Der Ausbau von Stromnetzen ist ein Schlüssel zur Energiewende, doch der steigende Energiebedarf stellt Netzbetreiber vor große Herausforderungen. Wie die Syna mit Milliardeninvestitionen und innovativen Technologien ein Netz der Zukunft schaffen will – und was das für die Region bedeutet.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Die Energiewende stellt Netzbetreiber vor große Herausforderungen. Der Ausbau von Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Ladesäulen für Elektroautos erfordert eine umfassende Modernisierung der Stromnetze. Die Syna, Tochter des Energiekonzerns Süwag, setzt dabei eigenen Angaben zufolge auf massive Investitionen und digitale Technologien, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden – auch im Rems-Murr-Kreis.

 

Steigende Anforderungen an die Netze

Früher war die Netzplanung vergleichsweise einfach: Der Strom wurde in großen Kraftwerken erzeugt und von dort aus zu den Verbrauchern geleitet. Heute wird die Stromerzeugung immer dezentraler, immer mehr Haushalte sind nicht nur Verbraucher, sondern speisen auch selbst erzeugten Strom, beispielsweise aus Photovoltaikanlagen, ins Netz ein. „Die Zahl der Anschlussanfragen ist in den letzten Jahren nahezu exponentiell gestiegen“, erklärt Tim Plößer, Produktmanager für Datenlösungen bei der Syna. Allein im vergangenen Jahr habe es 25 000 entsprechende Anfragen gegeben – Tendenz stark steigend.

Strombedarf steigt

Das bestehende Stromnetz, das im Rems-Murr-Kreis rund 3000 Kilometer umfasst, ist für diese Entwicklung nicht ausgelegt. Der zusätzliche Strombedarf verschärft die Lage: Um die Klimaziele zu erreichen, sollen laut bisherigen Vorstellungen der Bundesregierung bis 2030 mindestens 15 Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen fahren, verbunden mit gut einer Million Ladepunkten – zehnmal so viele wie heute. Auch die Zahl der Wärmepumpen soll von derzeit unter zwei auf mindestens sechs Millionen steigen.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setzt die Syna auf digitale Innovationen wie den „digitalen Zwilling“. Dabei handelt es sich um ein virtuelles Abbild des realen Stromnetzes. In Echtzeit fließen dort Daten zu Auslastung, Verbrauch und Netzkapazitäten zusammen. „Die Echtzeitbewertung des Netz-Zustands hilft uns, Probleme frühzeitig zu erkennen und gezielt einzugreifen“, erklärt Plößer. Auch die Netzplanung mache der Erkenntnisgewinn aus den digitalen Daten deutlich effizienter, denn der Ausbau könne gezielt dort erfolgen, wo ein Bedarf besteht.

Vanessa Schuller, Referentin für Netzentwicklung bei der Syna, betont: „Früher mussten wir Worst-Case-Abschätzungen machen, um die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten.“ Mit dem digitalen Zwilling sei es möglich, punktgenau zu analysieren, wo das Netz tatsächlich gestärkt werden muss.

Anschluss-Check im Internet

Auch die Verbraucher profitierten von der Digitalisierung. Über den „Online Connection Check (OCC)“ können Haushalte und Unternehmen im Internetportal der Syna bereits vorab online prüfen, ob eine PV-Anlage oder Ladesäule problemlos angeschlossen werden kann. Bei unkomplizierten Fällen läuft der Vorgang automatisiert weiter, bei Engpässen werden individuelle Lösungen erarbeitet.

Insgesamt plant die Syna, in den kommenden fünf Jahren rund eine Milliarde Euro in den Ausbau und die Digitalisierung der Netze zu investieren. Ein Teil dieser Maßnahmen betrifft den Rems-Murr-Kreis direkt. Dort sollen viele bestehende Ortsnetzstationen durch digitale Stationen ersetzt werden, die eine Fernüberwachung und Echtzeitsteuerung ermöglichen. Bis 2027 sollen mindestens 20 Prozent der Netzstationen digital steuerbar sein, während weitere 30 Prozent mit Sensoren für die Fernüberwachung ausgestattet werden. Ein weiterer Schritt ist die Einführung sogenannter Smart Meter, intelligente Messsysteme, die analoge Zähler ersetzen und exakte Verbrauchsdaten liefern. Diese Daten fließen in das digitale Netzmanagement ein und unterstützen eine effizientere Steuerung.

Der Ausbau und die Modernisierung der Stromnetze sind nach Ansicht der Experten zentrale Bausteine der Energiewende. Sie ermöglichen die Integration von erneuerbaren Energien und den steigenden Energiebedarf durch neue Technologien wie Elektroautos und Wärmepumpen. Michael Meyle, Regionalleiter Süd der Syna, hebt hervor: „Mit der Digitalisierung und innovativen Lösungen wie dem digitalen Zwilling zeigt die Syna, wie die Energiewende vor Ort umgesetzt werden kann.“ Der Rems-Murr-Kreis werde so mit zu einem Vorreiter für ein modernes und zukunftsfähiges Stromnetz, das eine zuverlässige und nachhaltige Energieversorgung sicherstelle.

Syna

Unternehmen
Die Syna, eine Tochter des Energiekonzerns Süwag, betreibt und wartet Strom- und Gasnetze. Sie ist vor allem in Hessen, Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz aktiv, der Hauptsitz ist in Frankfurt. In Baden-Württemberg ist sie der zweitgrößte Stromnetzbetreiber – wenn auch mit deutlichem Abstand hinter der EnBW.

Stromnetz
Die Syna versorgt ihre Kunden mit einem Stromnetz von mehr als 23 000 Kilometern Länge. Im Rems-Murr-Kreis, hier ist das Unternehmen vor allem im Altkreis Backnang vertreten, sind es mehr als 3000 Kilometer. Rund 180 000 Menschen leben im Versorgungsgebiet. An den Standorten Murrhardt und Winnenden arbeiten rund 30 Mitarbeiter.

Weitere Informationen findet man unter www.syna.de.