuren angeregt, die Bürgerbeteiligung zu boykottieren. „Man muss sich schon fragen,wie viel Spielraum die Bürger bei der Trassensuche überhaupt haben“, meint Franz Wenka.

„Warum wird nicht überlegt, die neue Leitung auf bestehenden Trassen Richtung Westen auszubauen?“, fragt Wenka. Und sein Kollege Karl Vesenmaier ergänzt: „Man gewinnt den Eindruck, dass die Kommunen gegeneinander ausgespielt werden.“ Wenn Wäschenbeuren die Leitung ablehne, sei automatisch Börtlingen von der Alternative betroffen und umgekehrt. „So kann man doch nicht ergebnisoffen diskutieren“, stellt Vesenmaier fest. In Adelberg stellt sich die Frage gar nicht. Alle bisherigen Trassenüberlegungen führen unmittelbar am Ort vorbei.

Börtlingen schon von Leitungen umzingelt

Umzingelt sieht sich auch Franz Wenka. „Wir sind schon von der Natopipeline, einer 110-KV-Leitung und den Leitungen der Landeswasserversorgung betroffen und liegen in der Einflugschneise zum Flughafen. Damit tragen wir schon genug Lasten für die Allgemeinheit“, sagt er. Nun will er den Widerstand organisieren. In Börtlingen findet am 27. Mai eine Gründungsversammlung für eine Bürgerinitiative statt. „Außerdem wollen wir uns auf Bürgermeistebene in den nächsten Tagen abstimmen“, kündigt Wenka an. Er selbst werde die Trassierungswerkstatt nicht boykottieren. „Ich muss die Gelegenheit wahr nehmen, unseren Standpunkt vorzutragen“, erklärt er.

Bürgerbeteiligung beginnt

Die Trassierungswerkstätten stehen allen Bürgern offen. Für den den Kreis Göppingen betreffenden Abschnitt 1 finden die Werkstätten jeweils von 18 bis 21 Uhr am 4. Juni in der Bürenhalle Wäschenbeuren, am 2. Juli in der Gemeindehalle in Wangen und am 17. Juli in Göppingen-Bartenbach statt.