Studentenverbindungen Burschenschafter streiten in der Sängerhalle

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Am nächsten Wochenende diskutieren die deutschen Burschenschafter über die Zukunft ihres umstrittenen Dachverbands. Bei der Stadt sind drei Gegendemonstrationen angemeldet worden.

Rund 570 Burschenschafter wollen in Stuttgart mitdiskutieren. Foto: ddp
Rund 570 Burschenschafter wollen in Stuttgart mitdiskutieren. Foto: ddp

Stuttgart - Die Bielefelder Burschenschaft Normannia-Nibelungen lädt vom 23. bis zum 25. November zu einer Debatte über Geschlechterrollen und Familienpolitik ein. Ein viel wichtigerer Termin wird auf der Website der Deutschen Burschenschaft hingegen verschwiegen: Zur gleichen Zeit treffen sich Hunderte Burschenschafter in der Untertürkheimer Sängerhalle, um über die Zukunft ihres Dachverbandes zu diskutieren.

Zwischen den Flügeln tobt ein erbitterter Streit, eine Spaltung ist nicht ausgeschlossen. Sogar ein Antrag auf Auflösung liegt vor. Beim letzen Burschentag vor einem halben Jahr in Eisenach haben sich die extremen Rechten auf der einen und die Konservativen auf der anderen Seite derart gezankt, dass das Treffen vorzeitig beendet wurde. Trotz unzähliger Vorgespräche könnte die Situation auch in Stuttgart eskalieren. Während sich die knapp 600 Teilnehmer von Freitag bis Sonntag hinter verschlossenen Türen die Köpfe heiß reden, wird es auch rund um die Sängerhalle laut zugehen. Für Samstag sind drei Gegendemonstrationen angemeldet worden, linke Gruppen sind alarmiert.

Stadt hat keine Handhabe

Der Stadtrat Thomas Adler von der Fraktionsgemeinschaft SÖS/Die Linke hat einen Brief ans Kulturamt geschrieben, seine Fraktion sei „höchst besorgt, dass in einer Kultureinrichtung – die als Veranstaltungsort gemeinnütziger Vereine der Stadt ein hohes Ansehen genießt – nun eine solche Tagung stattfinden soll“. Er fragt an, ob die Stadt eine Vermietung untersagen könne. „Wir haben als Stadt überhaupt keine Möglichkeit, irgendetwas zu tun“, sagt der Pressesprecher Markus Vogt auf Anfrage. Die Veranstaltung finde in einer Halle statt, die privat vermietet und privat bewirtschaftet werde. Die Bundesregierung habe zudem in einer aktuellen Stellungnahme darauf hingewiesen, dass es keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür gebe, dass der Dachverband der Deutschen Burschenschaft Bestrebungen verfolge, die sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung richteten. Der Grünen-Fraktionschef Peter Pätzold fasst das so zusammen: „Sie sind nicht verboten, damit haben wir leider keinen Ansatzpunkt.“

Die Sängerhalle gehört der Chorgemeinschaft Untertürkheim, die die Räume an die Wangener CDU-Bezirksbeirätin Gisela Vögl verpachtet hat. „Uns wäre es lieber gewesen, die Pächterin hätte die Veranstaltung abgesagt“, sagt der Chorleiter Kai Müller. Er habe mit ihr gesprochen, jedoch ohne Erfolg.

„Sie sind nicht verboten. Und was ist nicht umstritten? Das ist nicht unser Problem, unsere Sache ist die Bewirtung“, betont Gisela Vögl. Scientology habe ebenfalls schon in Untertürkheim getagt. Und wenn eine türkische Hochzeitsgesellschaft in der Sängerhalle feiern wolle, schaue sie vorher auch nicht, ob ihr die Nase des Bräutigams gefalle. Die Gegendemonstrationen sieht sie gelassen. „Da passiert nichts, das findet statt und gut“, ist Vögl überzeugt.

Halle in Eisenach ist belegt

Im thüringischen Eisenach, wo der Verband seit der Wende jährlich tagt, hat es nach Angaben der Stadt noch nie gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben. Begeistert ist man offenbar trotzdem nicht über die Gäste. „Bei uns findet jedes Mal die Diskussion statt, ob wir die Veranstaltung ablehnen, das ist eine Gratwanderung“, berichtet die Pressesprecherin.

Dass diesmal Stuttgart als Veranstaltungsort ausgesucht wurde, ist nach Angaben des Verbandes Zufall. In der Wartburg-Stadt empfangen die Handballer der ThSV Eisenach am Samstag den SC Magdeburg und den ASV Hamm, die Werner-Assmann-Halle ist also belegt. Beim städtischen Ordnungsamt in Eisenach liegt übrigens noch kein Antrag der Burschen für den Burschentag 2013 vor. Zuerst müssen sie sich in Stuttgart einig werden, wie sie mit rechtsextremistischen Tendenzen in den eigenen Reihen umgehen.

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