Ein bisschen New York City im Westen Studenten stellen Entwürfe für den Stuttgarter Westen vor

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Studenten der Stuttgarter Hochschule für Technik und ihre Kommilitonen aus Polen haben sich in einem Workshop mit städtebaulichen Lösungen für Problemfelder im Stuttgarter Westen befasst.

Für das  Quartier um die Schwabschule (Backsteingebäude) haben sich die Architekturstudenten extravagante Lösungen einfallen lassen. Foto: Kraufmann
Für das Quartier um die Schwabschule (Backsteingebäude) haben sich die Architekturstudenten extravagante Lösungen einfallen lassen. Foto: Kraufmann

S-West - Der Blick von Außen weist neue Wege. Deshalb hörten sich die Bezirksbeiräte kürzlich mit Spannung den Vortrag einer deutsch-polnischen Studentengruppe an. Gemeinsam hatten die angehenden Architekten der Stuttgarter Hochschule für Technik und ihrer polnischen Partnerhochschule nach städtebaulichen Lösungen für verbesserungswürdige Quartiere im Westen gesucht. CDU-Bezirksbeirätin Susanne Wetterich schlug vor, die Arbeiten im Bürgerzentrum auszustellen. „Es sind sehr schöne Entwürfe“, lobte auch Astrid Rotzler- Lung und fügte an „Die Gedanken sind frei“.

Mehr Fußgänger im Viertel

So frei, dass die Studenten vorschlugen an dem Zwickel zwischen Elisabethen-und Bebelstraße mit der Schwab- und der Friedensschule ein markantes, dreieckiges Bauwerk mit acht Stockwerken zu setzen. Vorbild ist das 1902 erbaute Flatiron -Building – das Bügeleisen – in New York City. Ausgehend von der Tatsache, dass mit der Wohnbebauung des benachbarten Olgäle-Areals mehr Passanten in im Viertel unterwegs sein werden und dass deshalb eine bessere Anbindung der beiden Quartiere dies-und jenseits der Stadtbahnschienen notwendig sei, haben sich die Studierenden mit der Neugestaltung des Zwickels befasst, der von den Hauptverkehrsachsen Bebel- und Schwabstraße einerseits und der Elisabethen- und Hasenbergstraße begrenzt wird.

Friedensschule als Kulturzentrum

Das Grundstück zerfällt – so die Studierenden – in zwei Teile. Hier die Tankstelle, dort die Schwabschule und die Friedensschule. Letztere ist geschlossen und soll nach dem Entwurf der Workshop-Teilnehmer für kulturelle Zwecke sowie für Bürgertreffs genutzt werden. Ein erster Entwurf verwandelte den Schulhof in einen Kulturgarten mit Arbeiten jener Künstler, die in der Friedensschule ihre Ateliers bekommen könnten. Diesen Plan verwarfen die Studenten rasch wieder, denn ihrer Meinung nach, ist das Areal dank der Elisabethenanlage und dem Bismarckplatz, der ebenfalls umgestaltet und üppig bepflanzt werden soll, ausreichend mit Grün versorgt. Sie stellten den staunenden Bezirksbeiräten eine urbane Lösung mit dem Dreiecksgebäude vor. Dies hebt die Form des Grundstücks hervor und begrenzt es.

Abriss der Tankstelle

Der Abriss der in städtischem Besitz befindlichen Tankstelle an der Bebelstraße ist unumgänglich: „Sie ist nicht schön“ – mit diesem Statement stießen die Studenten auf große Zustimmung. Auch mit ihrem Vorschlag, die Querung der Bebelstraße und der Stadtbahntrasse fußgängerfreundlicher zu machen, damit die Anbindung an das Olgäle-Areal glückt. Die Gleisanlagen sollen begrünt werden und der Übergang mit einem kontrastierenden Material belegt werden, sodass sich Fußgänger besser orientieren können. Die Barriere sei nicht zu beseitigen, aber durch diese Veränderungen könne sie abgemildert werden. Die beiden Bäume an der Ein-und Ausfahrt der Tankstelle sollen weichen. So wird die Sichtachse Richtung Bürgerzentrum einerseits und City andererseits klarer und der Blick soll direkt auf das mächtige Gebäude fallen, das statt der Tankstelle in der Spitze des dreieckigen Grundstücks ein „identitätsstiftendes Landmark“ setzen soll. „Es schließt den Block“, argumentieren die Studierenden und es soll vor allem Wohnraum schaffen. Für das neu bebaute Olga-Areal soll so architektonisch eine prominente Eingangssituation geschaffen werden.

Bezirksbürgermeister Reinhart Möhrle würdigte die beachtlichen Ergebnisse des einwöchigen Studenten Workshops und schätzt insbesondere, dass der Baubestand in den Entwürfen erhalten werde. Drei weitere Quartiere, die sich die Studenten unter dem Arbeitstitel „Tor zur Nachbarschaft“ vorgenommen haben, werden in einem zweiten Teil an dieser Stelle vorgestellt.

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