Die Stuttgart Netze muss das Umspannwerk in Stuttgart-Birkach grundlegend modernisieren. Das hat gravierende Auswirkungen auf die benachbarte Jugendfarm.

Das Umspannwerk in Birkach ist in die Jahre gekommen und muss grundlegend modernisiert werden. Für die direkt daneben liegende Jugendfarm hat die Maßnahme gravierende Auswirkungen. Die Einrichtung verliert dadurch rund 1200 Quadratmeter Fläche – samt Reitplatz, Ziegenweide und Kaninchenstall. Und noch ist kein Ersatz in Sicht.

Den Ersten Vorsitzenden des Birkacher Jugendfarmvereins, Peter Falkenstein, drücken in diesem Zusammenhang noch weitere Sorgen. Denn welche Einschränkungen während der auf drei Jahre angesetzten Bauzeit der Jugendfarm sonst noch drohen, ist ebenso unklar. Sicher ist nur: „Räumlich ist das hier alles super eng“, so Falkenstein. Die Einrichtung mit ihren Tieren müsse auch während der Bauarbeiten 24 Stunden am Tag erreichbar sein.

Stuttgart Netze investiert rund zehn Millionen Euro

Wie die Stuttgart Netze GmbH erklärt, versorgt das Umspannwerk neben Birkach weitere südliche Stuttgarter Stadtbezirke. „Um die Stromversorgung in diesem Bereich auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten, werden wir das Umspannwerk voraussichtlich zwischen 2023 und 2025 grundlegend modernisieren“, erklärt Sprecher Moritz Oehl. Stuttgart Netze investiert rund zehn Millionen Euro.

Die Krux: Während der gesamten Bauzeit muss das alte Umspannwerk in Betrieb bleiben. Weshalb, so Oehl, mehr Fläche nötig sei „als in der Ist-Situation“. Die neue Anlage entsteht auf einem Abschnitt des Jugendfarm-Grundstücks, der größtenteils im Besitz von Netze Stuttgart ist und der Jugendeinrichtung bislang kostenlos zur Verfügung stand. Ob sich nach deren Fertigstellung die Jugendfarm auf der dann teils frei werdenden alten Umspannwerkfläche ausbreiten kann, steht bislang nicht fest. „Da haben wir keine positiven Signale bekommen“, sagt Falkenstein.

Die Stadt soll sich um Ersatzflächen kümmern

Ersatz böte eventuell eine Wiese jenseits der Pferdeweide der Jugendfarm. Sie ist im Besitz der Stadt und aktuell teilweise an einen Degerlocher Landwirt verpachtet. Die CDU-Fraktion im Bezirksbeirat Birkach hat deshalb kürzlich einen Antrag eingebracht, mit dem die Stadtverwaltung aufgefordert wird, sich der Sache anzunehmen. Konkret heißt das: Die Stadt soll sich um Ersatzflächen für die Jugendfarm kümmern und zugleich die baurechtlichen Voraussetzungen für einen neuen Kleintierstall auf der Jugendfarm schaffen.

Letzterer wird durch die Verlagerung notwendig und würde mit kalkulierten 200 000 Euro zu Buche schlagen. Woher das Geld dafür kommen soll – auch das steht bisher in den Sternen. Insgesamt veranschlagt Falkenstein die Kosten, die durch den Neubau des Umspannwerks der Jugendfarm entstehen, mit fast 250 000 Euro. „Uns würde es unglaublich freuen, wenn Stuttgart Netze sich hier finanziell engagiert“, sagt Falkenstein. Die Zeit drängt: Die ersten vorbereitenden Maßnahmen im Rahmen des Umspannwerkneubaus sollen bereits im Herbst anstehen. Dann werden auf der betreffenden Fläche Bäume gefällt.

Viele Stromausfälle in Birkach

Dass angesichts der kommenden energetischen Herausforderungen generell Modernisierungsbedarf im rund 5600 Kilometer langen Stuttgarter Stromnetz herrscht, steht außer Frage. Moritz Oehl betont, dass Stuttgart Netze „jährlich einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in das Netz investiert“. Ausgerechnet in Birkach und Umgebung haben sich gleichwohl in den vergangenen Monaten die Stromausfälle geballt. Darauf hat kürzlich Jürgen Holzwarth, CDU-Bezirksbeiratsmitglied, hingewiesen.

Tatsächlich bestätigt Netze Stuttgart auf Anfrage, dass am 18., 22. und 29. September sowie am 4. Oktober im Versorgungsgebiet des Umspannwerks Birkach größere Störungen auftraten. Dabei war der Strom in den betroffenen Gebieten zwischen knapp 20 Minuten und mehr als einer Stunde ausgefallen, darunter zwei Mal während der Nacht. Ursache, so Stuttgart Netze, waren Kabelfehler und daraus resultierende Kurzschlüsse.

„Das könnte ein Anzeichen dafür sein, dass die Stromnetze gerade in der Nacht an der Überlastungsgrenze sind“, sagt Holzwarth. Er denke hier zum Beispiel an die zunehmende Zahl an Elektroautos, die nachts geladen werden. Stuttgart Netze kündigte an, die betreffenden Kabel, unabhängig vom Neubau des Umspannwerks, „so schnell wie möglich zu modernisieren“.