Bubbletea und Torten wie in China
„Das ist ja cool, dass es so etwas hier gibt“, schwärmt eine Frau, als sie das Sweetea betritt. In China habe sie für ein Jahr gelebt, erzählt sie sofort und freut sich auf Bubbletea wie in Shanghai. In Mintgrün und Weiß ist das Café eingerichtet, die Vitrine für Wurst und Fleisch ist längst verschwunden, ersetzt durch eine weiße Theke. Am Schaufenster stehen vier kleine Tischchen. Der Vermieter teilte die Metzgerei in zwei Einheiten, nebenan soll eine Wäscherei einziehen. Aber Li Yang hat sich die Wurstküche gesichert. Ist sie erst eingerichtet, wird sie dort ihre bunten und aufwendig dekorierten Torten backen, wie sie in ihrem Heimatland gang und gäbe sind. Die Jungunternehmerin rechnet mit viel Andrang, weil die Kuchen in Süddeutschland sonst nirgends zu bekommen sind. Und kurz nach der einen Kundin steht schon die nächste strahlend im Geschäft. Ihre Tochter wohne in Seattle, berichtet sie, und dort habe sie Bubbletea kennen- und lieben gelernt. „Schön, dass es das jetzt hier gibt“, sagt auch sie.
Aus Langeweile wieder einen Imbiss
In der Food Station am Stöckachplatz ist dagegen wenig los, zu wenig, findet ihr Inhaber, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Nach vier Monaten will er bald wieder schließen. „Es war eine blöde Idee“, sagt er über die Eröffnung seines Imbisses in der früheren Metzgerei. Die Einrichtung hat er übernommen: In der Vitrine befinden sich Bulgursalat und Falafel, Börek und Pizza, im Fleischschrank lagert türkischer Honig, in der Wurstküche bereiten Mitarbeiter Köfte mit Gemüse als Tagesessen vor. Er habe sich in der Rente gelangweilt und sei deshalb in den alten Beruf zurück, erzählt der ältere Herr. An der Ecke war bis 2013 der Metzger Hans Diehl mit einer Filiale vertreten. Danach versuchte es sein Kollege Frank Widmayer aus Denkendorf an der Stelle in der Neckarstraße. „Es lohnt sich nicht“, findet der aktuelle Pächter. Verstehen kann er es nicht, denn die Lage ist seiner Meinung nach ideal. Ein Bekannter wird in dem Laden künftig Döner anbieten, verrät er noch – als vierter Imbiss in der näheren Umgebung.
Als Automatensupermarkt zurück
Ziemlich innovativ ist das Konzept, mit dem sich manche Metzgereien den Fortbestand ihrer Geschäfte sichern. Groß war der Aufschrei, als Philipp Kübler im Sommer 2021 nach 130 Jahren den Stammsitz seines Familienbetriebs am Feuersee dichtmachte. Die gesunkene Nachfrage nach Fleisch nannte er als Grund sowie die überdimensionierte Fläche. In einen Teil davon zog die Bäckerei Siegel mit einer Filiale ein. „Man muss Augen und Ohren offen haben“, erklärte er zur Schließung und kehrte knapp zehn Monate später mit dem Konzept „Kübler Go“ zurück. Seine Metzgerei hat seither rund um die Uhr geöffnet und bietet alle möglichen Lebensmittel aus Automaten an. Diese Technik scheint sich langsam zu verbreiten: In Herrenberg-Haslach verwandelte die Familie Gräther ihre Metzgerei ebenfalls in einen automatisierten 24-Stunden-Betrieb.
Gastronomie belebt das Viertel
Dass die Metzgerei am Bismarckplatz erhalten geblieben ist, ist dem Denkmalschutz zu verdanken: Wenn Belgin und Yilmaz Yogurtcu den Schriftzug an der Hausfassade abmontiert hätten, hätten sie keinen neuen anbringen dürfen, erzählt die Gastronomin. Also nannten sie ihr neues Lokal eben Metzgerei. Die Familie Häderle hatte in dem Geschäft in der Elisabethenstraße über Jahrzehnte Fleisch und Wurst verkauft. „Der Senior war sehr begeistert“ über seine Nachfolger, berichtet Belgin Yogurtcu. Die Geschichte findet sich nach wie vor auf der Speisekarte in Form von Steaks wieder, das Angebot an vegetarischen und veganen Speisen bauten sie jedoch wegen zunehmender Nachfrage aus. Ein paar Fotos von früher hängen noch im Restaurant. Am Anfang kam noch der ein oder andere Häderle-Stammkunde vorbei und verlangte ein Pfund Hackfleisch.
Ein neues Wohnzimmer für eine Familie
Die Metzgerei sei zu einem Wohnzimmer im Westen geworden, findet Belgin Jogurtcu. Manche Gäste würden sich nun wundern, woher das Lokal seinen ungewöhnlichen Namen habe, erzählt sie, „die meisten finden ihn einfach cool“. Der Strukturwandel hat ihrer Ansicht nach keine Nachteile, sondern Leben in das Viertel gebracht. Vor der Eröffnung sei der Bismarckplatz menschenleer gewesen, auf den Bänken vor dem Geschäft seien manchmal ein paar Rentner gesessen. „Jetzt kommen hier wegen der Gastronomie viele Menschen zusammen“, freut sie sich.
Aus der Metzgerei Wagner im Westen wurde auch ein Wohnzimmer – für eine Familie. Aus gesundheitlichen Gründen gaben Dieter und Angelika Wagner den Familienbetrieb in der Klopstockstraße nach 60 Jahren auf. In weniger als einem Jahr war der Laden umgebaut und damit verschwunden.