Studentenwohnreport Die Rechnung geht für Studenten nicht auf
Studenten leiden besonders unter hohen Wohnungspreisen. Um den Fachkräften von morgen zu helfen, muss das BAföG steigen, meint Hauptstadtkorrespondent Tobias Heimbach.
Studenten leiden besonders unter hohen Wohnungspreisen. Um den Fachkräften von morgen zu helfen, muss das BAföG steigen, meint Hauptstadtkorrespondent Tobias Heimbach.
Wer ein Studium beginnt, bekommt die erste Prüfung direkt mit der Immatrikulation gestellt: Wie finde ich eine Wohnung oder ein WG-Zimmer? Eine aktuelle Studie zeigt, dass das immer schwerer wird. Rund 700 Euro kostet eine durchschnittliche Ein-Zimmer-Wohnung in Frankfurt oder München, ein WG-Zimmer knapp unter 500. Im BAföG-Satz sind für das Wohnen 360 Euro vorgesehen. Auch Studenten der nicht-naturwissenschaftlichen Fächer werden schnell feststellen, dass diese Rechnung nicht aufgeht.
Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt trifft neben Metropolen besonders die Universitätsstädte. Die Folgen dieser Entwicklung sind offensichtlich: Junge Menschen ziehen später aus. Das heißt auch, sie lernen später für sich selbst verantwortlich zu sein. Stattdessen bleibt man – gezwungenermaßen – Gast im Hotel Mama. Auch längere Pendelstrecken dürften für viele normal werden. Im schlimmsten Fall verzichten manche junge Menschen auf ein Studium – wahrscheinlich besonders diejenigen, deren Familien sie nicht finanziell unterstützen können. Dabei brauchen wir in Zeiten des Fachkräftemangels gut ausgebildeten Nachwuchs. Nicht nur, aber auch akademischen.
Zwar hat das Bauministerium von Klara Geywitz (SPD) ein Förderprogramm für Wohnheime verstärkt, doch es wird Jahre dauern, bis die fertig sind. Die aktuelle Studentengeneration hat davon nichts. Um ihr zu helfen, müsste man dringend das BAföG erhöhen. Denn anders als beim Bürgergeld gibt es keinen regelmäßigen Mechanismus, der den Betrag mit der Teuerung steigen lässt.
Eine gute Nachricht liegt in dem Studentenwohnreport womöglich nur für die Universitäten in Ostdeutschland oder im Ruhrgebiet. Sie könnten durch diese Entwicklung attraktiver werden. Denn viele Studenten dürften sich die Universität verstärkt danach auswählen, ob sie sich das Leben am Studienort leisten können oder nicht.