Strukturbericht für die Region Stuttgart Ausbilden, weiterbilden, Aufstieg fördern

Von StZ 

Der Strukturbericht 2013 attestiert der Region Stuttgart genügend Fachkräfte. Sie müssten nur qualifiziert werden. Auf welchen Wegen das geschehen kann, haben IHK, Handwerkskammer, Regionalverband und IG Metall diskutiert.

Der Fachkräftebedarf kann mit dem vorhandenen Potenzial an Arbeitskräften gedeckt werden. Man muss sich aber die Mühe machen, die Menschen zu qualifizieren. Foto:  
Der Fachkräftebedarf kann mit dem vorhandenen Potenzial an Arbeitskräften gedeckt werden. Man muss sich aber die Mühe machen, die Menschen zu qualifizieren. Foto:  

Stuttgart - Mit einer gute Nachricht ist der IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Richter in die Präsentation eingestiegen: „Die Region hat sich aus der Wirtschaftskrise heraus ihren Spitzenplatz zurückerobert und liegt verglichen mit anderen deutschen Großstadtregionen wieder auf den ersten Rängen“, sagte Richter bei der Vorstellung des Strukturberichts 2013, den Vertreter von Handwerkskammer, IG Metall, IHK sowie der Verband Region Stuttgart gemeinsam in Auftrag gegeben hatten. Doch wichtiger als der Vergleich auf Bundesebene sei für die traditionell exportstarke Wirtschaft im Südwesten ohnehin der Blick nach Übersee und nach Fernost. Diese internationale Konkurrenzfähigkeit gelte es zu sichern, forderte Richter. Eine Voraussetzung dafür sei die Deckung des Fachkräftebedarfs, der auch im Mittelpunkt des aktuellen Strukturberichts steht.

Der Fachkräftebedarf in der Region kann gedeckt werden

Wie können die Unternehmen der Region den bereits vorhandenen Fachkräftemangel bekämpfen und gleichzeitig dafür sorgen, dass in Zukunft nicht immer mehr Stellen quer durch alle Wirtschaftszweige unbesetzt bleiben? Dieser Frage sind die Wissenschaftler vom Tübinger Wirtschaftsforschungsinstitut IAW und dem IMU-Institut der Universität Mannheim bei der Erarbeitung des Berichts auf den Grund gegangen. Das Fazit ihrer Arbeit lautet wie folgt: Der Fachkräftebedarf in der Region Stuttgart kann gedeckt werden. Zwar fehlten bereits jetzt etwa hoch qualifizierte Spezialisten etwa in den Entwicklungsabteilungen der Industrieunternehmen. Es seien aber auf der anderen Seite genügend Arbeitskräfte da – sie müssten nur bedarfsgerecht ausgebildet werden.

Die Studie wirft einen Blick in die Zukunft und prognostiziert dabei 109 000 fehlende Fachkräfte über alle Qualifikationsstufen hinweg bis zum Jahr 2030. Mehr als 90 Prozent davon entfallen auf Berufe im Bereich des dualen Ausbildungssystems, was durch stärkere Anstrengungen um junge Menschen aufgefangen werden könnte. „Wir müssen die Lücke zwischen Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz auf der einen und unbesetzten Lehrstellen auf der anderen Seite schließen“, forderte der IG-Metall-Geschäftsführer Uwe Meinhardt.

Stellvertretend für viele Projekte zur Integration nicht ausbildungsreifer Schulabgänger nannte der Gewerkschafter das so genannte Förderjahr: „Dieses betrieblich unterstützte Programm gibt Jugendlichen auch mit schlechten Zeugnissen die notwendige zweite Chance für den Einstieg ins Arbeitsleben“, sagte Meinhardt. „Wir können es uns nicht leisten, Tausende mit dem Stempel ‚nicht ausbildungsfähig’ zu versehen.“ Zum Ausbildungsbeginn im September zeitigte das im vergangenen Herbst gestartete Projekt erste Erfolge, allerdings in kleinem Maßstab. Die Besetzung von Stellen für hoch Qualifizierte könne nur gesichert werden, wenn den Mitarbeitern im Betrieb bessere Aufstiegsmöglichkeiten durch betriebliche Weiterbildung geboten würden.

Frauen sind ein Schlüssel zur Deckung des Fachkräftebedarfs

Frauen sind nach Ansicht von Claus Munkwitz, dem Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer in der Region, einer der wichtigsten Schlüssel zur Deckung des wachsenden Fachkräftebedarfs. Zwar sei der Anteil berufstätiger Frauen im Südwesten relativ hoch, allerdings würden sich immer mehr weibliche Beschäftigte das Volumen an Arbeit teilen, etwa weil sie Teilkräfte sind. Demgegenüber steht der Studie zufolge ein enormes, bisher unerschlossenes Potenzial an Arbeitskräften, das dazu ausreichen würde, um 39 000 Vollzeitstellen in der Region zu besetzen. „Viele Frauen würden gerne mehr arbeiten“, sagte Munkwitz, „wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden.“ Gemeint sei weniger der Verdienst als die Karrierechancen sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Wir sind längst noch nicht so gut in der Region, wie wir sein müssten“, lautete seine weniger gute Botschaft zum Schluss.

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