Die Hohenheimer Master-Studentin Anna Struth engagiert sich vielfältig für Umwelt- und Klimaschutz, auch an der Uni selbst.

Anna Struth will die Welt verändern, und dafür macht sie einiges. An der Universität Hohenheim leitet sie den Arbeitskreis Nachhaltigkeit, sie ist im Fakultätsbeirat und coacht als Trainerin Studierende für die Erstsemester-Akadamie. Im bundesweiten Netzwerk N war sie bis Januar Vorstandsmitglied, aktuell ist sie Sprecherin für zwei Arbeitsgruppen. Für ihren vielfältigen Einsatz stand die 32-Jährige im Februar auch zur Wahl als eine der Stuttgarterinnen des Jahres.

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Anna Struth hat sich schon immer engagiert. Sie stammt aus Ingelheim bei Mainz, hat dort Abitur gemacht. Schon früh hat sie sich als Jugendliche für das Zeltlager eingesetzt, hat sich darum gekümmert, dass Pizza gebacken und verkauft wurde, damit das Lager für alle erschwinglich blieb. Und in ihrem Volleyballverein in Ingelheim war sie mehr als nur Mitspielerin.

In Ecuador lernte sie eine neue Kultur kenne

Nach dem Abitur zog es die Rheinland-Pfälzerin erst einmal in die Welt. In Ecuador lernte sie vier Monate lang Spanisch und eine neue Kultur kennen, bevor sie im Südwesten von London „Fotografie und Kreatives Schreiben“ studierte. „Und dann wusste ich nicht so genau, was ich mit dem Bachelor machen sollte“, erzählt sie. Selbstständig machen wollte sie sich mit 22 nicht, in der Werbebranche zu arbeiten widersprach ihren Wertevorstellungen.

„Ich habe schon früh Dinge gesehen, die ich verändern wollte. Ich wollte irgendwie zum Wandel beitragen“, sagt sie. Aber dann habe ihr die Perspektive gefehlt, wie das mit den anstudierten Kenntnissen gelingen könnte. Eigentlich habe sie damals nach einem transdisziplinären Masterstudiengang gesucht, in dem man den Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen weitet. Aber dann entdeckte sie an der Züricher Fachhochschule den Studiengang Umweltingenieurwesen mit Vertiefung biologische Landwirtschaft.

Ein Praktikum in der Solidarischen Landwirtschaft

Die Zeit in der Schweiz hat Anna Struth bis heute geprägt. Das Studium war voller Exkursionen, Praxiseinheiten, Gruppenarbeit. Sie machte ein Praktikum in der Solidarischen Landwirtschaft - und lernte „Euforia“ kennen. „Du willst einen Unterschied bewirken, weißt aber nicht, wo du anfangen sollst? Du hast schon viele Ideen, aber es fehlen dir das Vertrauen oder/und das Team, um sie umzusetzen? Dann ist unser imp!act Training das richtige für dich!“ So wirbt die Organisation für ihr Angebot, Anna Struth kann es auswendig.

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„Das hat gut zu dem gepasst, was ich gesucht habe“, sagt sie. Es gebe eine große Kluft zwischen Menschen, die denken, man müsste etwas tun, und denjenigen, die wissen, dass man etwas tun könnte, denen aber der Mut dafür fehlt. Da setze das Euforia-Training an und bringe junge Leute mit ihren Ideen, Fähigkeiten, Werten, Interessen, manchmal auch schon Projekten zusammen.

Anna Struth war schnell Teil der Organisation, leitete bald Workshops, zum Teil ehrenamtlich, zum Teil auf Honorarbasis. In der Schweiz habe sie erlebt, „dass Engagement wahnsinnig viel Spaß machen kann“, sagt sie und versucht seitdem, diesen Spaß weiterzugeben. Nach dem Abschluss in Zürich Anfang 2016 arbeitete sie in einem Forschungsinstitut an einem Projekt für ein Wissensystem in der Landwirtschaft mit, kümmerte sich in Chile um Bildung für nachhaltige Entwicklung, bereitete in der Bildungsabteilung der Grünstadt Zürich eine große Ausstellung für Dach- und Vertikalbegrünung mit vor.

Corona hat ihr Studium ausgebremst – und neue Möglichkeiten eröffnet

Der Master-Studiengang Biologische Landwirtschaft und Ernährungssysteme brachte sie schließlich 2018 nach Hohenheim. Aus dem geplanten einen Jahr dort sind inzwischen vier geworden, die Coronapandemie hat sie und ihr Studium zwar ausgebremst, ihr gleichzeitig aber vielfältige Möglichkeiten des Engagements für eine Veränderung der Hochschulwelt geboten. In der Erstsemester-Akademie Baden-Württemberg zum Beispiel bekommen Erstsemester Informationen, wie sie ihr Studium und ihren Alltag ökologischer, sozialer und ökonomischer gestalten können. Zunächst wurde die Akademie nur für Hohenheim organisiert, jetzt gibt es sie im ganzen Land, die Ausweitung auf Deutschland ist geplant.

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Ähnlich ist die Entwicklung bei den Nachhaltigkeitswochen, an denen sich im vergangenen Jahr – digital – 19 Hochschulen mit 160 Veranstaltungen in Baden-Württemberg beteiligten. Anna Struth leitet in Hohenheim den Arbeitskreis Nachhaltigkeit und war zwei Jahre lang im Vorstand des Netzwerk N. Das Netzwerk feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen, hat inzwischen 209 lokale Gruppen, und will Nachhaltigkeit und Klimaschutz an die deutschen Hochschulen bringen. Und die Hohenheimer Master-Studentin ist natürlich dabei, wenn es um die Vorbereitung eines Festivals in Thüringen zum Zehnjährigen des Netzwerks geht.

Das 1,5-Grad-Ziel endlich ernst nehmen

Im Herbst will Anna Struth ihren Master haben, in ihrer Abschlussarbeit beschäftigt sie sich auch mit Hochschultransformation. Was danach für sie kommt, hält sie sich offen. Die Forschungsarbeit reizt sie, dort könnte sie sich eine Zukunft vorstellen. Seit einiger Zeit ist sie schon als Freiberuflerin tätig und gibt Workshops im Bildungs- und Organisationsbereich. Das würde sie gerne weiter machen. Eine dritte Option wäre für sie die Arbeit in einer Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich mit Ernährung beschäftigt.

Die notwendige Veränderung der Gesellschaft wird sie also weiter umtreiben, egal wo sie künftig tätig sein wird. Sie hofft, dass man gesamtgesellschaftlich das 1,5-Grad-Ziel endlich ernst nimmt, und dieses Ziel mit ökologischen und sozial gerechten Veränderungen anstrebt. Und dafür könne jeder an seinem Ort und in seinem Leben etwas tun. Anna Struth: „Wenn wir die große Transformation wollen, dann braucht es sie in allen Bereichen.“