Strukturreform beim VfB Stuttgart Der VfB Stuttgart setzt auf Mercedes-Benz als Partner

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Der VfB Stuttgart plant die Profiabteilung auszugliedern und in eine Kapitalgesellschaft umzuwandeln, um neue Geldquellen zu erschließen. Der Verein setzt auf Mercedes-Benz als strategischen Partner.

Joachim Schmidt ist der Verhandlungsführer beim VfB Stuttgart. Foto: dpa
Joachim Schmidt ist der Verhandlungsführer beim VfB Stuttgart. Foto: dpa

Stuttgart - Wenn sich der Aufsichtsrat des VfB Stuttgart dieser Tage zu seiner nächsten Sitzung trifft, müssen die Herren thematisch umdenken. Waren sie zuletzt mit Personalentscheidungen beschäftigt (siehe der Präsidentenwechsel von Gerd Mäuser zu Bernd Wahler, siehe die Trainerrochade von Bruno Labbadia zu Thomas Schneider), geht es aktuell um eine Sachfrage, von deren Antwort in den Augen der Verantwortlichen die Zukunft des Clubs maßgeblich abhängen wird. Der Plan sieht vor, die Profiabteilung auszugliedern und in eine Kapitalgesellschaft umzuwandeln, um neue Geldquellen zu erschließen. Dafür wird hinter den Kulissen gerade das Feld bestellt.

Die sich in Arbeit befindliche Strukturreform hätte strategische Partnerschaften zur Folge. Zahlungskräftige Unternehmen könnten Aktien erwerben und sich so in das Modell einkaufen. Der VfB würde in diesem Fall vor allem auf einen Konzern bauen: auf Mercedes-Benz. Nach StZ-Informationen sind die Gespräche sogar bereits angelaufen – mit guten Erfolgsaussichten.

Die Schlüsselfigur ist der VfB-Aufsichtsratschef Joachim Schmidt, der sein Gremium jetzt über den Stand der Dinge und die weitere Vorgehensweise informieren wird. An seiner Hauptrolle ändert auch die Nachricht vom Dienstag nichts, nach welcher er seinen Job als Daimler-Manager zum Jahresende niederlegen wird. Der Zeitpunkt der Trennung ist zwar auch für viele Kollegen beim VfB überraschend gekommen, aber davon unberührt bleibt das hervorragende Verhältnis, das Schmidt zu Dieter Zetsche hat. Der Daimler-Boss war am Sonntag als Fan selbst im Stadion, als die Mannschaft beim 6:2 gegen Hoffenheim Werbung in eigener Sache machte. Zetsche war begeistert – Schmidt auch.

Mercedes-Benz und VfB: Bald wieder in Verhandlung

Die Gunst der Stunde wollen er und der VfB nutzen. In Kürze werden die Verhandlungen mit dem Autobauer aus Untertürkheim fortgesetzt, in der Hoffnung, bald zu einem Ergebnis zu gelangen. Entsprechende Signale sind bereits eingegangen – nicht nur von Zetsche, sondern auch von anderen Führungskräften bei Daimler, das über die Mercedes-Benz-Bank ja schon Hauptsponsor beim VfB ist. Nun läuten die Glocken sogar für die Elefantenhochzeit, worauf der Verein 30 Jahre lang gewartet hat.

Jetzt ist die Chance auf das Ja-Wort der Braut da. Das hat Schmidt intern betont, als im Zuge der Mitgliederversammlung am 22. Juli Überlegungen aufgekommen sind, den Aufsichtsrat personell etwas umzugestalten. Als Zugänge gehandelt wurden beispielsweise der EU-Kommissar Günther Oettinger und der Kärcher-Chef Hartmut Jenner. Aber Schmidt plädierte für Kontinuität, um die Hochzeit nicht zu gefährden.

Die Hoffnungen ruhen auf ihm und seinem Draht zu Zetsche. Zunächst müssen jedoch die formalen Voraussetzungen geschaffen werden: die Abspaltung der Lizenzspielerabteilung – eine Aktion, die außer dem VfB, Hamburg, Mainz, Nürnberg, Schalke und Freiburg schon alle Bundesligisten vollzogen haben.

VfB: Kader braucht Verstärkung

Auch beim VfB sind sich vom Aufsichtsrat über den Vorstand bis zum Ehrenrat alle einig, dass dieser Schritt erforderlich ist, um sportlich konkurrenzfähig zu bleiben. Der Kader benötigt Verstärkungen, um an der Spitze mitmischen zu können, aber gute Spieler sind teuer. Die laufenden Einnahmen reichen nicht. Deshalb müssen zur Finanzierung neue Wege beschritten werden. So einfach sieht die Rechnung aus.

Doch die Lösung ist schwierig durchzusetzen. Es funktioniert nur über eine Satzungsänderung, für die auf der Mitgliederversammlung 2014 eine Zweidrittelmehrheit der Stimmen her muss. Aber viele Fans haben Vorbehalte, weil sie befürchten, dass sie dann gar keinen Einfluss mehr auf die Vereinspolitik hätten. Also muss der VfB noch Überzeugungsarbeit leisten. Nicht, dass ihm dasselbe passiert wie dem HSV. Dort wurde das Gesuch vor drei Jahren von den Mitgliedern abgeschmettert. Was seitdem aus dem Club wurde, ist auch bekannt.