Umspannwerk in Wendlingen Wie die EnBW einen Blackout im Südwesten verhindern will

Die Transnet BW will das Wendlinger Umspannwerk erweitern. Foto: /Kerstin Dannath

Um eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten, will die Netzsparte der EnBW das Umspannwerk in Wendlingen um- und ausbauen. Dass das Gelände in einer Hochwasserzone liegt, erschwert das Vorhaben.

Erst kürzlich hat sich der grüne Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, begleitet unter anderem von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, in der baden-württembergischen Starkstromzentrale von Transnet BW in Wendlingen zeigen lassen – von dort steuert die hundertprozentige EnBW-Tochter ihr Übertragungsnetz im Land. Um diese Aufgabe für den Raum mittlerer Neckar und den Großraum Stuttgart auch künftig weiter zuverlässig erfüllen zu können, muss das Ende der 1980er Jahre erbaute Umspannwerk allerdings dringend fit gemacht werden.

 

Der Grund: Der Anteil erneuerbarer Energien wächst, sie sind ein wichtiger Bestandteil des Energie-Mix der Zukunft. Doch durch ihre volatile Einspeisung werden die Stromnetze stark beansprucht. „Die Energiewende stellt uns hinsichtlich der Regelbarkeit des Netzes vor ganz neue Anforderungen“, erläuterte Markus Reeb, Gesamtprojektleiter bei Transnet BW für den Umbau in Wendlingen, vor dem Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) des Wendlinger Gemeinderats. Denn um die Arbeiten angehen zu können, muss der Bebauungsplan des 12,5 Hektar großen Areals am östlichen Ende der Stadt geändert werden. Bislang gibt es drei Bebauungspläne für das Gelände, diese sollen nun zu einem zusammengeführt werden.

„Die Modernisierung des Standorts ist nötig, damit seine Leistungsfähigkeit gewährleistet bleibt, dazu sind wir auch gesetzlich verpflichtet“, sagte Reeb. Nötig wird das, weil die Energiegewinnung einen großen Schritt weg von großen Einheiten wie Kern- oder Kohlekraftwerken machen wird – hin zu kleineren Einheiten wie Windparks und PV-Anlagen. „Die Regelbarkeit des Netzes wird schwieriger, weil es kleinteiliger wird“, so Reeb. Wendlingen sei ein zentraler Standort für das Gelingen der Energiewende, denn der dort ankommende Strom wird von der Höchstspannungsebene von 380 Kilovolt auf die Spannungsebene des Verteilnetzes (110 KV) transformiert und weiter in die Region verteilt. Um den Aufgaben auch künftig gerecht werden zu können, plant Transnet BW vier bauliche Maßnahmen: Die bestehende 380 kV-gasisolierte Schaltanlage und das zugehörige Betriebsgebäude werden neu erstellt, einer der Transformatoren wird durch einen leistungsfähigeren Transformator ersetzt, eine sogenannte Blindleistungskompensationsanlage (Statcom-Anlage) wird neu gebaut, und die Netzanbindung im Norden des Betriebsgeländes wird angepasst. Bereits Anfang dieses Jahres hat Transnet BW für den Statcom-Neubau die „Lauterwiesen“ in Richtung Kirchheim/Teck erworben.

Hochwassergefahrenzone tangiert

„Eine Statcom-Anlage gibt es bislang noch nicht bei uns im Netz, sie ist aber für die Regulation des Netzes erforderlich“, erklärte Reeb. Das Gebäude wird nach derzeitigem Planungsstand etwa 45 Meter breit, 85 Meter lang und eine Höhe von bis zu zwölf Metern haben. Untergebracht sind dort extrem leistungsfähige Kondensatoren. Ihre Aufgabe ist es, Spannungsschwankungen auszugleichen, indem sie je nach Bedarf die Blindleistung regeln und so die Netzspannung im stabilen Bereich halten. Zu beachten ist an dem geplanten Standort, dass das Gebäude teils im Bereich einer Gefahrenzone eines extremen Hochwassers an der Lauter liegt. Deswegen soll das Gelände dort neu modelliert werden.

Änderung des Bebauungsplans

Schritt eins ist nun die vom ATU empfohlene Änderung des Bebauungsplans, die endgültige Entscheidung trifft der Wendlinger Gemeinderat bei seiner nächsten Sitzung in der kommenden Woche. Neu versiegelt werden soll nur ein Teil der Fläche, aber der neue Plan macht das Unternehmen flexibler in der künftigen Gestaltung des Areals. Im Anschluss folgt die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Träger öffentlicher Belange. Der Satzungsbeschluss soll Ende des zweiten Quartals 2023 gefasst werden. Dann muss das Projekt ein gesetzlich vorgeschriebenes Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) durchlaufen. Dabei geht es etwa um Baugrunduntersuchungen, Natur- und Landschaftsschutz oder die Betrachtung der Auswirkungen auf die Bevölkerung hinsichtlich des Schalls und elektromagnetischer Felder. Hierfür bereitet Transnet BW die Unterlagen parallel vor, wie Katharina Frömmel vom Genehmigungsmanagement des Unternehmens berichtete. Zu erwarten sind laut Frömmel keine größeren Einschränkungen, auch wenn noch nicht alle Fachgutachten abgeschlossen sind.

Eingereicht werden sollen die Unterlagen noch in 2023, die zuständige Genehmigungsbehörde ist das Landratsamt Esslingen. Der Startschuss für die Baumaßnahmen soll laut Reeb Mitte 2024 erfolgen, die Arbeiten werden sich bis 2030/31 hinziehen.

Zuerst erstellt wird die Statcom-Anlage: Reeb rechnet damit, dass sie bereits Ende 2026 ans Netz gehen und zunächst noch die alten Anlagen unterstützen wird. Läuft alles nach Plan, sind alle neuen Anlagen Ende 2030 in Betrieb. Bis dahin werden die alten Anlagen weiterlaufen, damit die Stromversorgung gewährleistet ist.

Wie der Strom in der Region verteilt wird

Unternehmen
Transnet BW ist eine hundertprozentige Tochterfirma der EnBW mit Sitz in Stuttgart und in Baden-Württemberg zuständig für die überregionale Starkstrom-Verteilung. Im Jahr 2021 hatte das Unternehmen 1057 Mitarbeiter – Tendenz steigend.

Stromversorgung
Das von Transnet BW versorgte Gebiet ist mit 34 600 Quadratkilometern fast so groß wie Baden-Württemberg, dazu wird ein landesweites Netz von 3200 Kilometern Höchstspannungsleitungen mit 220 oder 380 Kilovolt betrieben, zu dem auch etwa 50 Umspannwerke wie das in Wendlingen gehören.

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